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Asien

Ein wichtiger Schritt für Kambodscha

Dreißig Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha müssen sich nun die Verantwortlichen vor einem eigens einberufenen Tribunal verantworten.

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Stumme Zeugen des Grauens - das Erinnerungszentrum in Choeung Ek

Wenn unter einem Gewaltregime Millionen von Menschen umkommen, müssen Verantwortliche bestraft werden. Was sich selbstverständlich anhört, geschieht selten. Hitler entzog sich, immerhin gab es die Nürnberger Prozesse. Mao, Stalin, Suharto und ihre Gefolgschaften wurden nie belangt. Man erwies den Despoten Ehre. Pol Pot kam nie vor ein ordentliches Gericht. Er starb zu Hause, wohl nach einem Herzinfarkt. Immerhin gibt es jetzt das Rote Khmer Tribunal.

In Kambodscha geht es um Verbrechen, die zu den schlimmsten des 20. Jahrhundert zählen. Es geht um bis zu zwei Millionen Tote. Nichts und niemand kann den Todesopfern, den Folteropfern und den zerrissenen Familien Gerechtigkeit bringen. Aber wenigstens beendeten Tribunal-Festnahmen einen unerträglichen Zustand: 28 Jahre lang lebten selbst die ranghöchsten Roten Khmer unbehelligt in Freiheit. Nun sind sie da, wo sie hingehören, im Gefängnis.

Vergangenheitsbewältigung: ein schwieriges Kapitel in Asien

Ruanda, Sierra Leone, Jugoslawien, Kambodscha - immer öfter wird versucht, Unrecht aufzuarbeiten. Bei aller Unvollständigkeit, bei allen Mängeln und Kosten - die Verfahren müssen sein. Wer Kriegsverbrechen ungesühnt lässt, erleichtert neue. Dass die Kambodscha-Prozesse, konkrete Vorbereitungen laufen seit zweieinhalb Jahren, im eigenen Land stattfinden, ist mutig. Bislang ging das Wühlen in der finsteren Historie gut, alte Konflikte brachen nicht wieder auf, es ist friedlich. Das Rote Khmer Tribunal ist nicht perfekt. Es kommt spät. Vier Beschuldigte sind um die 80 Jahre alt, sie könnten in Kürze sterben oder unzurechnungsfähig werden. Kambodscha und die UN räumen ein, dass stärkere Anti-Korruptionsmaßnahmen nötig sind. An dem teuren Tribunal, 105 Millionen US-Dollar sind bis Ende des Jahres veranschlagt, wird Geld nicht transparent ausgegeben. Die kambodschanische Chefanklägerin blockiert die Forderung ihres UN-Kollegen, weitere Rote Khmer festzunehmen. Insgesamt dürften Tausende oder Zehntausende Mörder der Roten Khmer frei herum laufen. Das wird so bleiben.

Über Beschränkungen und Mängel muss man sprechen. Doch dabei darf nicht in den Hintergrund treten, dass das Tribunal viel Gutes bewirkt. Den Kambodschanern ist die Zahl der Anklagen nicht so wichtig. Viel wichtiger ist ihnen Symbolik. Endlich soll, und sei es nur in wenigen Fällen, Verantwortung bewiesen und, noch besser, eingestanden werden. Beides ist zu erwarten. Gut ist auch, dass die Rote-Khmer-Zeit durch das Tribunal kein Tabuthema mehr ist. Der neueste Schullehrplan schließt die Schreckensherrschaft mit ein. Immer mehr Menschen sprechen immer offener miteinander. Auch einige Täter äußern sich. Sie wissen um ihre Schuld und sehen sich gleichzeitig als Opfer, als Geiseln eines Regimes, dem niemand entkommen konnte. Dialog könnte einer traumatisierten Gesellschaft einen Weg zu Versöhnung ebnen. Dieses Ziel und das Ende absoluter Straffreiheit sind wichtiger als perfekte Gerichtsverfahren.