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Europa

Ein Trump-Fan in Brüssel

Donald Trump wettert immer wieder gegen die EU und die NATO. Trotzdem gibt es sogar in Brüssel Fans des neuen Präsidenten. Die DW hat den wohl größten von ihnen getroffen.

In den Tagen vor der US-Wahl am 8. November 2016 war es in Brüssel nicht so einfach, jemanden zu finden, der sich offen zum Kandidaten Donald Trump bekannte. Eigentlich war es sogar immer der gleiche Mann, der sich in TV-Debatten und Diskussionsrunden gegen einen Vertreter aus der Auslandsorganisation der Demokraten von Hillary Clinton behaupten musste: Michael Kulbickas.

Damals wurde Kulbickas belächelt, waren sich die Opponenten doch sicher, dass sein Kandidat, Donald Trump, ohnehin keine Chance hätte. Heute ist er es, der lacht, wenn er an jene Tage vor der Wahl denkt. Er ist nicht nur Mitglied in der Organisation "Republicans Overseas", der Auslandsorganisation der Republikaner, sondern sogar Vorsitzender der Brüsseler Sektion. Da die Republikaner bei im Ausland lebenden US-Bürgern traditionell nicht hoch im Kurs stehen, ist er es gewohnt, einer kleinen Gruppe von vier oder fünf Personen vorzustehen. Mehr kommen in einer Stadt wie Brüssel schlicht nicht zusammen - zumindest bislang. Seit dem Wahlsieg von Trump registriert Kulbickas, der seit vielen Jahren in Belgien lebt, dass "immer mehr Anhänger Trumps jetzt aus den Löchern gekrochen kommen". Jetzt bekennen sie sich dazu, den umstrittenen Milliardär gewählt zu haben, und jetzt wollen sie die "Republicans Overseas" unterstützen.

Michael Kulbickas (DW/T. Schultz)

Michael Kulbickas hält fest zu Trump

"Trump wird in Europa missverstanden"

Kulbickas räumt ein, dass viele Amerikaner, die in Europa leben und grundsätzlich republikanisch wählen würden, ein Problem mit Trump hätten, weil er so "negativ besetzt ist bei europäischen Eliten". Allerdings legt er Wert auf die Feststellung, dass das negative Bild Trumps auf dem alten Kontinent vor allem von Missverständnissen herrühre. "Das Bild von Trump in Europa ist extrem verzerrt. Und in Belgien ganz speziell", sagt er beim Interview in seinem Büro im Brüsseler Stadtteil Hoeilaart, wo er als Berater arbeitet. "Wann immer ich auf die US-Wahlen angesprochen werde, geht es immer gleich um diese extremen Meinungen über Trump. Das sind doch alles Karikaturen, ein verzerrtes Clownsbild von Trump, von seinem Charakter und seinen Äußerungen."

Ein Beispiel: Auch Kulbickas war nicht begeistert über das Verhalten Trumps in einem im Wahlkampf aufgetauchten Video, in dem er sich abfällig über Frauen geäußert hatte. Allerdings konnte er gut nachvollziehen, wie Trump sich damals verteidigte: Schließlich redeten doch viele Männer untereinander so, man sollte aufhören sich so darüber aufzuregen. Trumps wiederholte Schmähungen der NATO sind ein weiteres Reizthema in Brüssel. Kulbickas glaubt, dass das ein guter und präventiver Schritt war, der es der Allianz ermöglichen wird, ihre Probleme endlich anzugehen - wie zum Beispiel die überproportional hohe Finanzierung der NATO durch die USA.

Das Brexit-Votum findet Kulbickas zwar generell gut. Auch er kann sich vorstellen, dass noch mehr Staaten aus der EU austreten werden. Ob das aber, wie es Trump sagt, gut für die USA sei, da ist er sich nicht sicher. Die Rhetorik von Trump jedoch gefällt ihm. Dass er die Europäer unter Druck setzt und ihnen zu verstehen gibt, dass die USA die Europäer nicht unbedingt brauchen, das hält er für eine gute Taktik. "Man muss immer bereit sein, aufzustehen und wegzugehen", sagt er.

Kulbickas gesteht, dass er bis zum 11. September 2001 Demokrat war. Trump hat er jedoch von Anfang an unterstützt, auch, als noch viele andere republikanische Anwärter im Spiel waren. Trump erschien ihm von Anfang an als der mit dem stärksten Rückgrat. Er schrieb Trump sogar einen Brief mit Tipps, ist sich allerdings nicht sicher, ob der diesen Brief je gelesen hat - geschweige denn, ob der neue US-Präsident überhaupt weiß, dass es eine Zweigstelle der "Republicans Overseas" in Brüssel gibt.

Brüsseler Außenposten gibt Insidertipps

Trump-Rede bei Wahlkampfveranstaltung (picture-alliance/AP Photo/R. D. Franklin)

Ob er von seinen Fans in Brüssel weiß?

Andere Mitglieder aus dem Trump-Team wissen aber sehr wohl um die Unterstützung aus Brüssel. Sie fragen immer mal wieder nach Insidertipps, wenn es um die in Brüssel ansässigen EU-Institutionen sowie die Vertreter der einzelnen Mitgliedstaaten geht. Während die scheidenden US-Botschafter bei der EU und der NATO sagen, sie hätten keine Anfrage nach einer Übergabe von ihren Nachfolgern bekommen, wenden sich die neuen Botschafter offenbar an die Organisation der Republikaner. Dabei ging es auch um Anfragen, die den europäischen Rechtspopulismus betreffen. Kulbickas ist der Meinung, dass Trump eng mit dem Niederländer Geert Wilders, dem Vorsitzenden der rechtspopulistischen "Partei für die Freiheit", zusammenarbeiten sollte.

Doch nicht nur die Auslandsorganisation der Republikaner wächst. Auch die Chefin der "Democrats Abroad", Pauline Manos, sagt, dass seit der Wahl die Anzahl der Anfragen gestiegen sei. Ihre Organisation will noch stärker als bisher Wahlkampf machen für die Kongresswahlen 2018. "Viele Auslandsamerikaner gehen zwar zur Präsidentschaftswahl, danach ruht ihr politisches Interesse aber wieder für vier Jahre", berichtet Manos. Genau das soll sich jetzt ändern. Seit der Wahl Trumps sei klar geworden, dass man nicht weiter schweigen könne. 

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