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Kultur

Ein Verleger im Exil: PEN-Zentrum ehrt Madjid Mohit

Sein unermüdlicher Einsatz für Exil-Autoren hat das deutsche PEN-Zentrum beeindruckt. Der iranisch-deutsche Verleger Madjid Mohit hat den Hermann-Kesten-Preis erhalten. Auch er selbst musste einst fliehen.

25 Jahre ist es her, dass Madjid Mohit aus Teheran am Flughafen Frankfurt landete - mit einem gefälschten Pass. Es folgten drei Jahre des Wartens im Asylbewerberheim. Jahre, in denen er nicht wusste, ob sein Asylantrag bewilligt werden würde. Jahre, in denen er nicht wusste, ob er jemals wieder seinen geliebten Beruf würde ausüben können, für den er in seiner Heimat Iran alles aufs Spiel gesetzt hatte. Wenn er damals gefragt worden wäre, was er sich von Deutschland wünsche, erzählt Mohid, "so hätte meine Antwort gelautet, dass ich mir nichts anderes als Geduld erhoffe." Ein Vierteljahrhundert später steht Madjid Mohit auf der Bühne der Kammerspiele des Staatstheaters Darmstadt, nur eine knappe halbe Stunde vom Flughafen Frankfurt entfernt. Und er wird gewürdigt für eben diesen Beruf, den Mohit nie aufgeben wollte und dem er in Deutschland eine neue Bedeutung verliehen hat, den des Verlegers.

Verleihung des Hermann-Kesten-Preises (Foto: DW/S. Hofmann)

Mohit verlegt nicht nur Gedichte, er schreibt sie auch - und vertont sie

Der Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, Josef Haslinger, überreicht Modjid Mohit den Hermann-Kesten-Preis. Die Auszeichnung der Schriftstellervereinigung PEN - die Abkürzung steht für Poets, Essayists, Novelists - ist mit 10.000 Euro dotiert. Der Preis ist nach dem früheren PEN-Ehrenpräsidenten Hermann Kesten (1900-1996) benannt und wird seit 1985 für "besondere Verdienste um verfolgte Autoren" verliehen. Das PEN-Zentrum Deutschland stiftet die Medaille, das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst das Preisgeld. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Günter Grass, Anna Politkowskaja und Liu Xiaobo.

Literatur aus dem Iran oder "Luftwurzelliteratur"

Wie die Preisträger sich um Exilautoren verdient gemacht haben, ist ganz unterschiedlich. Madjid Mohit hat dies mit seinem Verlag getan. Seit 2008 gibt es ihn, den Sujet-Verlag in Bremen, wo Mohit lebt. Sujet, das heißt "Thema" nicht nur auf Französisch, auch auf Persisch. Und Mohits Verlag hat ein Thema: Das der Freiheit. Dabei geht es weniger darum, wovon all die Bücher, die Mohit herausgibt, handeln, als darum, dass die Stimmen der Autoren ohne ihn nicht gehört würden.

Angefangen hat der Sujet-Verlag vor allem mit Literatur von iranischen Autoren, die in ihrem Land nicht publizieren durften. "Luftwurzelliteratur" nennt der Verleger selbst diese Schriften aus dem Iran und meint damit: Eine Literatur, die ortsunabhängig wirkt. Viele dieser Schriftsteller leben ebenso wie Mohit in Deutschland, sind wie auch er vor der Zensur und den Repressionen der Islamischen Republik Iran seit der Revolution von 1979 geflohen. Mohit war damals 18 Jahre alt und erlebte, wie 3000 Exemplare von Gabriel Garcia Márquez "Hundert Jahre Einsamkeit" vernichtet wurden. Bis heute ist dies eines seiner Lieblingsbücher. Und all diese Autoren haben, wie er, eine zweite Heimat in Deutschland gefunden, "bereichern hierzulande die hiesige Kulturlandschaft", so heißt es in der Erklärung des PEN-Zentrums.

Mohit verlegt nicht nur Gedichte, er schreibt sie auch – und vertont sie

Inzwischen ist der Sujet-Verlag noch viel mehr: Hier wird persische Literatur auf Deutsch publiziert und deutsche Literatur auf Persisch - wie die der Autorin Inge Buck, die die Laudatio auf Mohit hielt. Sie erzählt darin, dass Mohid nicht der erste in seiner Familie sei, der Bücher verlegt. Im Gegenteil: "Er kommt aus einer Verlegerfamilie: schon sein Großvater brachte das erste persisch-deutsche Wörterbuch auf den Weg, das nach jahrzehntelanger Vorarbeit 1958 im Verlag seines Vaters bei Mohit Publishing in Teheran erschienen ist." Madjid Mohit ist nicht allein ein Verleger mit einer Vision, er ist auch ein wahres Multitalent. Er schreibt auch Gedichte – und er vertont sie. Auf Deutsch und auf Persisch singt er die Texte zur Gitarre.

Auch die Menschen, die momentan aus Syrien, Eritrea und anderen Ländern nach Deutschland kommen, bräuchten unbedingt Geduld, so sagt Mohit in seiner Dankesrede. Er selbst habe, um sich Mut zu machen stets "Hundert Jahre Einsamkeit" gelesen. "Die Literatur kann uns lehren, aus den eigenen Erfahrungen auszubrechen und die Erfahrungen anderer zu machen, die größer sind als wir", schließt er seine Rede. "Durch Literatur lernt man die Menschen kennen – denn was ist Literatur ohne Menschen?"

Erstmals wurde in diesem Jahr auch der Hermann-Kesten-Förderpreis verliehen. Er ging an den Gießener Verein "Gefangenes Wort", eine Initiative von Studenten. Er ist mit 3000 Euro dotiert und wird ebenfalls vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst bereitgestellt.

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