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60 Jahre DW

„Ein Wunder an Leistung“

Reformen in der DW – das ist ein Dauerbrenner. Vom Sendestart an gehören Veränderungsprozesse zum Alltag. Ein Rückblick.

Nichts ist in Beton gegossen: Dauerbaustelle DW

Nichts ist in Beton gegossen: Dauerbaustelle DW

„Die unverzichtbare Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und die Grundsätze der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit, denen auch die DW (…) unterliegt, verlangen die unvoreingenommene Überprüfung (…) der gegenwärtigen Aufgaben und die Umsetzung vertretbarer Einsparungsmöglichkeiten.“

Ein Auszug aus der aktuellen DW-Aufgabenplanung? Nein, aus dem Strategiepapier „Mittelfristige Perspektiven der Deutschen Welle“ – vom Rundfunkrat am 26. November 1984 einstimmig verabschiedet.

Viele Formulierungen klingen auch 30 Jahre später vertraut: „…muss sich den neuen Herausforderungen in programmlicher und technischer Hinsicht stellen“, „die Konkurrenz (…) und der weltweit verstärkte Einsatz neuer Medientechniken gefährden die Bewältigung der der DW übertragenen Aufgaben“, „muss den Veränderungen der politischen Verhältnisse in der Welt und den sich wandelnden Informationsbedürfnissen (…) Rechnung tragen“.

Sendeanlage in Jülich 1956

Sendeanlage in Jülich 1956

Weiterentwicklung, Wandel, Reformen gehören von Beginn an zum DW-Alltag. Zunächst bestimmen Auf- und Ausbau von Redaktionen, von Programm und Technik die Agenda. Mit der Zahl der Sendeanlagen steigt auch die Möglichkeit, mehr Programme aufzulegen. 1962 hat die DW 17 Sendesprachen, vier Jahre später sind es 28 und 1973 bereits 33. Entsprechend braucht die DW mehr Personal und räumliche Kapazitäten. Immer neue Organisationsentscheidungen zeugen von den Veränderungen.

Sparzwänge nehmen zu

„Was im Haus mit eigener Kraft erarbeitet werden kann, darf nicht länger als Auftrag an Außenstehende vergeben werden“, mahnt 1974 Intendant Walter Steigner. Er fordert verantwortungsvollen Einsatz der Mittel und kündigt an: „In einem ordentlichen Rundfunkhaus wird immer umgezogen und umorganisiert.“

Die meisten uns können sich vermutlich nur schwer vorstellen, welche Arbeitsbedingungen offenkundig in den ersten Jahrzehnten bei der DW herrschten. „Ich kenne keine internationale Kurzwellenstation, die in ihrer Arbeit so behindert ist wie unsere“, stellte Steigner im Juli 1972 in einer Personalversammlung fest. Die Verteilung der Belegschaft auf verschiedene Standorte in Köln, die räumlich Enge – noch immer wirkt vieles improvisiert, unfertig. Zugleich steht die DW unter dem Druck, mit den rasanten internationalen Entwicklungen Schritt zu halten.

Zeitgleich mit den Olympischen Sommerspielen in München weitete die Deutsche Welle ihr Sendernetz erheblich aus. Olympische Sommerspiele 1972 in Muenchen vom 26.08. - 11.09.1972, Spiele 72 der XX. Olympiade,

Zu den Olympischen Sommerspielen in München weitete die Deutsche Welle ihr Sendernetz erheblich aus.

Während Russen und US-Amerikaner, Chinesen, Briten und andere ihre internationalen Medienaktivitäten kraftvoll ausbauen, müht sich die DW, in einigen Weltregionen überhaupt erst hörbar zu werden. Zwei sportliche Großereignisse in Deutschland veranlassen die Politik zum Handeln: die Olympischen Spiele 1972 und die Fußballweltmeisterschaft zwei Jahre darauf. Hervorragende Anlässe, um weltweit von der Aufmerksamkeit zu profitieren, die das Land erfahren wird. Dazu aber muss zunächst in die Empfangbarkeit investiert werden. „Jülich – Wertachtal – Sines – Malta – Karibik – Sackville – das ist das Sendernetz, das die Deutsche Welle jetzt ausgeworfen hat“, erklärt Steigner Anfang 1972.

Überflüssiges abschneiden

Der weitere Ausbau der Leistungsfähigkeit und die Planungen für ein eigenes Funkhaus, das sind die prägenden Themen in diesen Jahren. Mit dem Neubau verbindet der Intendant die Aussicht auf "viele Möglichkeiten der Rationalisierung in der täglichen Arbeit".

Sparappelle und damit verbundene Reformen verunsichern die Belegschaft. 1975 muss der Intendant dem Eindruck begegnen, "in der Deutschen Welle herrsche eine gewisse Resignation, in unserer Anstalt würde mehr abgebaut als aufgebaut". Steigner verweist auf die Fortschritte – beispielsweise die Umgestaltung des Englischen Programms, die Ausweitung von Portugiesisch und die Einführung von Bengalisch.

Verbesserungsbedarf sieht 1980 auch Intendant Conny Ahlers. Er will "Umorganisation und Verbesserung der Kooperation", spricht von "Abschneiden von Überflüssigem", und kündigt "eine allgemeine Überprüfung des Programms" an. Eine Botschaft, die nicht jedem gefällt – die durch den frühen Tod des Intendanten ohnehin verhallt.

Ende der 1980er-Jahre baut die DW ihre TV-Aktivitäten aus. So feiern im Juli 1988 die Monatsmagazine "Focus on Europe" und "Schauplatz Deutschland – Germany live" Premiere in den USA und Kanada. 1989 nennt Intendant Dieter Weirich in seiner Antrittsrede den Aufbau eines weltweiten, aktuellen Satellitenfernsehens als eines seiner wichtigsten Ziele.

Reformtempo nimmt zu

Durch die rundfunkpolitische Neuordnung nach der Wiedervereinigung sind gewaltige Veränderungen zu bewältigen: Die DW übernimmt nicht nur Teile des früheren DDR-Auslandssenders Radio Berlin International und die elf Europaredaktionen des DLF, sondern auch das Berliner RIAS-TV – das nun zum globalen TV-Programm ausgebaut wird. Das Reformkonzept „DW 2000“ fasst die Maßnahmen zur Reorganisation und Modernisierung zusammen. Mittel aus Personal, Technik und Verwaltung sollen zugunsten des Programms und der Nutzung des Internets umgeschichtet werden. Damit verbunden ist eine umfassende innere Reorganisation.

In immer schnellerem Rhythmus müssen seither die Reformpapiere angepasst werden, um mit den rasanten Veränderungen in der internationalen Medienwelt Schritt zu halten.

1971 hieß es in einer externen Studie, die der Verwaltungsrat in Auftrag gegeben hatte: „Die Arbeit der Deutschen Welle ist bei minimalen Kosten nahezu ein Wunder an Leistung.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Jubiläum

Signet DEU 60 Jahre im Dialog mit der Welt NOCHT NICHT VERWENDEN

Seit 1953 auf Sendung

60 Jahre im Dialog mit der Welt: Im Jubiläumsjahr 2013 haben wir für Sie Infos, Stimmen und Bilder zusammengestellt.