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Kultur

"Ein Vater wie jeder andere"

Die Zivile Lebensgemeinschaft erwies sich in Frankreich als voller Erfolg - auch bei homosexuellen Paaren. Adoptionen gestalten sich für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften jedoch nach wie vor sehr schwierig.

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Hochzeit ja, Adoption nein: Homosexuelle sind in Frankreich noch lange nicht gleichberechtigt

Glückliche Eltern beim Picknicken auf einer Wiese

Auslaufmodell klassische Familie

Klassische Familien gibt es auch in Frankreich immer weniger. Nach den Zivilen Lebensgemeinschaften und den Patchwork-Familien wird in den Medien jetzt verstärkt über Homosexuelle mit Kindern berichtet: Der stellvertretende Pariser Bürgermeister und Kulturbeauftragte, Chistophe Girard, veröffentlichte kürzlich sein literarisches Coming-Out als homosexueller Vater mit dem Titel "Ein Vater wie jeder andere". Dominique Strauss-Kahn, der sozialistische Ex-Finanzminister, verfasste überraschend ein Vorwort für ein Standartwerk über gleichgeschlechtliche Eltern.

Die bekannte Soziologin Martine Gross vom französischen Zentrum für Sozialforschung (CNRS) lancierte die in Frankreich erste Gebrauchsanweisung zum Thema "Eine homosexuelle Familie gründen". Gross ist Ehrenpräsidentin der Vereinigung "Aktueller und künftiger schwuler und lesbischer Eltern" (APGL) und hat bereits 1990 und 91 zwei Kinder adoptiert. Wie alle Homosexuellen in Frankreich hatte sie sich dabei weder offiziell als Lesbierin oder Teil eines gleichgeschlechtlichen Paares geoutet, sondern den Antrag als Einzelperson gestellt. "Es ist als homosexuelles Paar nicht möglich, einen Antrag auf Adoption zu stellen", sagt Gross. Stelle man den Antrag allerdings als Einzelperson, sei das vollkommen legal.

"Im Gesetzt steht nicht, dass man nicht homosexuell sein darf", erklärt Gross. In der Praxis gelänge es aber niemandem, der sich zu seiner Homosexualität bekenne, ein Kind zu adoptieren. "Das heißt, Sie müssen Ihre Homosexualität verstecken, um größere Chancen zu haben, ein Kind zu adoptieren."

Möglicher Wandel nach Präsidentschaftswahl

Jacques Chirac, französischer Staatspräsident

Konservativer Präsident Jacques Chirac: Nach der Wahl 2007 könnten sich die Bedingungen für Homosexuelle verbessern

Im französischen Standardlexikon "Robert" hat die "Homoparentalité", die Elternschaft Homosexueller, längst Einzug gehalten - im französischen Familienrecht jedoch nicht. Bekommt ein Homosexueller die Genehmigung für eine Adoption, dann ist es in Frankreich weiterhin so, dass der homosexuelle Lebenspartner keinerlei Anspruch auf elterliche Führsorge hat. Erst einmal gab es von dieser eisernen Regel eine Ausnahme, als im Jahr 2001 ein Richter einem gleichgeschlechtlichen Paar die gemeinsame elterliche Führsorge zusprach. "Das hat nur geklappt, weil ein Richter dem homosexuellen Lebenspartner eine so genannte einfache Adoption zugestehen wollte", sagt Gross zu dem Fall. Kürzlich habe ein gleichgeschlechtliches Paar in Clermont-Ferrand versucht, die Elternschaft zu erhalten. "In erster Instanz haben sie gewonnen, aber nachdem die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte, wurde das Urteil annulliert", berichtet Gross.

Ähnlich wie in Spanien könnte auch in Frankreich die bevorstehende Präsidentschaftswahl einen gesellschaftlichen und rechtlichen Wandel einleiten. Die Parteien im linken politischen Lager haben das Recht auf Adoption für Homosexuelle in ihre Wahlprogramme übernommen. Und selbst in der derzeit an der Macht befindlichen konservativen Partei UMP gibt es immer mehr prominente Politiker, die angesichts möglicher Wählerstimmen eine Gesetzesänderung nicht mehr ausschließen. Inoffiziellen Schätzungen leben schon jetzt in Frankreich bis zu 500.000 Kinder in homosexuellen Elternhäusern.

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