1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Welt

Ein Tag im Gedenken an die Opfer

Mit Musik, Lesungen und Ansprachen wurde in den USA an die Anschläge des 11. September 2001 erinnert. Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen verdeutlichten, dass die Bedrohung durch Terrorismus weiter besteht.

Überblick über den Platz, wo einst das World Trade Center stand und wo nun die Trauerfeier stattfand. (Foto: AP)

Trauern am Unglücksort: Hier wurde auch die neue 9/11-Gedenkstätte eingeweiht

Es war ein Tag des Schmerzes und der Erinnerung, aber auch der Hoffnung. Im ganzen Land wurde der Angriffe vom 11. September 2001 gedacht. Im Mittelpunkt standen die 2.977 Menschen, die an diesem Tag ums Leben kamen – und ihre Angehörigen: Mütter und Väter, Ehefrauen und Ehemänner, Töchter und Söhne. In New York, im Pentagon und in Shanksville/Pennsylvania, den Orten der Angriffe, fanden Trauerfeiern statt, an denen auch US-Präsident Barack Obama teilnahm. Am Morgen zitierte der Präsident bei der nationalen Trauerfeier an Ground Zero in New York Psalm 46: "Gott ist und Zuflucht und Stärke, ein bewährter Helfer in allen Nöten. Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt."

Die Hinterbliebenen waren hier die ersten, die die beiden von Bronzetafeln umgebenen Wasserbecken an Ground Zero besichtigen durften, die im Zentrum der nationalen 9/11-Gedenkstätte stehen. Ab Montag (12.09.2011) ist der Ort auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Wasserbecken haben die Fläche der Türme des früheren World Trade Centers, in die Bronzetafeln an ihren Rändern sind die Namen von 2.983 Opfern eingraviert: Zusätzlich zu den Menschen, die am 11. September ums Leben kamen, wird auch jener sechs gedacht, die beim ersten Anschlag auf das World Trade Center 1993 starben. Die Angehörigen legten Blumen, amerikanische Flaggen und Fotos der Verstorbenen nieder.

Helden und Hoffnung

Frau liest eine Tafel mit der Geschichte von 9/11 (Foto: AP)

Die Geschichte des 9/11 ist in der Gedenkstätte eingraviert

In der traditionellen, sehr emotionalen Zeremonie wurden die Namen der Toten verlesen. Auch viele Kinder traten gefasst vor die Mikrofone. Sie sagten Sätze wie: "Dad, ich habe Dein Lächeln und Deine Augen, aber dich habe ich nicht" und "Ich wünschte, Du würdest mir beibringen, wie man Auto fährt, ein Mädchen ausführt und die Schule meistert." Yo-Yo Ma spielte Bachs Sarabande vom ersten Cello Suite Nummer 1, Paul Simon sang seinen nachdenklichen Hit "The Sounds of Silence". Viele Angehörige hielten Fotos der Verstorbenen hoch oder hatten T-Shirts mit den Bildern der Toten, von denen oft keine sterblichen Überreste gefunden wurden. Die Gedenkstätte bietet den Hinterbliebenen nun einen Ort für ihre Trauer.

In Shanksville/Pennsylvania legte Präsident Obama einen Kranz an dem Denkmal nieder, das aus 40 Säulen besteht, in die die Namen der Frauen und Männer vom United-Airlines Flug 93 eingraviert sind. Sie hatten das Cockpit gestürmt und so verhindert, dass ihre Maschine das von den Terroristen geplante Ziel – die US-Hauptstadt - erreichte. Die Maschine stürtzte dann in der Nähe von Shanksville ab, dabei starben alle 44 Menschen an Bord. Bei der Verlesung der Opfernamen in New York war der Mut von Todd M. Beamer besonders gewürdigt worden, der durch den Aufruf "Auf geht's" an seine Mitpassagiere von Flug 93 zum Helden geworden ist.

