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Fußball

Ein weiter Weg zum Titel

Bei der U21-EM in Israel messen sich die acht besten Nachwuchsteams Europas. Die deutsche Elf um Kapitän Holtby gilt als einer der Favoriten, doch wird es alles andere als leicht, den angestrebten Titel zu holen.

Das Ziel ist der Titel, so selbstbewusst ist die Zielsetzung der deutschen U21-Nationalmannschaft, die sich bei der EM in Israel bis zum 18. Juni mit sieben anderen Nachwuchs-Auswahlteams misst. "Man hat beim Sieg der Bayern im Champions-League-Finale gesehen, wie schön es ist, wenn alle zusammen feiern", sagt der deutsche Kapitän Lewis Holtby, der für Tottenham in der englischen Premier League spielt. "Ich hoffe, dass wir das auch können. Jeder Spieler träumt davon, einen Pokal hochzuhalten."

Sollte der Sieg bei der EM tatsächlich gelingen, wäre es erst der zweite für eine deutsche U21-Auswahl. 2009 hatte die "goldene Generation" um Mesut Özil, Sami Khedira, Mats Hummels und Manuel Neuer den Erz-Rivalen England im Finale mit 4:0 gedemütigt. Nun können Holtby, Patrick Herrmann und Co. in die Fußstapfen ihrer Vorbilder treten. "Wir wollen der Nation und Europa beweisen, dass die deutsche U21 wieder da ist. Ich glaube, dass dieses Potenzial in der Mannschaft steckt", sagt Tottenham-Profi Holtby.

Schwere deutsche Gruppe

Der Trainer der U21-Nationalmannschaft, Rainer Adrion bei einer Pressekonferenz (Foto: Nicolas Armer/dpa)

U21-Trainer Rainer Adrion will die Scharte der verpassten EM 2011 auswetzen

Möglich scheint das durchaus – allerdings wird der Weg zum Titel alles andere als leicht. Nachdem die U21 die vergangene EM im Jahr 2011 verpasste und als Titelverteidiger bereits in der Qualifikation scheiterte, krempelte Trainer Rainer Adrion das deutsche Team kräftig um. Die Mannschaft, die nun in Israel um den Titel spielt, kam ohne Niederlage durch die Qualifikation und gilt neben Titelverteidiger Spanien als großer Favorit. Allerdings trifft man bereits in der Gruppenphase auf die Spanier und auch die weiteren Gegner, Niederlande und Russland, sind nicht leicht zu schlagen - zumal Trainer Adrion bei der besetzung seines Kaders nicht aus dem Vollen schöpft.

Auf den ohnehin verletzten Mario Götze, Julian Draxler, Toni Kroos, Ilkay Gündogan, Andre Schürrle und Torwart Marc-Andre ter Stegen verzichtet der Trainer. Sie alle wären noch spielberechtigt, stehen nach Absprache mit Bundestrainer Joachim Löw aber nicht im EM-Aufgebot. "Das war eine gemeinsame Entscheidung. Wir haben beschlossen, dass diese Spieler mit der A-Mannschaft die USA-Reise mitmachen", sagt Adrion.

Viele A-Nationalspieler bei Spanien und den Niederlanden

Andere Trainer haben in diesem Punkt eine andere Entscheidung getroffen. Die Niederlande, am Donnerstag (06.06.2013) in Petach Tikva Auftaktgegner der Deutschen, haben gleich zwölf Spieler mit A-Erfahrung im Kader, darunter auch Luuk de Jong von Borussia Mönchengladbach. Auch die späteren Gegner Spanien (9. Juni) und Russland (12. Juni) bringen Prominenz mit: Die Spanier haben Top-Talent Isco vom FC Malaga in ihren Reihen, zudem Torhüter David de Gea (Manchester United) und Leverkusen-Profi Daniel Carvajal. Bei Russland stürmt Alan Dsagojew von ZSKA Moskau, immerhin dreimaliger Torschütze bei der "großen" EM 2012 in Polen und der Ukraine.

