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Wissen & Umwelt

Ein Spitzeninstitut für die besten Köpfe der Welt

Sitz der Kaderschmiede IASS ist Potsdam, im Herbst sollen die ersten Forscher einziehen. "Es geht um die Spitze des intellektuellen Eisberges", sagt Gründungsdirektor Klaus Töpfer im Gespräch mit DW-Wissenschaft.

Klaus Töpfer (Foto: AP)

Klaus Töpfer

Wenn es nach nach dem früheren Bundesumweltminister und Direktor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, geht, sollen am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam die kreativsten Wissenschaftler aus aller Welt zusammenarbeiten. "Es geht unter anderem darum, Spitzenforscher zu vernetzen." Schwerpunkte werden die drängenden, globalen Themen sein wie Klima, Energie, Rohstoffe, Ernährung und demographischer Wandel.

Das IASS wird in die ehemaligen Gebäude der Bundesbank an der Berliner Straße ziehen. Es wird vorerst für sieben Jahre mit neun Millionen Euro im Jahr gefördert.

DW-WORLD.DE: Herr Töpfer, an diesem neuen Institut in Potsdam soll Nachhaltigkeitsforschung gemacht werden, warum ist das mehr als Klimaforschung?

Klaus Töpfer: Die Auswirkungen, die wir im Klimabereich haben, beeinflussen das Leben vieler Menschen auf der Erde. Nachhaltigkeit ist ja nicht nur ein Umweltthema. Es ist ein Thema der wirtschaftlichen Stabilität und des sozialen Zusammenhalts in Gesellschaften. Deswegen soll es am IASS um die Fragen der Erdsysteme, des Klimas und der Nachhaltigkeit gehen.

Computersimulation Klimaforschung (Foto: picture-alliance/dpa)

Die Klimaerwärmung wirkt sich in allen Lebensbereichen aus. Für alle Menschen. Auf der ganzen Welt

Ich habe gelesen, sie wollen auch Nobelpreisträger an Ihr neues Institut locken ...?

Ja! Ich glaube, das Konzept muss so sein, dass es auch für einen Nobelpreisträger attraktiv ist. Wir wollen aber vor allem auch solche haben, die demnächst Nobelpreisträger werden. Denn die Bedeutung eines solchen Instituts wächst, wenn es sich mit Persönlichkeiten identifizieren kann, die sich für diese Themen zur Nachhaltigkeit mit einsetzen. Deswegen ist das ein Versuch, Nobelpreisträger und zukünftige Top-Wissenschaftler anzulocken, den wir hoffentlich erfolgreich zu Ende bringen werden.

An diesem neuen Institut soll man das Unmögliche denken. Heißt das beispielsweise auch, den Weltuntergang, die Klimakatastrophe zu durchdenken?

Ja, ich glaube, das ist dringlich notwendig. Also nicht den Weltuntergang zu durchdenken, aber zu sagen, in welche, möglicherweise nicht mehr beherrschbaren Entwicklungen in dieser Welt wir hineingeraten, wenn wir beispielsweise den Klimawandel nicht in den Griff bekommen. Die Welt wird nicht untergehen. Aber die Frage, ob Menschen dann noch ein menschenwürdiges Dasein haben werden, das wird die Frage sein. Also - das Unmögliche denken heißt, das zu erörtern, was man durch konzentriertes Handeln vermeiden kann.

Schornsteine blasen Abgase in die Luft (Foto: picture alliance)

Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) in die Luft zu blasen, ist alles andere als nachhaltig

Soll am IASS ausschließlich wissenschaftlich geforscht werden oder geht es auch um praxisnahe Anwendung?

Was wir dringend brauchen ist die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und Ergebnissen und den Entscheidungsprozessen in Politik und Gesellschaft. Das war immer schwer und das ist verständlich, denn Wissenschaft wird immer komplizierter. Umso wichtiger ist es, dass wir Politiker und Gesellschaft in den Forschungsprozess einbinden. Das wollen wir in Potsdam machen. Das ist ein hoher Anspruch aber ich hoffe, dass wir einen guten Ansatz finden und dass wir das schrittweise umsetzen können.

Und warum ist Potsdam dafür ein guter Standort?

Potsdam hat bereits jetzt eine hervorragende Forschungslandschaft für diese Fragen, nicht nur die Klima- und Geo-Institute sondern auch die Universität Potsdam. Außerdem liegt es direkt neben Berlin. Wir wollen ja die Politik mit einbinden. Man hat lange über den richtigen Standort nachgedacht. Letztendlich haben alle Wissenschaftseinrichtungen einstimmig gesagt - es soll Potsdam werden.

DW-Reporter Richard Fuchs im Gespräch mit IASS-Direktor Klaus Töpfer (Foto: Richard Fuchs)

DW-Reporter Richard Fuchs mit Klaus Töpfer, dem während des Interviews mehrere Wissenschaftler schon mal ihre Visitenkarten zusteckten.

Was bringen Sie als ehemaliger Direktor des UN-Umweltprogramms UNEP mit für dieses Institut?

Das frage ich mich auch (lacht). Sicher hat man sein berufliches Leben mit diesen Fragen - Umwelt, Nachhaltigkeit, Klima, immer und immer wieder verbunden. Sowohl bei den Aufgaben, die ich hier als Bundesumweltminister in der deutschen Politik hatte als auch hinterher über mehr als acht Jahre in der Verantwortung auf globaler Ebene. Man bringt sehr viele Netzwerke mit, man kennt sehr viele Leute und Experten, man kennt die Probleme auch von der anderen Seite dieses Globus. Das hat wahrscheinlich dazu motiviert, mich zu fragen, ob ich diesen Posten annehmen würde.

Interview: Richard Fuchs

Redaktion: Judith Hartl