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Filme

Ein ungewöhnlicher Gefallen

Mit "Dunkelblaufastschwarz" läuft das Kinodebüt des spanischen Jungregisseurs Daniel Sánchez Arévalo im deutschen Kino an. Ein ungewöhnlicher Film – von einem Regisseur mit ungewöhnlichem Lebenslauf.

Paula und Jorge aus dem Film Dunkelblaufastschwarz

Ein ungewöhnlicher Gefallen - und Paula und Jorge kommen sich näher

Jorge mit Freundin aus dem Film „Dunkelblaufastschwarz

Jorge (Quim Gutiérrez) - hier mit seiner Freundin - hadert mit seinem Leben

Einmal Regisseur eines großen Films sein. Die Schauspieler dirigieren. Echte Kunst machen. Preise einheimsen. Weltruhm erlangen. Und unsterblich werden. Für viele Kinder ist das ein Traumberuf. Für Daniel Sánchez Arévalo nicht. 1970 in Madrid geboren, hatte er etwas ganz anderes im Sinn: Börsenmakler wollte er werden. Ab in die Welt der Anzugträger. Der Finanzjongleure. Der Geschäftemacher. Der Heuschrecken.

Ein Film spielte dabei eine wichtige Rolle: Sánchez Arévalos Vorbild bei seiner Berufswahl war Gordon Gekko, Hauptfigur im Kinofilm "Wall Street" von 1987. Michael Douglas spielte damals den aalglatten, windigen Spekulanten. Den Helden aller BWL-Erstsemester. "Weißt du, warum die Fondsmanager nicht besser sind als der Markt? Weil sie Schafe sind. Und Schafe werden geschlachtet." Gekkos Sprüche passen perfekt in die Klischee-Bilder der Finanzwelt. In die Welt der Angeber. Der Sprücheklopfer. Daniel Sánchez Arévalo war beeindruckt: So einer wollte er werden.

Vom Börsenmakler zum Regisseur

Klar, da ist ein Studium der Betriebwirtschaftslehre nur sinnvoll. Fünf Jahre studiert der Spanier. Bis hierhin alles klar. Doch Sánchez Arévalo verändert sich. "Ich habe fünf Jahre bis zum Abschluss gebraucht", erzählt er. "Fünf Jahre, um zu erkennen, dass mich nicht der Job des Hauptdarstellers wirklich interessiert, sondern die Arbeit derjenigen, die ich lange Zeit als langweilig empfunden habe."

Er schreibt ab 1993 Drehbücher für spanische Fernsehserien. Mit einem Stipendium geht er an die Columbia University New York und macht dort einen Master in Filmwirtschaft. Er beginnt seine Karriere als Regisseur und dreht Kurzfilme. Aus der Welt der Finanzjongleure hat er sich längst verabschiedet.

Ein außergewöhnlicher Gefallen

Ungewöhnlicher Film, ungewöhnliche Karriere: Regisseur Daniel Sanchéz Arévalo

Ungewöhnlicher Film, ungewöhnliche Karriere: Regisseur Daniel Sanchéz Arévalo

Nun läuft in Deutschland sein erster Spielfilm im Kino an. "Dunkelblaufastschwarz" erzählt die Geschichte von Jorge (Quim Gutiérrez), der mit dem Schicksal hadert. Dunkelblau, fast schwarz – das ist die Farbe des Anzugs, nach dem er sich sehnt. Nach dem Studium will er als Bankier arbeiten und Karriere machen. Doch mit dem erhofften sozialen Aufstieg tritt Jorge in Konkurrenz zu seinem Vater Andrés. Dem gefällt es gar nicht, dass sein Sohn ihn sozial überholt. Da passt es eigentlich ganz gut, dass er einen Schlaganfall erleidet und als Pflegefall im Rollstuhl sitzt.

Dieser Schicksalsschlag nimmt Jorge alle Freiheiten. Statt endlich ein unabhängiges Leben führen zu können, muss er sich um seinen kranken Vater kümmern und auch noch dessen Hausmeisterjob erledigen. Alles ändert sich, als sein Bruder Antonio (Antonio de la Torre), der im Knast sitzt, mit einer ungewöhnlichen Bitte an ihn herantritt.

Seine Freundin Paula (Marta Etura), die auch inhaftiert ist, wünscht sich ein Kind, um in den geschützten Bereich der Mutter-Kind-Station aufgenommen zu werden. Antonio beunruhigt das – denn er ist zeugungsunfähig. Jorge soll nun Paula schwängern. Die Begegnung mit ihr beeindruckt Jorge – sie wird sein Leben verändern…

Kampf gegen das Schicksal

Antonio und Paula aus dem Film „Dunkelblaufastschwarz“

Der Kinderwunsch steht zwischen ihnen: Antonio mit seiner Freundin Paula

"Die Kunst des Verzichtens und der schwierige Lernprozess, den sie nach sich zieht, sind nicht nur mir begegnet, sondern auch tief im Film vorhanden. 'Dunkelblaufastschwarz' ist eine Geschichte über Menschen, die gegen ihr Schicksal kämpfen", erklärt Regisseur Daniel Sánchez Arévalo. "Die Charaktere sind jenseits einer Glasscheibe gefangen, dessen Glas so dünn ist, dass man es kaum sieht, fast unsichtbar, aber unmöglich zu ignorieren. Eine Glasscheibe, die sie von ihren Träumen trennt – in die sie ständig hineinlaufen und die sie täglich vergessen."

Die Charaktere seien Menschen, die nicht unterscheiden können zwischen dem, was sie wollen und dem, was sie brauchen, sagt der Spanier. "Sie müssen lernen, ihre eigenen Grenzen zu akzeptieren, um – langsam – voranzukommen. So landen sie schließlich an einer Stelle, die überhaupt nicht ihren Träumen entspricht, die aber ähnlich oder sogar schöner und angenehmer ist." Eine ungewöhnliche Story. Und ein ungewöhnlicher Film – der bereits mit zahlreiche Festivalpreisen sowie drei Goyas ausgezeichnet wurde.

Auf dem Weg zu Weltruhm?

Traumberuf Regisseur: Die Schauspieler dirigieren, echte Kunst machen - für Daniel Sánchez Arévalo ist das Alltag. Seine ersten Preise hat er auch schon eingeheimst. Und vielleicht erlangt er ja auch eines Tages Weltruhm. Die Chancen sind nicht schlecht.

Symbolbild Film Festival roter Teppich

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