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Politik

Ein Wolf im Schafspelz

Der Verbrecher Thomas Wolf wurde oft verurteilt und inhaftiert, flüchtete dann aber meist. Jetzt ging er den Fahndern in Hamburg ins Netz. Das Ende eines jahrzehntelangen Katz- und Maus-Spiels.

Schwerverbrecher Thomas Wolf (Fahndungsbild)

Schwerverbrecher Thomas Wolf (Fahndungsbild)

Das Jahr 1968: Thomas ist 15 Jahre alt - ein Teenager in den wilden 60ern. Er wächst in Düsseldorf auf. Er ist intelligent, kann gut mit Menschen umgehen und hat keine Lust auf Schule. Er nimmt sich, worauf er Lust hat - ohne zu bezahlen. Hier und da mal ein Fahrrad und auch in Geschäften bedient er sich. Er büxt aus einem Jugendheim aus, schmeißt die Schule, landet im Gefängnis. Noch ist Thomas Wolf ein Kleinkrimineller doch das ändert sich.

Zellentrakt der JVA Bruchsal (Foto: AP)

Bekannter Anblick für Wolf: Ein Gefängnistrakt (hier JVA Bruchsal)

Als er wieder auf freiem Fuß ist, folgen neben weiteren Diebstählen auch schwerere Delikte wie Körperverletzung und Raub. Er wird wieder gefasst, kommt wieder ins Gefängnis. Im Knast nimmt er an einem Hauptschulabschlusskurs teil - sein erster Abschluss. In der Zeit von 1981 bis 2000 sitzt Wolf in etlichen Haftanstalten in Nordrhein-Westfalen ein, bricht immer wieder aus und wird immer wieder festgenommen. Ein ewiges Katz- und Mausspiel beginnt.

Mit Geschick und Säge geflohen

Mal flieht er aus einer Gefängnisklinik, mal zersägt er die Gitterstäbe der JVA Gütersloh, dann wird der Vollzug in der JVA Geldern gelockert, die Chance für den Schwerverbrecher. Er flieht. 1990 überfällt der "Räuber Rotzfrech" wie ihn einige Medien mittlerweile nennen im hessischen Kelsterbach eine Bank - wieder wird er festgenommen.

Fahnder des BKA stehen zusammen (Foto: dpa)

Das BKA war Wolf stets auf der Spur - kam aber oft zu spät

Das Jahr 2000: In der Haftanstalt in Moers in Nordrhein-Westfalen wartet man vergeblich. Thomas Wolf kehrt nach einem Hafturlaub nicht zurück. Eigentlich müsste er noch eine sechsjährige Freiheitsstrafe wegen Bankraubs als Teil einer Gesamtstrafe von 21 Jahren absitzen. Der Verbrecher wählt Flucht statt Knast. Für die Polizei beginnt die Mission "Fang den Wolf" somit aufs Neue.

Thomas Wolf braucht Geld und überfällt erneut eine Bank, dieses Mal in Hamburg. Mit einer Bombenattrappe erpresst er eine halbe Million Mark. Er hat gelernt, ist professionell, wechselt seine 14 Identitäten wie ein Chamäleon seine Farben. Er spricht akzentfrei englisch und niederländisch. In den nächsten Jahren überfällt Wolf mindestens drei weitere Banken in Belgien und Holland. Mit gefälschtem niederländischen Pass verbringt er acht Jahre völlig unbehelligt in einem Frankfurter Mehrfamilienhaus unter dem Namen David van Dijk. Er lebt von der Beute aus seinen Überfällen. Der mittlerweile 48-Jährige hält sich fit. Er geht schwimmen und stemmt Gewichte, führt ein ganz normales Leben. Auch seine Lebensgefährtin, eine Lehrerin, schöpft keinen Verdacht.

Kidnapping statt Bankraub

Thomas Wolf lächelt auf einem Fahndungsfoto (Foto: AP)

Thomas Wolf - der nette Mann von nebenan

Das Jahr 2009: Obwohl seine Beute eigentlich für ein ganzes Leben reichen müsste: Thomas Wolf macht weiter. Dieses Mal überfällt er keine Bank, sondern entscheidet sich für Kidnapping. Im März bringt er eine Bankiersgattin in seine Gewalt und fordert zwei Millionen Euro Lösegeld. Er kassiert 1,8 Millionen Euro und verrät der Polizei an welchen Baum er seine Geisel gefesselt hat - dann entkommt er. Er fühlt sich offenbar sicher, hinterlässt Fingerabdrücke, macht keine Anstalten seine Identität zu verbergen. Die Fahndung des Bundeskriminalamts läuft auf Hochtouren. Überall hängen Fahndungsbilder. Die Belohnung steigt auf 100.000 Euro. Der mittlerweile 56-Jährige Thomas Wolf wird zum meistgesuchten Verbrecher Deutschlands. Am Donnerstag (28.05.09) war es dann soweit, die Polizei greift zu. Wolf wird auf der Hamburger Reeperbahn festgenommen. Er leistet keinen Widerstand. Jetzt geht´s zurück ins Gefängnis.

Autor: Benjamin Wüst
Redaktion: Wim Abbink

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