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Nahost

Ein Thema unter vielen

Seit Wochen dominiert die Irak-Krise die deutschen Medien. Ist das auf der ganzen Welt ein Thema? Und wie wird der Konflikt am Golf wahrgenommen? Norbert Ahrens hat sich die lateinamerikanischen Medien angeschaut.

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Das erste, was einem auffällt, wenn man in den großen Medien Lateinamerikas das Thema "Irak-Konflikt" sucht, ist seine weitgehende Abwesenheit. Die blutigen Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten in der bolivianischen Hauptstadt La Paz sowie neue Gewaltakte und Entführungsfälle in Kolumbien waren die beherrschenden außenpolitischen Themen in den Ausgaben der großen Tageszeitungen des Subkontinents im vergangenen Februar.

Irak weit weg

Im Gegensatz zu Europa und den USA, wo der Irak-Konflikt seit Wochen Dauerthema ist, befassen sich sowohl die elektronischen Medien als auch die Presse in Lateinamerika nur sporadisch und gleichsam nebenbei damit. Und wenn sie es gelegentlich doch tun, dann legen sie eine Haltung von mehr oder weniger unbeteiligten Beobachtern an den Tag. Der Nahe oder Mittlere Osten ist von Lateinamerika sehr weit entfernt. Es lässt aber auch auf ein erwachendes lateinamerikanisches Selbstbewusstsein gegenüber dem starken Nachbarn im Norden schließen.

Sympathie für "altes Europa"

Der offensichtliche Dissens, der in letzter Zeit zwischen der Regierung in Washington und den Vertretern des "alten Europa" deutlich geworden ist, wird in den lateinamerikanischen Medien gelegentlich mit einem Unterton der Genugtuung kommentiert. Die kolumbianische Wochenzeitschrift CAMBIO bemerkt etwa mit gespielter Verwunderung, dass sich der US-Verteidigungsminister über Deutschland, Frankreich und Belgien öffentlich aufrege, aber gleichzeitig zur Entführung von zwei nordamerikanischen Journalistengruppen, darunter ein Korrespondent der renommierten Los Angeles Times, in Kolumbien schweige. In anderen Blättern wird den Argumenten der abweichenden Europäer ein gewisses Verständnis entgegen gebracht. Die Tatsache, dass den USA in einer so wichtigen Angelegenheit Widerstand entgegen gesetzt wird, registriert man in Lateinamerika mit großer Sympathie.