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Kultur

Einander Zuhören als Mittel des Dialogs

Eine jüdische und eine palästinensische Organisation verantworten ein Dialogprojekt. Ihre Hoffnung: Wenn sich Juden, Moslems und Christen näher kennen lernen, lassen sich die Konflikte im Heiligen Land besser lösen.

Symbolbild für interreligiösen Dialog: Minarett und Kirchturm in der Altstadt von Jerusalem (Foto: DW/ Daniel Pelz)

Kirchturm und Minarett in Jerusalem

Es ist ein spannender Dialog. Auch für einen Profi wie Faisal Hijazeen. Er ist der katholische Pfarrer von Ramallah im Westjordanland. Nebenbei lehrt er Ethik an der Universität von Bethlehem – vor christlichen und muslimischen Studenten. Von jüdischen oder muslimischen Theologen zu lernen – für ihn eine ganz neue Erfahrung. "Wir haben ein Problem im Nahen Osten unter den drei Religionen. Wir haben den anderen nie zugehört, aber in diesem Projekt erfahren wir, wie die Religionen über verschiedene Fragen denken", sagt Faizal Hijazeen.

Pfarrer Faizal Hijazeen, Teilnehmer des Dialogprojekts von DED und CCR (Foto: DW/ Daniel Pelz)

Pfarrer Faizal Hijazeen

Diesen Dialog in Gang setzen – darum haben das "Zentrum für Konfliktlösung und Versöhnung" (CCR) in Betlehem und die "Rabbiner für Menschenrechte" das Projekt vor drei Jahren gestartet. Unterstützung bekommen sie vom Deutschen Entwicklungsdienst (DED). "Unser Dialogprojekt basiert auf den religiösen Werten und wir glauben, dass die drei großen Religionen in dieser Gegend, also Islam, Christentum und Judentum, auf den gleichen Werten beruhen", erklärt Noah Salameh, der Direktor des CCR. Für ihn heißt das: Alle Menschen haben die gleiche Rechte, egal welche Nationalität, Hautfarbe oder was auch immer sie haben. "Wir wollen die religiösen Führer dazu bewegen, die Situation vor Ort zu verändern und Druck auf ihre Regierungen auszuüben", erklärt Salameh.

Kein theologischer Diskurs

Dreimal im Jahr treffen sich die Vertreter der drei verschiedenen Religionen für mehrere Tage in großer Runde. Kein theologischer Diskurs soll es sein, sondern die brennenden Themen in der Region sollen zur Sprache kommen: Land, Menschenrechte oder Demokratie. Am Ende verfassen sie eine gemeinsame Position. Dann beginnt der zweite Teil der Aufgabe: Die Position in den eigenen Kirchen, Moscheen und Synagogen bekannt zu machen. Denn die Teilnehmer des Projekts sollen als Multiplikatoren wirken.

Sheikh Bilal, Teilnehmer des Dialogprojekts von DED und CCR mit dem Direktor des CCR (Center for Conflict Resolution and Reconciliation) Noah Salameh in Bethlehem (Foto: DW/ Daniel Pelz)

Sheikh Bilal und Noah Salameh

Sheik Bilal Zreinah ist einer der palästinensischen Teilnehmer. Derzeit arbeitet er als Dozent an der Universität von Bethlehem und predigt in verschiedenen Moscheen. Für ihn steht seit einigen Jahren fest, dass der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis nur friedlich gelöst werden kann. Trotzdem: "Es war für uns Palästinenser wegen der Politik der israelischen Regierung nicht einfach, uns mit den Rabbinern an einen Tisch zu setzen", erzählt er. Aber das Problem sei bald gelöst worden, als die Rabbiner und die Imame ins Gespräch kamen. "Einige von ihnen sagten, dass auch sie gegen die Besatzung sind und die Politik der israelischen Regierung gegenüber den Palästinensern nicht teilen."

Besondere Erfahrungen

Knapp zehn Kilometer weiter in Jerusalem betet Rabbi Miriam Berkowitz in der Kapelle eines Krankenhauses. Dass eine Rabbinerin in einer christlichen Kapelle betet – eine Seltenheit. Genauso selten ist auch das Krankenhaus, in dem Miriam Berkowitz gerade ist. Das St. Louis-Hospiz in der Jerusalemer Altstadt ist eines der wenigen, in dem Christen, Muslime und Juden gleichermaßen behandelt werden.

Rabbi Miriam Berkowitz, Teilnehmerin des Dialogprojekts von DED und CCR mit einer Patientin des St. Louis-Hospiz in Jerusalem (Foto: DW/ Daniel Pelz)

Rabbi Miriam Berkowitz

Dass sie hier ein Praktikum macht, ist kein Zufall. Denn wie Sheik Bilal lernte auch Rabbi Berkowitz durch das Projekt, dass sie von den anderen viel zu wenig weiß. "Ich habe mich immer gefragt, ob es so etwas wie einen 'Reform-Islam' gibt. Im Judentum gibt es eine solche Strömung". Bei einem Treffen der Gesamtgruppe bekam sie dann die Antwort: "Da sagte ein islamischer Intellektueller 'Ja, es gibt Dinge, die sich verändern müssen'. Ich war so begeistert, dass es auch im Islam eine Debatte um Tradition und Moderne gibt."

Kein Frieden ohne politische Lösungen

Durch ihr Krankenhaus-Praktikum will Miriam Berkowitz jetzt mehr Wissen über die anderen Religionen sammeln. Ermutigende Zeichen, aber nicht mehr als ein Anfang. Denn die meisten Teilnehmer des Dialogprojektes sind sich in einem einig: Alleine können die Religionen keinen Frieden schaffen. Dazu sind politische Kompromisse nötig.

Autor: Daniel Pelz

Redaktion: Klaus Gehrke