Tapferkeit der Hinterbliebenen gewürdigt

Trauerfeier in Washington mit u.a. Vizepräsident Joe Biden (ganz rechts) (Foto: AP)

Auch in Washington wurde der Toten vom 11. September gedacht

Auch am Pentagon wurde der Opfer gedacht, auch hier legte der Präsident in Anwesenheit der Angehörigen einen Kranz nieder. Vizepräsident Joe Biden wandte sich in einer Ansprache an die Hinterbliebenen: "Ihre Anwesenheit heute hier gibt tausenden Amerikanern Hoffnung, die unter anderen Umständen mit einem Verlust fertig werden müssen, den Sie durchlitten haben. Denn Sie lassen sie wissen, dass aus eine Tragödie Hoffnung entstehen kann, dass es ein zweites Leben geben kann." Biden meinte damit die Hinterbliebenen der Soldaten, die in den beiden Kriegen gestorben sind, die die USA seit 9/11 im sogenannten "Kampf gegen den Terror" führen. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums sind im Zusammenhang mit den Kriegen in Afghanistan und Irak bisher 6.229 Soldatinnen und Soldaten ums Leben gekommen.

Die offiziellen Feierlichkeiten fanden ihren Abschluss am Abend mit einem "Konzert für die Hoffnung" im Kennedy-Center in der US-Hauptstadt Washington, DC. Die Veranstaltung sollte ursprünglich in der Washingtoner Kathedrale stattfinden, war aber verlegt worden, nachdem das Erdbeben im August das Gebäude beschädigt hatte. Zudem war vor wenigen Tagen ein Kran auf umliegende Häuser gefallen.

Präsident Obama sagte in seiner Ansprache, der 11. September sei einer der schwärzesten Tage der amerikanischen Geschichte. Viel habe sich seitdem verändert, aber der Charakter der Nation sei der gleiche geblieben, die Demokratie habe alle Angriffe überstanden.

Präsident Obama betont die Einigkeit der Nation

Präsident Obama an der Bronzetafel, in der alle Namen der 9/11-Opfer eingraviert sind (Foto: AP)

Präsident Obama an der Bronzetafel, in der alle Namen der 9/11-Opfer eingraviert sind

Die letzten zehn Jahre hätten die Verbundenheit zwischen den Amerikanern unterstrichen, erklärte Obama, und das müsse das Vermächtnis von 9/11 sein. Er betonte, man habe sich nicht von der Angst überwältigen lassen sondern das Leben würde weitergehen. Nichts könne den Willen einer vereinten Nation brechen. Man habe in den letzten zehn Jahren Verdächtigungen und Misstrauen nicht die Oberhand gewinnen lassen: "Nach 9/11 hat Präsident Bush verdienstvoller Weise deutlich gemacht, was wir heute bestätigen: Die Vereinigten Staaten werden niemals einen Krieg gegen den Islam oder eine andere Religion führen."

Wie viel sich durch 9/11 tatsächlich verändert hat, zeigten die massiven Sicherheitsvorkehrungen vor allem in New York und Washington, DC. Die Behörden hatten Informationen über einen möglichen Anschlag auf einer der beiden Städte erhalten. Man befürchtete einen Angriff mit einer Autobombe, und so war das Gebiet um Ground Zero weiträumig abgesperrt und einige Straßen blockiert. Am Nachmittag fingen Militärjets zwei Passagiermaschinen ab, meldete der US-Fernsehsender CNN, und begleiteten die Flugzeuge bis zur Landung. Es waren jeweils Zwischenfälle an Bord gemeldet worden, bei denen es sich aber wohl um falschen Alarm gehandelt hatte. Klar ist: die Wahrnehmung ist eine andere als noch vor zehn Jahren. Was damals, vor 9/11, unvorstellbar war, ist jetzt oft der erste Gedanke, wenn sich jemand auf einer Flugzeugtoilette einschließt oder ein Erbeben ein Gebäude erzittern lässt: Dass es sich dabei um einen Angriff auf die USA handelt.

Autorin: Christina Bergmann, New York
Redaktion: Annamaria Sigrist

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema