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Geschichte

Ein Stück Brandenburg mitten in Australien

Was haben die mongolische Steppe, ein See in Afrika oder die US-Prärie gemeinsam? Dort findet sich ein Stück Deutschland und bizarre, amüsante oder tragische Ereignisse. Teil zwei der Serie "Spuren deutscher Geschichte".

Rund 200 Einwohner der kleinen brandenburgischen Gemeinde Klemzig verließen 1838 ihr Zuhause - für immer. Das Ziel der Reise war das damals unvorstellbar weit entfernte Australien. Was war geschehen?

Wie so oft in der Geschichte war es die Religion, die Anlass zum Unfrieden gab. Der Unmut der Klemziger richtete sich gegen den preußischen König Friedrich Wilhelm III. Dieser versuchte, den lutherischen mit dem reformierten Zweig der protestantischen Konfession in einer Kirche zwangszuvereinigen.

Religiöse Flüchtlinge

Klemzig in Australien: 1838 die erste deutsche Siedlung

Klemzig in Australien: 1838 die erste deutsche Siedlung

Insbesondere der Erlass einer neuen Gottesdienstordnung durch die Krone hatte für große Empörung gesorgt. Für viele preußische Lutheraner bildete die Religionspolitik des Königs einen unzumutbaren Eingriff in ihre kirchlichen Belange. Unter ihrem Pfarrer August Ludwig Christian Kavel machten sich daher neben den Klemzigern auch weitere 600 Menschen aus der Region im Jahr 1838 auf den Weg nach Australien. Ziel war die britische Kolonie South Australia, die gerade eben erst gegründet worden war. Auf vier Kähnen machten sich die Emigranten über Zwischenstationen auf nach Hamburg. Dort bestiegen sie Schiffe mit Namen wie "Prinz Georg" oder "Zebra", die sie weiter nach Australien brachten. Finanziell ermöglicht hatte diese Reise der britische Geschäftsmann George Fife Angas, der einer der Gründer der Kolonie South Australia war. Eher zufällig hatten sich Pfarrer Kavel und Angas zuvor kennengelernt. Kavel plagte die Empörung über den preußischen König und Angas war auf der Suche nach fleißigen Siedlern, die die neue Kolonie profitabel machen konnten. So war man sich schnell einig: Die Klemziger sollten nach Australien kommen. Angas arrangierte die Überfahrt.

Auch ein Stück deutsche Kultur...

Auch ein Stück deutsche Kultur...

Nach 18 Wochen Überfahrt erreichte schließlich die "Prinz Georg" die Küste Australiens. 14 Auswanderer hatten die lange Fahrt nicht überlebt. Am Torrens River, etwas nördlich der heutigen Hauptstadt Adelaide des Bundesstaates South Australia gelegen, gründeten die Deutschen ihr neues Klemzig. Dort, so hatte man es ihnen zugesichert, könnten sie ihre Religion frei ausüben.

Was die deutschen Neuankömmlinge auch für diese Kolonie begeistert hatte, war die Tatsache, dass South Australia sträflingsfrei war. Ganz im Gegensatz zu anderen australischen Kolonien, in die die Briten ihre Kriminellen abschoben. Klemzig wurde damit zur ersten deutschen Siedlung auf dem fünften Kontinent, aber bei weitem nicht die einzige.

Wenig später nach der Ankunft der "Prinz Georg" erreichte die "Zebra" ihr Ziel. Kommandiert wurde das Schiff von Kapitän Dirk Hahn, der sich aufopferungsvoll um seine Passagiere gekümmert hatte. Ihm zu Ehren nannten die Siedler ihre neue, südöstlich von Adelaide gelegene Heimat, Hahndorf. Etwas später entstanden unter anderem auch die Gemeinden Bethanien, Lobethal oder Langmeil. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebten um die 50.000 Deutsche in Australien.

Australische Bienen

Das früher brandenburgische Klemzig heißt heute Klępsk und gehört zu Polen ZU: Geschichte über Einwanderer aus einer brandenburgischen Stadt Klemzig, die nach Australien zogen und eine Siedlung gründeten, der sie ebenfalls den Naemen Klemzig gaben.

Das früher brandenburgische Klemzig heißt heute Klępsk und gehört zu Polen

Die Neubürger aus Klemzig schafften es in kurzer Zeit, sich an das neue Leben zu gewöhnen. Sie errichteten Häuser, ein Schulgebäude und natürlich eine Kirche. Auf den Feldern baute man Getreide, Kartoffeln, Mais und andere Lebensmittel an. Zudem bot das nicht allzu weit entfernte Adelaide Verdienstmöglichkeiten. Die Tüchtigkeit der Deutschen machte bald die Runde, der Spitzname "australische Bienen" kam auf.

Bis heute hat Klemzig, mittlerweile ein Stadtteil Adelaides, seinen deutschen Namen bewahren können. Andere Orte wurden umbenannt, nachdem es im Ersten und Zweiten Weltkrieg auch in Australien zu antideutschen Ressentiments und zur Errichtung von Internierungslagern gekommen war. So wurde aus Bethanien beispielsweise Bethany. Allerdings das eigentliche, alte Klemzig in Brandenburg hört mittlerweile auf einen anderen Namen. Es ist heute das polnische Klępsk.

Das deutsche Erbe genießt heute in Australien wieder einen hohen Stellenwert. Hahndorf ist eines der beliebtesten Touristenziele in der Region um Adelaide, denn dort locken deutsche Wurst- und Backwaren. Kapitän Hahn hätte es sicher gefreut.

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