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Politik

Ein trauriger Haufen: Bushs "Koalition der Willigen"

Mit dem Abzug der Polen aus dem Irak ist weiter zusammengeschrumpft, was US-Präsident Bush einst stolz als "Koalition der Willigen" im Irak feierte. Heute ist nichts mehr übrig von der breiten Front im Anti-Terror-Kampf.

Soldat liest Idiotenführer Wie man den Irak überlebt. Quelle: ap

Was ist von der Koalition der Willigen noch übrig geblieben?

Ende März 2003 brüstete sich das Weiße Haus in einer Presseerklärung, dass 49 Staaten weltweit mit einer Bevölkerung von rund 1,23 Milliarden Menschen der unterschiedlichsten Rassen, Religionen und Volkszugehörigkeit sich der "Koalition der Willigen" angeschlossen hätten.

Was damals schon maßlos übertrieben war, trifft heute schon gar nicht mehr zu. Der Abzug der Polen macht das Bild einer breiten "Koalition" noch mehr zur Fiktion. Zumindest wenn man die Koalition als Verband von Kampftruppen betrachtet: Kämpfende Einheiten wurden auch während des Krieges und unmittelbar danach von nicht einmal zehn Staaten entsandt und von denen sind die meisten längst abgezogen.

Wann ziehen die Briten ab?

Britischer Soldat kämpft. Quelle: ap

Die Briten halfen eifrig beim Kampf im Irak - wie lange bleiben sie noch?

Neben den rund 150.000 US-Soldaten gibt es im Irak heute gerade noch 4100 Briten, die in einer Luftwaffenbasis außerhalb der südirakischen Stadt Basra stationiert sind. Der irakische Ministerpräsident al Maliki erklärte kürzlich in der Londoner "Times", die Zeit sei gekommen, auch diese Truppen abzuziehen. Premier Gordon Brown hat bisher allerdings nur von einer weiteren Reduzierung dieser Truppen im Jahr 2009 gesprochen. Ein endgültiger Abzug wird gar nicht erst offen diskutiert, obwohl die britische Truppenstärke im Irak von 45.000 während der Invasion auf weniger als ein Zehntel heute gesunken ist.

Beteiligung am Neuaufbau

Niederländische Truppen. Quelle: ap

Auch die Niederländer waren im Irak aktiv

An der Invasion hatten neben Amerikanern und Briten auch Australier und Polen teilgenommen. Die anderen Staaten entsandten erst nach Kriegsende Soldaten, um sich an den verschiedensten Aufgaben beim erwarteten Neubeginn im Irak zu beteiligen. Und zum Teil sicher auch in der Hoffnung, davon dann zu profitieren.

So verstärkte Warschau seine Truppen im Irak nach dem Krieg von ursprünglich 194 auf 2.500 (beim Abzug waren es noch 900) in der Hoffnung, auf diese Weise Aufträge für Großbauprojekte im Irak zu erhalten oder auch Waffengeschäfte mit Bagdad abschließen zu können. Nichts dergleichen ist bisher geschehen. Und noch nicht einmal Washington zeigte sich für die polnische Treue erkenntlich: Es behielt die Visum-Pflicht für Polen bei.

Kontingent mit einem Mann

Bush. Quelle: ap

Hatte einst stolz die "Koalition der Willigen" verkündet: Bush

Offiziell sind immer noch Militärs aus 18 Staaten – neben Amerikanern und Briten – im Irak anwesend. Insgesamt sind das aber gerade eben knapp über 2.000 Mann und ihre Entsendung hat deswegen mehr symbolische als militärische Bedeutung. Das größte Kontingent ist das aus Südkorea mit 600 Mann, das kleinste das von Singapur mit einem Mann. Was diese Kontingente tun, bleibt weitgehend im Dunkeln und unterliegt militärischer – wie sicher auch politischer Geheimhaltung. Die Zeiten aber sind längst vorbei, als Koalitions-Kontingente neben Amerikanern und Briten noch eine aktive Rolle bei der Kontrolle irakischer Provinzen übernahmen.

Breite Front?

Ein Großteil der ursprünglichen Teilnehmer an der Koalition hatte sich von Washington zur Teilnahme überreden oder drängen lassen. In keinem Fall ist bisher bekannt, dass sich das für sie konkret ausgezahlt hat. Außer für US-Präsident Bush, der wenigstens vorübergehend damit prahlen konnte, dass er eine breite Front von Staaten hinter sich habe. Von dieser Front ist heute nichts mehr übrig geblieben.

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