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Afrika

Ein Spielplatz für Unternehmer in Äthiopien

Im Startup-Zentrum Iceaddis in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba können sich zukünftige Unternehmensgründer ausprobieren und Geschäftsmodelle entwickeln. Von Skateboard-Rampen bis Handy-Apps ist alles möglich.

Im Schatten des alten Baumbestands auf dem Universitätscampus von Addis Abeba wirken die Büros des Startup-Zentrums

Iceaddis

wie ein Fremdkörper. Die asymmetrisch übereinandergestapelten rostroten Container geben dem Bauwerk einen futuristischen Anstrich. Trotz der auffälligen Architektur will das Gründerzentrum Teil der umliegenden lokalen Gemeinschaften sein, wie die Betreiber erläutern: Nicht abgehobene Entwicklungen für Hightech-Unternehmen, sondern nachhaltige Innovationen für den lokalen Markt sollen hier gefördert werden, erklärt Oliver Petzoldt. Der 38-jährige Deutsche arbeitete für die deutsche Entwicklungshilfeorganisation GIZ, bevor er 2010 mit seinem äthiopischen Kollegen Markos Lemma Iceaddis gründete.

Skateboarder in Addis Abeba, Foto: Oliver Petzoldt

Auch ein Startup: Die Skateboard-Rampen wurden bei Iceaddis entwickelt

"Wir bieten einen Raum, in dem man etwas Verrücktes ausprobieren, mit Prototypen rumspielen und herausfinden kann, ob sich das vielleicht sogar vermarkten lässt", sagt Petzoldt. Viele gute Ideen in Äthiopien gelangten mangels solcher Möglichkeiten nie auf den Markt. Dank Iceaddis seien jedoch einige unkonventionelle Projekte bereits zu erfolgreichen Geschäftsmodellen geworden. Aus selbstgebauten Skateboard-Rampen aus Bambus etwa, die eine Gruppe junger Leute bei Iceaddis entwickelt hat, entsteht derzeit ein Skatepark, der langfristig mehrere Jobs schaffen soll.

Kreative Freiheit schaffen

Die Workshops, die Iceaddis anbietet, sind vielfältig. Hier werden Skateboard-Rampen ebenso entwickelt wie Apps für Smartphones. Priorität hat nicht, etwas besonders Extravagantes zu entwickeln. Vielmehr soll dadurch, dass kreative Ideen zu konkreten Geschäftsmodellen werden, die lokale Bevölkerung profitieren.

Iceaddis-Gebäude aus roten Transportcontainern, Foto: Oliver Petzoldt

Futurische Büros für innovative Geschäftsideen

Eines der von Iceaddis geförderten Unternehmen, die unter dieser Prämisse entstanden sind, ist MoSera, eine SMS-basierte Job-Börse. Viele Arbeiter in Addis Abeba haben keinen Internetzugang. Über MoSera können sie stattdessen Job-Angebote per SMS direkt auf ihr Handy bekommen. Das Startup hat die Pilotphase gerade erfolgreich abgeschlossen und ist bereit, offiziell an den Start zu gehen. Er setze große Hoffnungen in den Erfolg von MoSera, sagt der Iceaddis-Mitgründer Lemma. Der Mobilfunkmarkt in Äthiopien boomt. Seine Einnahmen generiert MoSera aus einer geringen Gebühr, die auf jede SMS aufgeschlagen wird.

Ein anderes Erfolgsprojekt ist Mirt Animation. Was als Hobby einer Gruppe von Grafikdesignern begann, hat sich zu einem Unternehmen gemausert, das bewegte Grafiken an Firmen und für Fernsehwerbung vermarktet. Das Brainstorming in den Büros von Iceaddis habe geholfen, diese Nische zu entdecken, sagt der 24-jährige Abiy Hailu, einer der Gründer von Mirt Animation. "Wenn ich auf Medienunternehmen zugehe, habe ich das nötige Selbstvertrauen in Bezug auf das, was ich anbiete", sagt er. Das sei früher anders gewesen, als er sich noch mit seinen Geschäftspartnern in lauten Cafés getroffen habe, um Geschäftspläne zu entwickeln.

Netzwerke aufbauen

Die Idee zu Iceaddis kam Petzold und Lemma 2010, als beide den iHub in Nairobi besuchten, eines von Afrikas etabliertesten Technologie-Zentren. Auch Äthiopien, so die Überzeugung der beiden, brauche eine ähnliche Einrichtung. Die Wirtschaft des Landes wächst derzeit so schnell wie kaum eine andere auf dem Kontinent. Der Technologiesektor aber hinkt dem vieler Nachbarländer, die bereits seit vielen Jahren gezielt junge Unternehmer fördern, hinterher.

Seminar bei Iceaddis, Foto: Oliver Petzoldt

Äthiopiens Unternehmer von Morgen bei einem Iceaddis-Seminar

Noch decken Fördermittel unter anderem von der GIZ die meisten Kosten. Doch Petzold und Lemma hoffen, Iceaddis langfristig dadurch zu finanzieren, dass sie Dienstleitungen des Zentrums auch an Privatunternehmen und Organisationen verkaufen. Um ganz oben in der Liga der technologischen Entwicklung in Afrika mitzuspielen, müsse Äthiopien noch einen weiten Weg zurücklegen, sagt Ben White. Er ist der Gründer von "Venture Capital for Africa", eines der wichtigsten Netzwerke für Startup-Gründer in Afrika mit Sitz in Nairobi. Äthiopien könne noch nicht mit Südafrika und anderen ostafrikanischen Ländern mithalten, wenn es um Internet und mobile Möglichkeiten gehe. Aber der Wandel sei unausweichlich, da ist sich White sicher.

Dieser Wandel beinhaltet Projekte wie Iceaddis, als Teil des wachsenden

Icehub

-Netzwerks, das die GIZ zusammen mit verschiedenen lokalen Organisationen ins Leben gerufen hat: In Ägypten gibt es Icecairo und Icealex und auch in Weimar in Deutschland gibt es ein Zentrum, das den direkten Draht zu Europäischen Investoren ermöglicht. "Wir sind alle nur Netzwerker", sagt Iceaddis-Gründer Petzoldt. "Alles, was wir machen, ist die richtigen Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zusammen zu bringen."

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