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Fokus Osteuropa

Ein Sonderstatus für den Sandzak?

Als Ergebnis der Unabhängigkeit Montenegros wird die Region Sandzak gespalten. Denn sie liegt teils in Serbien und teils in Montenegro. Doch dort werden Stimmen laut, die einen Sonderstatus fordern.

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Nationalrat fordert: keine Staatsgrenze durch den Sandzak

Der Vorsitzende des Nationalrates der Bosniaken des Sandzak, Dzemail Suljevic, hat erklärt, dieser Rat würde die territoriale Autonomie oder föderative Einheit ausrufen, falls die Rechte dieser Region nach dem Referendum in Montenegro ignoriert würden. Ihm zufolge ist es schädlich, dass künftig durch den Sandzak die Staatsgrenze zwischen Serbien und Montenegro verlaufen soll. Der Nationalrat hat auf einer Sitzung beschlossen, dass sich die Bosniaken umgehend an die internationale Gemeinschaft wenden werden, damit der Status des Sandzak in dieser neuen Situation geklärt wird.

Die Bürger sollen entscheiden

Der Nationalrat akzeptiere die Grenze zwischen Serbien und Montenegro sowie die damit verbundene Spaltung nicht. Falls die internationale Gemeinschaft diese Forderung ignorieren würde, wären sie gezwungen einseitige Schritte zu unternehmen. "Wir werden ein Referendum organisieren, auf dem die Bürger darüber entscheiden sollen, ob der Sandzak zu Serbien oder zu Montenegro gehören soll", so Suljevic. Dieselbe Forderung würde zudem auch an die Regierungen in Serbien und Montenegro gerichtet.

Bosniaken als Kolateralschaden?

Dies ist nicht die erste Warnung aus dem Sandzak. Charakteristisch ist die Meinung, die gegenüber DW-RADIO der stellvertretende Vorsitzende der Demokratischen Partei des Sandzak, Azem Hajdarevic, unmittelbar vor dem Referendum in Montenegro geäußert hatte: "Die Bosniaken können zum Kolateralschaden werden. Denn, ob sie nun für die Unabhängigkeit Montenegros stimmen oder dagegen, sie werden immer die Schuld dafür tragen. Und dies kann Spannungen im Sandzak auslösen. Wenn dies auch noch von außen angestachelt werden sollte, dann könnte es auch ein Krisengebiet werden." Die ethnischen Minderheiten – also auch die Bosniaken – haben mit ihren Stimmen maßgeblich dazu beigetragen, dass die Befürworter des Referendums den Sieg davon getragen haben, heißt es im Sandzak.

Herausforderung für Belgrad

Abzuwarten bleibt, wie Belgrad auf die veränderte Lage im Sandzak reagiert. Setzt sich die serbische Regierung nicht mit den Forderungen der Bosniaken auseinander, könnte das im Sandzak als Ignoranz aufgenommen werden. Schließlich haben die Einwohner des Sandzak bereits 1991 ein Referendum organisiert, im dem sie u.a. über kulturelle Autonomie und die stufenweise Anlehnung an Bosnien-Herzegowina abstimmten.

Ejub Stitkovac, Belgrad
DW-RADIO/Serbisch, 30.5.2006, Fokus Ost-Südost