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Europa

Ein tschechisches Dorf leistet Widerstand gegen Bushs Pläne

Das Raketen-Abwehrsystem, das die Bush-Regierung in Tschechien plant, wird dort von der Bevölkerung abgelehnt. Besonders in dem Dorf Trokavec ist der Widerstand groß. Dort soll ein Riesen-Radar gebaut werden.

Raytheon SBX Sea-Based X-Band Radar system, artist conception

Ein Riesen-Radar ähnlich diesem See-Modell wollen die Tschechen nicht haben

Jan Neoral ist ein kleiner, gut gebauter älterer Herr in schickem grauem Anzug und schwarzem Hemd. Fast schon routiniert sieht es aus, wie er am Rednerpult neben Sicherheitsexperten aus England und den USA seine Papiere ordnet. Es ist ein Pressegespräch im EU-Parlament in Brüssel, Journalisten aus aller Welt sitzen im Publikum. Als dann die Rede auf Trokavec kommt, seinen Heimatort in Tschechien, wird Jan Neoral energisch: "Wir werden kämpfen, kämpfen, kämpfen. Wir werden an die tschechische Regierung schreiben, an das Parlament und so weiter. Und wir haben schon in die USA geschrieben, an den Kongress und an 92 Radio- und Fernsehredaktionen auf der ganzen Welt."

Kleines Dorf - mächtiger Gegner

Jan Neoral ist Bürgermeister von Trokavec, einem kleinen Dörfchen in den tschechischen Bergen, eine halbe Autostunde östlich von Pilsen. Er und die anderen 70 Dorfbewohner haben eine Mission - und einen mächtigen Gegner. Die Mission: mit allen Mitteln verhindern, dass die USA ihre Radarstation für ihr geplantes Raketen-Schutzschild in ihrem Ort aufstellt. Ihr Feind: die tschechische Regierung.

"Unsere Regierung reagiert nicht, sie schläft", meint Neoral. "Sie sprechen nicht mit uns. Unsere Regierung kommuniziert nicht mit uns - wenn, dann nur über die Medien."

Und das bringt den sonst so gemütlichen Bürgermeister in Rage. Denn nur durch die Medien haben er und seine Dorfbewohner herausgefunden, dass genau neben Trokavec die geplante Radaranlage stehen soll. Jan Neoral rief daraufhin seine Leute auf, in einem symbolischen Referendum abzustimmen. Das Ergebnis: Von 71 Einwohnern waren 70 gegen die Radarstation.

Sorgen vor Krankheiten

"Der Hauptgrund liegt in der Gesundheit", klagt der Bürgermeister. "Wir haben Angst, dass das Radar eine gefährliche Strahlung hat. Wir haben im Internet von amerikanischer Seite gelesen, dass das Radar die Leute in der Umgebung 'zerstören' kann, bis zu einer Entfernung von 36 Kilometern."

Mirek Topolanek (AP Photo/CTK, Stanislav Zbynek)

Mirek Topolanek handelt nach Meinung vieler Tschechen gegen ihren Willen

36 Kilometer westlich von Trokavec liegt schon fast die Stadt Pilsen. Ungefähr einhundert Kilometer westlich ist man schon in Deutschland. In Tschechien sind übrigens die meisten Menschen gegen die Radaranlage. Nur Präsident Vaclav Klaus und Ministerpräsident Mirek Topolanek sind dafür. Und sie verhandeln mit den USA.

Jan Neoral aber verhandelt auch - zumindest macht er kräftig Werbung für seine Position und ein paar EU-Parlamentarier hat er auch schon überzeugt. "Ich erwarte, dass das EU-Parlament sagen wird: 'Es ist Unsinn. In Europa brauchen wir kein Radar und deshalb wollen wir es auch nicht!'."

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