Francisco Alarcon im Trikot des FC Malaga (Foto: dpa)

Spaniens Francisco Alarcon, genannt Isco, vom FC Malaga ist einer der Stars der EM

Die Deutschen lassen sich davon in ihrem Titelträumen aber nicht stören, ebenso wenig wie von den Verletzungen von Jan Kirchhoff (Mainz 05), Stammtorhüter Kevin Trapp, Sebastian Jung (beide Eintracht Frankfurt) und Tolgay Arslan (Hamburger SV) kurz vor dem Turnier. "Ich sehe das als Chance für die anderen Spieler", sagt Adrion. "Ich hätte nichts dagegen, wenn sich einer der Jüngeren plötzlich in den Vordergrund spielen würde." Betonte Gelassenheit beim Trainer, für den das Turnier ebenfalls zu einem Gradmesser wird. Sein Vertrag wurde zwar schon vorzeitig um ein Jahr verlängert, doch nach der verpassten EM-Endrunde 2011 käme eine Finalteilnahme oder gar ein Titel gerade recht.

EM auf asiatischem Boden

Für Gastgeber Israel wird die U21-EM das bislang größte Sportereignis im eigenen Land werden. Dass auf israelischem Boden überhaupt eine Europameisterschaft ausgetragen wird, hat politische Hintergründe. Bis zu seinem Ausschluss im Jahr 1974 war der israelische Fußballverband IFA noch Mitglied der Asian Football Confederation (AFC) – 1964 war Israel sogar Asienmeister. Doch mit der Ausweitung des Nahost-Konflikts boykottierten immer mehr arabische Länder die Spiele gegen die Israelis. Es folgte der Ausschluss.

Schon damals wäre die IFA gerne unter das Dach der UEFA gewechselt, doch die Aufnahme wurde von den Ostblockstaaten verweigert. Daher spielte Israel zwanzig Jahre lang in der Ozeaniengruppe und durfte schließlich, nach dem Ende des Warschauer Paktes, nach Europa "wechseln". Seit 1994 ist Israel Vollmitglied der UEFA. Nun darf man zum ersten Mal eine internationale Meisterschaft ausrichten, die allerdings von Protesten der Palästinenser und weiterer politischer Gegner Israels begleitet wird. Dennoch freuen sich die Gastgeber auf "ihre" EM. "Es wird höchste Zeit, dass das Turnier beginnt", sagte Israels Rekordnationalspieler Mordechai Shipigler dem Sportmagazin "kicker". "Ich habe mich schon lange auf diesen Tag vorbereitet, an dem ich mit breitem Lächeln sagen darf: Willkommen Europa, willkommen in Israel."      

Der deutsche U21-Kader:
Tor: Bernd Leno (Bayer Leverkusen), Oliver Baumann (SC Freiburg), Timo Horn (1. FC Köln)
Abwehr: Tony Jantschke (Bor. Mönchengladbach), Stefan Thesker (1899 Hoffenheim), Lasse Sobiech (SpVgg Greuther Fürth), Shkodran Mustafi (Sampdoria Genua), Matthias Ginter, Oliver Sorg (beide SC Freiburg), Sead Kolasinac (Schalke 04), Antonio Rüdiger (VfB Stuttgart)
Mittelfeld: Sebastian Rudy (1899 Hoffenheim), Patrick Funk (FC St. Pauli), Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt), Lewis Holtby (Tottenham Hotspur), Patrick Herrmann (Bor. Mönchengladbach), Christian Clemens (1. FC Köln), Christoph Moritz (Schalke 04), Emre Can (Bayern München)
Angriff: Kevin Volland (1899 Hoffenheim), Peniel Mlapa (Bor. Mönchengladbach), Sebastian Polter (1. FC Nürnberg), Pierre-Michel Lasogga (Hertha BSC)
Trainer: Rainer Adrion

asz/sn (dpa, sid)

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