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Politik & Gesellschaft

Ein Stahlträger von "Ground Zero" in Bayern

Bauteil "H-31a" symbolisiert den Terror in New York: Der Stahlträger wird Kern eines Denkmals im bayerischen Städtchen Oberviechtach – als einziges Original-Bauteil des World Trade Center, das nach Deutschland kommt.

Der Stahlträger 'H-31a' aus dem WTC in New York bei der US Army in Vilseck (Foto: Marcel Kehrer)

Schweigend stehen die Mitglieder des Vereins "German American Firefighters and Friends" vor der hellbraunen Holzkiste, die sie soeben geöffnet haben. Manche flüstern sich leise etwas zu. Vor ihnen steht, bedeckt von einer US-Flagge, ein 1,80 Meter langes Teilstück eines Stahlträgers aus dem am 11. September 2001 zerstörten World Trade Center.

Mitglieder der 'German American Firefighters and Friends' und der Standortfeuerwehr der US Army in Vilseck betrachten den Stahlträger (Foto: Marcel Kehrer)

Ankunft des Stahlträgers in Vilseck

Innen ist die Kiste ausgekleidet mit rotem Samt, mit dabei auch ein Zettel: "Packed with Respect by New Yorkers" mit den Unterschriften der Beteiligten. Rostig sieht die wertvolle Fracht aus, weiße Betonspuren haften daran. Die Oberfläche fühlt sich dennoch erstaunlich glatt an.

"Mehr als ergreifend" findet der Vereinsvorsitzende Martin Zimmermann diesen Moment, "das ist ein gutes Gefühl, dieses Originalteil endlich hier in Deutschland zu haben". In Zimmermanns Heimstadt Oberviechtach wird der Stahlträger Kern eines Denkmals, das an die Terroranschläge vom 11. September 2001 erinnern soll.

Der Stahlträger in seiner Kiste (Foto: Marcel Kehrer)

Der Stahlträger in seiner Kiste

Zimmermann war damals zwar nicht selbst in New York und er kennt auch keine Opfer. Doch Oberviechtach unterhält freundschaftliche Beziehungen in die US-Metropole. Diese gehen auf das Jahr 2007 zurück. Damals nahm eine Delegation aus Oberviechtach an der Steuben-Parade teil, dem traditionellen Fest der deutschen Einwanderer in New York.

Zimmermann, Mitglied der örtlichen Feuerwehr, knüpfte dabei die ersten Kontakte und lernte bald auch Feuerwehrleute kennen. "Man ist verbunden durch den Dienst am nächsten", sagt der 39-Jährige, "diese Kameradschaft eint international".

Ergriffen stand er mit Feuerwehrkameraden am "Ground Zero". Dabei kam ihnen die Idee für das Mahnmal. Sie erfuhren, dass für solche Zwecke Originalteile ausgegeben werden - nach strengen Richtlinien. Die Stadtverwaltung stand dahinter, Freunde vor Ort halfen. Zwei Jahre dauerte es - dann war der Antrag durch. Bauteil "H-31a" ist das einzige für Deutschland bestimmte Originalteil des World Trade Center, das bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 zerstört wurde. Jetzt steht der Stahlträger auf dem Gelände der US Army im bayerischen Vilseck.

Gemeinsame Erinnerung


Gruppenfoto der 'German American Firefighters and Friends' und der Standortfeuerwehr mit dem Stahlträger, darauf die Fahnen von Oberviechtach und der USA (Foto: Marcel Kehrer)

"German American Firefighters and Friends" und US- Standortfeuerwehr

Die "German American Firefighters and Friends" haben ihn bewusst erst hierher, und nicht direkt in ihre Heimatstadt Oberviechtach, transportieren lassen. Gut 30.000 Soldaten der US Army sind in dieser Region Bayerns, der Oberpfalz, stationiert. Sie sollten auf jeden Fall eingebunden werden. Und die Soldaten würdigen diese Geste. "Das ist eine gute Sache", meint einer von ihnen, "9/11 hat unser Leben verändert". Zu wissen, dass Deutschland oder Bayern dieses Ereignisses gedenke, zeige die Verbundenheit der USA mit Deutschland. Ein anderer junger Soldat ergänzt, er sei in New York aufgewachsen. "Als ich klein war, habe ich selbst auf dem World Trade Center gestanden." Er findet es gut, " zu wissen, dass ein Stück davon hier in der Nähe ist".

Denkmal in der Oberpfalz

Beim Bau des Fundaments (Foto: Marcel Kehrer)

Beim Bau des Fundaments

Am 11. September wird der Stahlträger auf dem US-Army-Gelände in einer feierlichen Zeremonie an die Bundeswehr übergeben. Sie hat in Oberviechtach einen Standort und wird das Originalteil an seinen Bestimmungsort bringen: Eine Allee am Ortseingang. Hier arbeiten die Mitglieder des Vereins "German American Firefighters and Friends" mit Hochdruck am Fundament. Auf einem großen Block aus heimischem Granit wird dann das Stahlteil aufgestellt. Flankiert wird es von zwei gläsernen Türmen. Sie sind zwei Meter hoch und können nachts in den Farben der USA beleuchtet werden. Gebaut werden sie derzeit von einer Glasfirma aus der Umgebung.

Skizze des geplanten Denkmals (Foto: Marcel Kehrer)

So soll das Denkmal aussehen

Entworfen wurden sie von Rainer Wild, ehemaliger Kommandant der Oberviechtacher Feuerwehr. "In Memory of our fallen Brothers" steht auf seinem schwarzen T-Shirt, mit dem er in der Baugrube arbeitet, "In Erinnerung an unsere gefallenen Brüder".

Er war zur Ideensuche durchs Internet gesurft und befand: "Die Amerikaner machen das recht einfach und geben sich da nicht recht viel Mühe." Das Denkmal in Oberviechtach soll auf jeden Fall besser aussehen als die, die er entdeckt hat: "Da haben wir gesagt, mit so was geben wir uns nicht ab", betont Wild.

"Dedicated to all who serve with Honor" wird auf den Glastürmen stehen. Das Denkmal in Oberviechtach ist damit allen gewidmet, die ehrenvoll dienen, also auch jenen, die sich in Hilfsorganisationen engagieren. Eingeweiht wird es erst im Oktober, denn es werden auch Freunde aus Amerika erwartet. Am 11. September gedenken sie im eigenen Land der Opfer der Terroranschläge.

Autor: Marcel Kehrer
Redaktion: Hartmut Lüning

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