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Asien

Einbußen bei Vietnams Tourismus

In Vietnam ist die Zahl internationaler Besucher rückläufig: Im ersten Quartal kamen 13,7 Prozent weniger Gäste als im Vorjahreszeitraum. Der Minus-Trend hält seit zehn Monaten an.

"Timeless Charm" lautet Vietnams offizielles Tourismus-Motto, aber die für das Land wichtige Branche macht gerade schwierige Zeiten durch. In den vergangenen Dekaden verzeichnete das Reiseziel Vietnam hohe Wachstumsraten. 2010 wurde die Marke von fünf Millionen Gästen überschritten, und im Jahr 2014 kamen nach der von der vietnamesischen Tourismusbehörde veröffentlichten Statistik rund 7,9 Millionen internationale Besucher, davon 4,8 Millionen Touristen.

Der jüngste Rückgang von über 13 Prozent ist zu einem großen Teil auf einen Einbruch der Gästezahlen aus Vietnams größtem Markt China - im ersten Quartal kamen 40 Prozent weniger chinesische Besucher im Vergleich zum Vorjahreszeitraum - sowie aus Russland (minus 27 Prozent) zurückzuführen. Schuld daran sind politische Spannungen zwischen China und Vietnam wegen der Territorialkonflikte um Inseln im Südchinesischen Meer. Nach der Installation einer chinesischen Ölbohrinsel in den umstrittenen Gewässern kam es im vergangenen Jahr in Vietnam zu Ausschreitungen gegen chinesische Unternehmen. Der dramatische Absturz des Rubels wiederum hat zur Folge, dass viele russische Gäste ausbleiben.

Kanufahren in der Halong-Bucht (Foto: picture alliance/Robert Harding World Imagery)

Die Halong-Bucht im Golf von Tonking ist eines der bekanntesten Touristenziele Vietnams

Auswirkungen der Euro-Schwäche

Auch für mehrere europäische Länder weist die neueste Statistik einen leichten Rückgang aus. Der Trend sei "besorgniserregend", sagt Hoang Nguyen, Vizedirektor von Handspan Travel Indochina in Hanoi. Der Reiseveranstalter konzentriert sich auf Gäste aus Europa, Nordamerika und Australien. Das derzeit größte Problem für den europäischen Markt sei die Euro-Schwäche gegenüber dem US-Dollar, die Südostasien-Reisen für europäische Kunden teurer mache.

"2015 wird wegen des Euro-Tiefs problematisch", sagt auch Torsten Edens, Geschäftsführer von Diethelm Travel Vietnam in Hanoi. "Das werden wir vor allem in der kommenden Hochsaison ab Herbst spüren." Die Hotels würden darauf zu spät reagieren und ihre Preise solange nicht senken, bis die Gäste ausblieben. Die Gästezahlen aus China hingegen würde sich bald wieder normalisieren, prognostiziert er. "Die Zahl der Anfragen steigt wieder." Bei den russischen Gästen könne dies allerdings noch zwei bis drei Jahre dauern.

Touristinnen in Vietnam mit traditionellen Hüten (Foto: picture-alliance/dpa/Luong Thai Linh)

Individuellere Angebote anstatt "one size fits all" sollen Aufschwung bringen

Umständlicher Visum-Antrag

Der frühere stellvertretende Chef der vietnamesischen Tourismusbehörde, Luong Hoai Nam, nannte in einem Kommentar in der vietnamesischen Zeitung Tuoi Tre das komplizierte Prozedere, das Touristen für ein Vietnam-Visum durchlaufen müssen, als einen der Hauptgründe für sinkende Gästezahlen. "Urlauber werden stattdessen dorthin reisen, wo sie kein Visum brauchen oder dieses bei Ankunft erhalten können."

Vietnam-Touristen müssen selbst für ein so genanntes "Visa on arrival", das am Flughafen ausgestellt wird, vorher über eine Agentur einen Genehmigungsbrief beantragen. Damit kann dann an einem Schalter am Flughafen gegen eine Gebühr von 45 US-Dollar in bar - der Preis wurde vor zwei Jahren um 20 Dollar erhöht - ein Visum für einen Monat bei einmaliger Einreise abgeholt werden, was mit Wartezeiten und erneutem Formular-Ausfüllen verbunden ist. Wer in seinem Heimatland das Visum bei der vietnamesischen Botschaft beantragt, bezahlt noch um einiges mehr. Gäste würden sich jedoch weniger über den Preis als vor allem über den umständlichen Vorgang beklagen, sagt Hoang Nguyen von Handspan.

Seit kurzem sind Touristen aus den Ländern Dänemark, Finnland, Schweden, Norwegen, Russland, Japan und Südkorea von der Visumpflicht befreit, sofern sie nicht länger als 15 Tage in Vietnam bleiben. Auch Gäste aus den ASEAN-Staaten brauchen kein Visum mehr. Aus der Branche kam der Antrag, die Liste um weitere Länder wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Australien und Indien zu erweitern, doch dies kann noch dauern. "Ich glaube schon, dass mehr Touristen kommen würden, wenn sie nicht mit solchen Gebühren bestraft würden", sagt Edens von Diethelm Travel.

Hotelgaeste bei morgendlichen Qi Gong Uebungen auf dem Dach des Hotels à la carte am My-Khe-Strand von Da Nang (Foto: picture-alliance/dpa/T. Uhlemann)

Vietnams Tourismus-Manager hoffen auf einen neuen strahlenden Morgen

Vietnam-Marketing überzeugt nicht

Auch Tourismusberater Kai Partale, der ein von der EU unterstütztes Programm für umwelt- und sozialverträglichen Tourismus (ESRT) in Vietnam leitet, sieht bei der Visum-Problematik Handlungsbedarf, der werde aber inzwischen auch bei den Behörden im Land gesehen. Zudem stehe der vietnamesischen Tourismusbehörde nur ein verschwindend kleines Budget für Marketing und Branding zur Verfügung; im vergangenen Jahr waren es weniger als eine Million US-Dollar - ein Bruchteil dessen, was andere Länder in der Region in ihre Tourismuswerbung investieren. Selbst Kambodscha wendet dafür deutlich mehr auf.

Der Bekanntheitsgrad von Vietnam, sagt Edens von Diethelm Travel, sei im Vergleich gering, es bestehe keine klare Markenbildung. An der Tourismusmesse ITB in Berlin im März habe sich das Land entsprechend kalt und unzeitgemäß präsentiert, während die Nachbarn Kambodscha und die ehemalige laotische Königsstadt Luang Prabang mit "wunderbaren Ständen" vertreten gewesen seien.

Statt nur Rundreisen von Nord bis Süd im Schnelldurchlauf will Diethelm Travel die Regionen Nord-, Zentral- und Südvietnam als separate Reiseziele vermarkten. "In jeder der drei Regionen sind das Wetter, das Essen und die Menschen anders, und in jeder kann man gut zwei Wochen Urlaub verbringen, um sie zu entdecken und zu erleben. Vietnam hat so viel zu bieten, zu jeder Jahreszeit." Bei Handspan will man vermehrt auf neue Märkte wie Touristen aus Indien und Südamerika setzen. Neben den Top-Sehenswürdigkeiten wie die Halong-Bucht und das Mekong-Delta sollen auch neue Ziele wie die Provinz Ha Giang im nördlichen Hochland und Trekking-Touren im Naturreservat Ngoc Son Ngo Luong südöstlich der Hauptstadt Hanoi ins Programm genommen werden.

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