1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Ein THW-Mann der ersten Stunde erzählt

An diesem Sonntag wird das Technische Hilfswerk 60 Jahre alt. Von Beginn an spielten Freiwillige bei der Katastrophenschutz-Organisation die Hauptrolle. Wir stellen einen von ihnen vor.

Ein Mitarbeiter des THW bereitet den Versand von Hilfsgütern vor (Foto: AP)

Jürgen Kasper führt durch den Geräteschuppen des Technischen Hilfswerks in Wiesbaden. Hinter Lastwagen, Radladern und Booten stehen zwei Reihen Schließfächer herum. Kasper bleibt stehen. "Ja, durch die Umbaumaßnahmen haben wir jetzt teilweise die Spinde hier stehen, weil bei uns im Keller umgebaut wird." Im Keller sind die Umkleiden, und die müssen jetzt zweigeteilt werden - denn es gibt auch immer mehr Mädchen, die in der THW-Jugendgruppe mitmachen wollen.

Jürgen Kasper, THW-Kreisbeauftragter für Wiesbaden, vor einem blauen THW-LKW (Foto: DW/Jan Frederiksson)

Jürgen Kasper

Als Kasper anfing, sich fürs Retten und Bergen zu interessieren, war das noch reine Männersache. Am Anfang stand eine Bootstour auf dem Rhein, die der Zwölfjährige im Jahr 1952 mit einem Freund machte. "Wir sind im Rhein umgefallen. Dann hat die DLRG uns gerettet. Wir waren zwar nicht am Ertrinken, aber wir waren halt mit dem Paddelboot umgefallen - dann kam die DLRG und hat uns gerettet. Und da habe ich mich für deren Arbeit interessiert. Die haben gesagt, ist ja Klasse, willst du nicht zu uns kommen? So kam ich als Zwölfjähriger in die Jugendgruppe. Und dann sind wir ausgebildet worden im Rettungsschwimmen."

Vom Kalten Krieg zur Russland-Hilfe

Kasper war dankbar und wollte selbst anderen helfen. Die Kameradschaft und der Spaß an der Sache spielten natürlich auch eine Rolle. Nach der Schule ging Kasper zur eben erst gegründeten Bundeswehr und wurde Minentaucher. Doch der Vater, der Krieg und Gefangenschaft erlebt hatte, redete ihm das bald wieder aus. Spätestens jenseits der 30 sei das doch ohnehin nichts mehr, immer unter Wasser. Kasper ließ sich überzeugen und fand einen Job als Techniker im benachbarten Mainz. Zugleich wurde er ehrenamtlicher Leiter einer Katastrophenschutz-Einheit der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft, die 1972 vom Technischen Hilfswerk übernommen wurde.

THW-Helfer im Erdbebengebiet in Pakistan 2005 (Foto: dpa)

THW-Mitarbeiter in Pakistan (2005)

Kaspers Gruppe übte damals noch für den Fall, dass aus dem Kalten Krieg ein heißer werden sollte. Das THW sollte damals vor allem Zivilisten im Inland vor Kriegs- und Katastrophenfolgen schützen. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der deutschen Wiedervereinigung änderten sich die Aufgaben. 1992, als die russische Wirtschaft zusammengebrochen war, schickte die Bundesregierung etliche THW-Konvois mit Hilfsgütern nach Moskau. Einer davon startete in Wiesbaden, wo Kasper inzwischen die Ortsgruppe leitete.

THW-Einsatzkräfte an der Oder im Mai 2010 (Foto: dpa)

THW-Einsatzkräfte an der Oder (Mai 2010)

"Wir haben den größten Transport, den das THW je gestartet hat, nach Moskau gefahren - mit rund 400 Tonnen. Wir sind mit insgesamt 14 Fahrzeugen bis nach Moskau gefahren, im Februar", erzählt Kasper. 2000 Kilometer weit fuhren die Freiwilligen durch Eis und Schnee - ohne Russisch-Kenntnisse und damals auch noch ohne Handys: "Wir hatten keine Verbindung nach Deutschland, wir durften nicht mal untereinander Funkgeräte mitnehmen."

"Bevor du mir hier auf der Pelle hängst, machst du das!"

Doch alles ging gut, und zum Lohn konnte Kasper russische Schulkinder mit glänzenden Westwaren beglücken. Dass die Bundesregierung mitten im Winter nicht einfach ein paar Güterzüge geschickt hatte, sondern die allseits sichtbaren LKWs - das war auch ein Stück Friedens-Diplomatie. In den neunziger Jahren wurden die Auswärts-Einsätze immer häufiger. Kasper fuhr oft als Koordinator mit. 2007 gab er die Leitung der Ortsgruppe auf – doch man ließ ihn nicht so einfach ziehen.

THW-Ortsbeauftragter Michael Lorenz (li.) und Kreisbeauftragter Jürgen Kasper (re.) vor dem THW-Gerätehaus in Wiesbaden (Foto: DW/Jan Frederiksson)

THW-Ortsbeauftragter Michael Lorenz (li.) und Kreisbeauftragter Jürgen Kasper (re.)

"Ich wollte mich eigentlich ein bisschen zurückziehen, aber dann kam unser Landesbeauftragter und fragte: 'Wollen Sie nicht noch Ortsbeauftragter sein?' - also das Verbindungsglied zwischen Ortsverband und Behörden. Meine Frau sagte: 'Bevor du mir die ganze Zeit auf der Pelle hängst, machst du das!'"

Kasper sah das genauso. Inzwischen ist er 70 und hält immer noch für seine Ortsgruppe den Kontakt zu verschiedenen Behörden. Dafür, dass er 1952 aus dem Rhein gefischt wurde, können in der Zwischenzeit auch sehr viele andere Menschen dankbar sein.

Autor: Jan Fredriksson
Redaktion: Hartmut Lüning

Audio und Video zum Thema