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Afrika

"Ein tunesisches Mädchen" ist das beste Blog

Das beste Blog der Welt kommt aus Tunesien. "A Tunisian Girl" wurde in Bonn mit dem "Best of Blogs" Award ausgezeichnet. Lina Ben Mhenni dokumentiert darin mutig die Entwicklungen in ihrem Land.

Lina Ben Mhenni spricht in ein Mikrofon (Foto: dw)

Lina Ben Mhenni bei der "Best of Blogs" Preisverleihung

Ganz wohl fühlt sich Lina Ben Mhenni nicht in ihrer Haut. Die 28-jährige Tunesierin steht nicht gerne im Mittelpunkt größerer Menschenansammlungen. Aber am Montagabend (20.06.2011) ist sie beim "Deutsche Welle Global Media Forum" im ehemaligen Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Bonn die Hauptperson: Die zierliche Dozentin von der Universität Tunis nimmt hier den "Best of Blogs" Award der Deutschen Welle entgegen.

Mitte April hatte eine zwölfköpfige Jury aus der internationalen Netzszene ihren Blog "A Tunisian Girl" zum Gewinner gekürt. Lina Ben Mhenni bloggt in drei Sprachen: Arabisch, Englisch und Französisch. Ihre Themen: die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in ihrem Land. Auch über die Unterdrückung und Zensur in Tunesien unter dem gestürzten Präsidenten Ben Ali schrieb sie. Lina Ben Mhenni erinnert sich an die Gefahren: "Die tunesische politische Polizei war überall. Sie haben die Aktivisten verfolgt. Viele Leute wurden verhaftet oder sogar verschleppt, gefoltert. Einige wurden sogar getötet. Es war wirklich gefährlich."

Enttäuscht von der jüngsten Entwicklung

Screenshopt des Blogs A Tunisian Girl

Bild aus dem Blog "A Tunisian Girl"

Von der jüngsten Entwicklung in Tunesien ist Lina Ben Mhenni enttäuscht. Vor wenigen Tagen erst hat sie ihre Mitarbeit in einem Konsultativkomitee zur Reform der tunesischen Medien eingestellt. Die Arbeit sei nicht vorangekommen, klagt die Bloggerin. Und in wenigen Monaten gibt es Wahlen. Dass da dieselben Medien die Meinung prägen, die schon mit Ben Ali gearbeitet haben, will Lina Ben Mhenni nicht akzeptieren.

Insgesamt wurden bei dem "Best of Blogs Award" Preise in sechs Kategorien vergeben. Wobei die Jury in diesem Jahr offensichtlich einen Schwerpunkt auf die arabische Welt und den Mittleren Osten gelegt hat. In der Kategorie "Best Social Activism Campaign" ging der Preis an die ägyptische Kampagne "Wir sind alle Khaled Said". Diese Facebook-Gemeinschaft hatte eine zentrale Rolle bei den Protesten auf dem Tahrir Platz in Kairo im Januar gespielt. Internet-Aktivist Mohamed Ibrahim nahm den Preis entgegen: Bescheiden erklärt der in London lebende Ägypter, er betrachte den Preis als Auszeichnung für alle Ägypter: "Denn es waren die Ägypter, die diese Revolution möglich gemacht haben."

Anonym - zur Sicherheit

Logo des Best of Blogs Award (Logo: dw)

Logo des "Best of Blogs Award"

Eine Gruppe iranischer Aktivisten betreut den ganz in grün gehaltenen Youtube-Stream "Stands with fists". Die dort eingestellten Filmaufnahmen dokumentieren die Aktivitäten der grünen Protestbewegung gegen die Regierung Ahmadinedschad und geben einen Einblick in die heutige iranische Gesellschaft. Dafür gab es den Preis in der Kategorie "Best Video Channel". Die Preisträger wollen aus Sicherheitsgründen anonym bleiben und stellten sich unerkennbar in einem kurzen Video vor.

Die “Best of Blogs Awards" wurde in diesem Jahr zum siebten Mal vergeben und zählen mittlerweile zu den bedeutendsten Preisen in der Blogosphäre. Internetnutzer aus der ganzen Welt hatten rund 2100 Blogs für die Preise vorgeschlagen. Deutsche Welle Hörfunk-Chefredakteur Marc Koch findet an den BOBs wichtig, "dass sie international sind, dass sie in vielen Sprachen ausgezeichnet und vergeben werden. Und dass wir damit ein weltweites Netz von Kommunikation schaffen."

Genau dafür ist Judith Torrea dankbar. Die Journalistin bloggt aus der gefährlichsten Stadt der Welt, dem mexikanischen Ciudad Juarez. Diese Stadt ist Schauplatz eines mörderischen Drogenkrieges. Torrea erhielt für ihre riskante Arbeit den Reporter-ohne-Grenzen-Preis. Und erklärte bei der Preisverleihung an die anderen Gewinner gewandt: "Manchmal fühle ich ich mich sehr einsam, wenn ich in Ciudad Juarez meine Arbeit mache. Aber jetzt weiß ich: Ich bin nicht allein. Ich kann euch schreiben.”

Autor: Matthias von Hein
Redaktion: Hans Spross/Marco Müller

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