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Kultur im Hohen Norden

1. Januar 2008

Erst bittere Armut als Fischereihafen, dann Reichtum als Norwegens Metropole für das Nordsee-Öl. Und nun hegt Stavanger die Hoffnung auf ein bisschen Glanz als europäische Kulturhauptstadt.

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Bild: picture-alliance/ dpa

Mit gerade mal 117.000 Einwohnern ist Stavanger nur ein Winzling im Vergleich zur englischen Co-Kulturhauptstadt Liverpool. Und deren Berühmtheit dank Beatles hat sie nichts entgegenzusetzen. Ganz bewusst haben die norwegischen Organisatoren deshalb, sowie wohl auch aus schnödem Geldmangel, auf ein Kulturprogramm ohne teure Superstars und spektakuläre Events gesetzt.

"Nein, vorläufig haben wir wenig Berühmtheiten. Wir setzen auf Bürgerbeteiligung und Neues", meinte Pressechefin Bente Aae bei der Programmvorstellung in der viertgrößten Stadt Norwegens. Wegen mangelnder Popularität in der Bevölkerung mussten die Arrangeure auch bis zuletzt um ihren mit 300 Millionen Kronen (37 Millionen Euro) nicht unbedingt üppigen Etat kämpfen. Nun aber "läufts". Am Ende kündigten auch König Harald V. und König Sonja nach einigem Zögern ihre Teilnahme zur Eröffnung am 12. Januar an.

Innovative Künstlergruppen

Als Vorzeigeprojekt der Norweger gelten vier vor allem als "innovativ" angekündigte Künstlergruppen, die jeweils über längere Zeit in der Stadt an Norwegens Nordseeküste arbeiten sollen. "Wir wollen keine Berühmtheiten, die aus dem Flugzeug klettern, mal eben auftreten und gleich wieder verschwinden", sagt Aae. Und so stehen denn das Musiktheater Transparant (Belgien), die Gruppe Inbal Pinto Dance (Israel), das Oskarus Korsunovas Theater (Litauen) und die Puppenspieler von Handspring Puppets (Südafrika) ganz oben im Stavanger-Programm.

Daten unf Fakten zu Norwegen

Daneben bieten die Norweger insgesamt 120 Veranstaltungen mit enorm breiter Streuung und oft stark regionalem Bezug an. Von den europäischen Blechblas-Meisterschaften über Projekte zur künstlerischen Landschaftsgestaltung bis hin zu Installationen in der Stadt sowie Sonderausstellungen im Petroleum-Museum und rund 300 Kilometer von der Küste entfernt um die Öl- und Gasförderung in der Nordsee.

Norwegian Wood

Vielleicht auch als kleiner Gruß an Liverpool steht bis zum Herbst ein Architektur-Projekt unter dem Titel eines Beatles-Liedes an: "Norwegian Wood" über umweltfreundliches, innovatives Bauen mit Holz. Wie ein auffällig großer Teil des Programmes ist auch dieser stark in der Region verankert und wenig nach außen gerichtet - obwohl das Programm doch eigentlich die Weltoffenheit der Hafenstadt dokumentieren soll. Vielleicht unbeabsichtigt auch ein Resultat der traditionellen Euro-Skepsis der Norweger. Immerhin hat die Bevölkerung schon zweimal, 1972 und 1994, den von der Regierung in Oslo unterstützen EU-Beitritt per Volksabstimmung abgelehnt.

Als Kulturhauptstadt Europas setzt das 1125 gegründete Stavanger auf die Kombination von modernem Wirtschaftsleben mit historischen Kulturerbe. Sehenswürdigkeiten in der mehrfach von Bränden verheerten Stadt sind der im 12. Jahrhundert begonnene Dom und die Altstadt mit Holzhäusern aus dem 18. Jahrhundert. (wga)