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Wirtschaft

Ein Winterforum und seine Kritiker

Viele Globalisierungskritiker protestieren seit Jahren gegen das Weltwirtschaftsforum im Schweizerischen Davos. Ist der Protest im Jahr der Krise überhaupt noch nötig - oder haben die Mächtigen verstanden?

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Davos am 29. Januar 2000: Mehr als 1500 Globalisierungsgegner ziehen durch die Straßen des Skiörtchens, durchbrechen Polizeisperren und marschieren auf das Luxus-Hotel Belvedere zu, in dem die Mächtigen der Welt tagen. Mit Wasserwerfern und Gummigeschossen gelingt es der Polizei, die Demonstranten zu stoppen. Der Frust der Globalisierungsgegner entlädt sich schließlich an einer Fastfood-Filiale.

Die Proteste wiederholen sich jedes Jahr Ende Januar. Das Weltwirtschaftsforum, ist den Globalisierungsgegnern ein Symbol: Ein Symbol für eine in ihren Augen fehlgeleitete Globalisierung. Sie verstärke Armut und zerstöre die Umwelt.

Kritiker dürfen mitreden

Allerdings sind auch in Davos die Jahre vorbei, in denen die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums sich mit Konzepten zur Deregulierung der Märkte überbieten. "Wir sind alle Keynsianer“ - hört man jetzt häufig im Kongresszentrum in Davos und auch über mehr Kontrolle für die Finanzindustrie wird gesprochen. Viele Gegner, wie Maurizio Coppola, Generalsekretär von Attac Schweiz, sind skeptisch: "Es ist, wie wir schon lange sagen, eine Privatisierung der Gewinne und eine Sozialisierung der Verluste.“

Seit sechs Jahren können Aktivisten diese Kritik auch in Davos gegenüber den Managern und Politikern äußern. Beim so genannten "Open Forum“. Dort darf nicht nur mitdebattieren, wer sich die 11.000 Euro Teilnahmegebühr leisten kann und persönlich eingeladen wurde.

Gegenveranstaltung

Während die Konzernlenker und Regierungschefs ein paar hundert Meter weiter im repräsentativen Kongresszentrum tagen, muss sich das Open Forum mit der Aula der alpinen Mittelschule zufrieden geben. Dabei sind viele Redner dieselben, wie auf dem Weltwirtschaftsforum nebenan. Nur müssen sie sich hier den Fragen des Publilkums stellen.

Für viele Globalisierungskritiker ist das Treffen allerdings ein Feigenblatt - eingeführt um die zahlreichen Kritiker von spektakulären Demonstrationen in der Davoser Innenstadt abzuhalten. Maurizio Coppola von Attac bezweifelt, dass bei den Diskussionen in der Schulaula tatsächlich ernsthafte Vorschläge für eine gerechtere Wirtschaftsordnung aufgezeigt werden können. Attac ist deshalb auch nicht angereist. Wie diverse andere globalisierungs-kritische Netzwerke organisiert sie auch in diesem Jahr ihre eigene Gegenveranstaltung zum WEF: "Das andere Davos“ - ein Debatten-Tag in Zürich am 30. Januar.