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Sport

Ein Vierteljahrhundert in der Weltspitze

Viermal Weltrekord, zweimal Olympiasieg, zig Mal Europa- und Weltmeisterin – Weitspringerin Heike Drechsler gehört zu den herausragenden deutschen Leichtathleten des 20. Jahrhunderts.

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So kennt man sie: Weitspringerin Heike Drechsler

Leser einer Fachzeitschrift wählten sie zur "Welt-Leichtathletin des Jahrhunderts", viele sagen, sie sei auf jeden Fall die beste Weitspringerin des 20. Jahrhunderts. Eines ist und war sie unumstritten: Eine der erfolgreichsten und beliebtesten Sportlerinnen im Nachkriegs-Deutschland – Heike Drechsler.

"Wenn ich Lust habe eine Flasche Wein zu trinken, dann ist es mir egal, ob am nächsten Tag ein Wettkampf ist, dann trinke ich die Flasche." So hat sie sich in die Herzen der deutschen Sportfans geplaudert. Sie war stets das nette, aufgeschlossene Mädchen von nebenan. Arroganz, Überheblichkeit, gar Starallüren – Fehlanzeige.

Mit 35 Jahren zum zweiten Olympiagold

Weitspringerin Heike Drechsler Olympiasieg 2000

Goldlächeln: 2000 springt Drechsler bei Olympia allen davon

In die Herzen der Sportfans gesprungen – fast geflogen – ist sie mit vier Weltrekorden und zwei Olympiasiegen. Nach ihrer Goldmedaille im Weitsprung bei den Olympischen Spielen in Barcelona 1992, springt sie im Jahre 2000, nach viel Verletzungspech im Vorfeld, in Sydney noch einmal zum Olympia-Titel und ist anschließend überwältigt: "Das ist Wahnsinn. Mir fehlen die Worte. Nach diesen schweren Jahren, da wieder ganz oben zu sein und allen noch einmal zu zeigen, dass ich es noch drauf habe, das ist Wahnsinn, einfach Wahnsinn."

Im Alter von 35 Jahren, 17 Jahre nach ihrem ersten Weltmeistertitel, holt Drechsler noch einmal Gold und krönt damit ihre lange und erfolgreiche Karriere. Zunächst hatte sie in der DDR für Furore gesorgt, als die Mauer fällt macht sie als "Gesamtdeutsche" damit weiter. Von 1986 bis 1998 bleibt die gebürtige Thüringerin immer Weitsprung-Europameisterin.

Weitspringerin Heike Drechsler beim 200 Meter Weltrekord 1986

1986 auch noch über die 200-Meter bärenstark: Drechsler (re.)

Und das war nicht alles: Drechsler springt nicht nur weit, sie läuft auch schnell. Sie gewinnt sowohl über die 100- wie auch über die 200-Meter-Sprintstrecke Medaillen. Außerdem stellt sie 1994 die Jahresbestmarke im Siebenkampf auf – Drechsler war einfach die geborene Leichtathletin.

"Die Oma lebt noch richtig"

Selbst mit 37 Jahren fühlt sie sich noch richtig gut und warnt die Konkurrenz: "Die sollen vorsichtig sein, mich einfach abzuhaken und in die Schublade zu stecken. Die Oma lebt noch richtig und die kann noch richtig Leistung bringen." Kurz bevor sie 40 wird, beendete die Strahlefrau dann ihre Karriere, in der es auch Schattenseiten gab.

Drechsler ist ein Kind der DDR. Der Staat ermöglichte ihr den Besuch eines Sportinternats, eröffnete ihr die Chance auf eine Karriere. Das hat sie nie vergessen: "Ich glaube meine Mutti hätte mir das nie bezahlen können und der Staat hat mich gefördert, er hat mir das Internat bezahlt. Zu der Zeit war es für mich wirklich ideal."

Weitspringerin Heike Drechsler

Jetzt nur noch im Freizeitlook

Wer so in der DDR aufwuchs, der muss doch gedopt worden sein. Eine Behauptung, die Drechsler immer wieder während ihrer Laufbahn begegnet und die ihr zu schaffen macht. "Ich habe immer sauberen Sport getrieben. Ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig. Ich bin gegen Doping und ich werde auch immer gegen Doping ankämpfen."

Heute drückt sich Drechsler vorsichtiger aus. "Ich kann nur sagen, dass ich nie wissentlich gedopt habe", sagt sie. Sie könne aber leider nicht ausschließen, dass Ärzte auch sie damals mit illegalen Mitteln behandelt haben.

Autor: Benjamin Wüst
Redaktion: Calle Kops

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