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Hamburgerisch

Ein typischer Hanseat

Kariertes Hemd, blaues Sakko mit goldenen Knöpfen, Krawatte – Henning Voscherau kleidet sich nicht nur typisch hanseatisch. Der ehemalige Bürgermeister von Hamburg spricht platt und ist auch sonst überzeugter Hanseat.

Henning Voscherau schlägt als Treffpunkt das Notariat am Alstertor vor: seine Wirkungsstätte in der Mitte Hamburgs, keine 30 Schritte von der beschaulichen Binnenalster entfernt. Über ein in Marmor gehaltenes Entrée gelangt man mit dem verspiegelten Fahrstuhl in den vierten Stock.

Henning Voscherau wippt über weiche hellblaue Teppiche in sein Büro. "Darf ich Ihnen aus dem Mantel helfen? Bitte nehmen Sie doch Platz. Einen Kaffee vielleicht? Oder lieber Tee?" Er lächelt verschmitzt während er das fragt. Kariertes Hemd, blaues Sakko mit goldenen Knöpfen, Krawatte – ganz der hanseatische Kleidungsstil.

Henning Voscherau, 1941 in Hamburg geboren, hat es trotz Reisen in die ganze Welt immer in der Hansestadt gehalten. Noch während seines Studiums der Rechtswissenschaften engagierte er sich schon früh in der Sozialdemokratischen Partei. Neun Jahre lang regierte Voscherau in Hamburg.

1997, als die SPD bei den Bürgerschaftswahlen ihr schlechtestes Ergebnis seit Kriegsende hinnehmen muss, erklärte Voscherau noch am Wahlabend seinen Rückzug aus der Politik. Er kehrte zurück in sein Notariat am Alstertor. Stefanie Duckstein hat für DW.DE mit ihm gesprochen.


Henning Voscherau

Herr Voscherau, mit welcher Muttersprache sind Sie denn aufgewachsen?
Henning Voscherau: Ach, ich glaube ich bin etwas gemischt aufgewachsen. Durch meine Großeltern mit echtem, unverfälschtem Plattdeutsch. Von Seiten meiner Eltern habe ich natürlich Hochdeutsch gehört und aufgenommen. Mit der Rahmenbedingung, dass mein Vater ein Schauspieler an Willi Mertens 'Thaliatheater' war und zuhause seine Rollen lernte. Und zwar laut. Und Sprechübungen machte wie "Abraham a Santa Clara saß am Bach".

Wenn Sie das immer hören, dann verliert sich, etwas stärker als vielleicht im Durchschnitt, die Anwendung der beiden as, die es in der Hamburger hochdeutschen Sprache gibt. Nämlich ein sehr offenes aa und dann noch ein oa. Also: Ich hab mein Geld aufa Bänk. Das ist ein anderes a als bei Abraham a Santa Clara. Jou. Sou is dat. Mien Grotmudder het immans plattdütsch mit mi snackt. Mien Grotfadder ouck. Aber mein Vater hat sich bemüht, mir ein gutes Hochdeutsch beizubringen.

Was bevorzugen Sie heute – Platt- oder Hochdeutsch?
Henning Voscherau: Ach wissen Sie, als Bürgermeister muss man ja mit den Menschen so umgehen, wie sie es mögen und wollen. Und wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus. Das bedeutet, dass diese Fähigkeit innerhalb der hamburgischen Sprachen sich zu bewegen, und auch zu wechseln, ein großer Vorteil ist. Und dann wendet man ihn auch an.

Deutschland Hamburg Henning Voscherau

Und Ihren Kindern, haben Sie denen noch Plattdeutsch beigebracht?
Henning Voscherau: Nein, meine Kinder wollten das nicht. Besonders meine kleine Tochter war ganz hart und hat mir das verboten. Allerdings musste sie auch jeden Morgen zum Frühstück, wie alle meine Kinder, zwei englische Sätze sagen. Schon von ganz klein auf, jeden Morgen, jeden Tag. Weil ich dachte, diese beiden Sätze verhindern diese typischen Aussprachefehler, wenn ein Deutscher Englisch spricht. The water is blue. The tree is green. Das heißt eben nicht Se woter is blu. Und auch nicht Se tri is grien.

Diese Pflichtübung hat wahrscheinlich dazu geführt, dass sie keine Lust hatten auch noch Plattdeutsch mit mir zu sprechen. Da sehen Sie die heutigen Prioritäten. Tja, aber man muss in die Zukunft gucken. Und ohne Englisch geit dat oak ni.

Wie ärgert man sich denn auf Platt?
Henning Voscherau: Eigentlich heißt es ganz einfach Ick ager mi. Aber dann gibt es noch so mundartliche Verballhornungen wie Klei mi an moars oder Kannst mi ma fix anne feut fucken.

Deutschland Hamburg Henning Voscherau

Können Sie uns das übersetzen?
Henning Voscherau: Klei mi an moars ist Klei mi an moars. Das kann man nicht übersetzen. Du kannst mi ma fix anne feut fucken, das heißt schlicht übersetzt – aber das gibt den Sinn nicht richtig wieder – Du kannst mir mal schnell an die Füße fassen.

Dann sind die Hamburger doch gar nicht so unterkühlt, wie man ihnen immer unterstellt.
Henning Voscherau: Ja, entgegen allen Annahmen, sind wir gar nicht so spröde. Wir sind freundlich, fröhlich und lebenslang sehr verlässlich. Plattdeutsche Menschen sind grob, aber herzlich.

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