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Filme

Ein Testosteron-Spektakel zwischen Fiktion und Wirklichkeit

Der Regisseuer Zack Snyder hat die Schlacht der Spartaner gegen die Perser als Comic-Film in Fleisch und Blut inszeniert. Dabei kämpft nicht nur Sparta gegen Persien, sondern auch Realität gegen Fiktion.

Auf einem schmalen Pfad zwischen dem Gebirge links und dem Meer rechts marschiert eine Armee, bewaffnet mit Speeren und Schildern. Die Soldaten tragen Kopftücher. Im Hintergrund strahlt scheint die Sonne durch eine Lücke in der ansonsten dichten Wolkendecke.

170.000 Perser gegen 300 Spartanern

Ihr Krieg strotzt vor Muskeln, fast kann man den Schweiß der Horde riechen, die sich auf der Leinwand bekriegt. Frauen haben hier nichts zu suchen, nicht mal in Gestalt einer Krankenschwester. Das 117-minütige Epos "300" ist eine Huldigung der Männlichkeit - ohne Happy End. Der 41-jährige Regisseur Zack Snyder ist ein Fan von hoffnungslosen Kämpfen. In seinem letzten Werk "The Dawn of the Dead" musste sich eine Hand voll Menschen gegen eine Meute kannibalistischer Zombies wehren. Dabei war klar, dass es sich um Fiktion handelte, bei "300" haben einige Kritiker und Zuschauer Probleme, dies zu erkennen.

Wahre Begebenheit mit fiktiven Ergänzungen

"300" basiert auf einer historischen Begebenheit: Die Schlacht am Thermopylen-Pass, ein damals knapp fünf Meter breiter Durchgang, der das Meer vom Kallidomos-Gebirge trennte, hat tatsächlich stattgefunden. Im August des Jahres 480 vor Christus hat sich Leonidas, der König von Sparta, dem Perserkönig Xerxes auf dessen Marsch nach Griechenland in den Weg gestellt.

Leonidas, der König der Spartaner, trägt eine Helm, der nur seine Augen freilässt, dafür hängt sein Umhang nur um seine Schultern und legt seinen durchtrainierten Bauch frei. Im Hintergrund sieht man Schilder und Speere.

Tolle Bauchmuskeln haben die Kämpfer alle

Soweit die historische Tatsache. Vieles bleibt der Fiktion überlassen. Zum Beispiel, ob Leonidas vor der Schlacht noch schnell mit seiner Frau geschlafen hat, oder ob die 300 Kämpfer nun seine Leibgarde oder die Rest der spartanischen Armee waren.

Bereits Herodot, der die Schlacht als Erster erzählte, hat einiges erfunden, so zum Beispiel Ephialtes, den Verräter. Er soll den Persern einen zweiten Übergang im Gebirge verraten haben, woraufhin sie die Spartaner einkreisten und besiegen konnten. Die taktischen Fehler, die Leonidas gemacht hatte und die zur Niederlage führten, wurden damit Ephialtes angedichtet - es lebe der König, der Held. So ist nicht nur Hollywood.

Das Besondere ist die Machart

Als Vorlage diente Snyder jedoch nicht Herodots Darstellung, sondern der Comic von Frank Miller. So ist eigentlich nicht die Handlung das Besondere an "300", sondern die Art und Weise, wie das Comichafte im Film weiterlebt. Miller hat der Welt in "300" die Farben genommen, grau in schwarz ist sie. Das einzig bunte ist das Blut der Krieger. Im Film ist die Sonne hinter einer übermächtigen Wolkendecke gefangen, nur einzelne Strahlen schaffen es, die Mauer zu durchbrechen. Es ist ein hoffnungsloser Kampf.

Der Perserkönig Xerxes trägt Halsschmuck und viele Piercings. Wütend wirft der den Kopf in den Nacken und schreit. Im Hintergrund sind Zelte zu erkennen und eine rote wehende Fahne.

Der Perserkönig Xerxes ist wütend

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Snyder musste nicht Worte in Bilder fassen, sondern Pinselstriche in Gesichter, Sprechblasen in Reden, Schattierungen in Gefühle. Er musste die Fanatsie-Welt der Zeichnung in eine Wirklichkeit aus Fleisch und Blut überführen. Dies ist ihm und seinen Computern so überzeugend gelungen, dass ihm die iranische Regierung die "Verunglimpfung der persischen Kultur" vorwarf.

Die Kritik spielt auf das unzivilisierte Verhalten der Perser an, die ständig von den schlaueren Spartanern ausgetrickst werden. Der Film sei ein Teil der "psychologischen Kriegsführung" und "untrennbar mit den konzentrischen Bemühungen in bestimmten westlichen Interessenskreisen verbunden, die iranische Nation zu damönisieren", so Teheran in einem Protestschreiben an die Vereinten Nationen.

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