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Fußball

Ein Sommermärchen ohne Happy End

Feiernde Fans auf den Fanmeilen, das Elfmeterschießen gegen Argentinien oder der Kopfstoß von Zinedine Zidane im Endspiel - es ist, als wäre all das erst gestern gewesen. Ein Rückblick auf die WM 2006 in Deutschland.

GettyImages 71398501 Stuttgart, GERMANY: Germany supporters wave the country's flag prior to the start of the third-place playoff 2006 World Cup football match between Germany and Portugal at Stuttgart's Gottlieb-Daimler Stadium, 08 July 2006. AFP PHOTO / PATRIK STOLLARZ (Photo credit should read PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)

Fußball WM 2006 Deutschland

Der diesjährige WM-Gastgeber Südafrika tritt in große Fußstapfen. Schließlich gilt die Fußball-Weltmeisterschaft vor vier Jahren in Deutschland als nahezu perfekte Veranstaltung. Ausverkaufte Stadien, spannende Spiele, tolle Stimmung und herrliches Wetter machten die vierwöchige Veranstaltung 2006 zu einem wahren Sommermärchen.

Begonnen hatte das Projekt "WM in Deutschland" bereits sechs Jahre zuvor, als sich der Deutsche Fußball-Bund bei der WM-Vergabe am Fifa-Sitz in Zürich knapp mit 12:11-Stimmen gegen den südafrikanischen Verband durchsetzen konnte. Danach nahm das Organisationskomitee mit Präsident Franz Beckenbauer an der Spitze umgehend seine Arbeit auf, um der Fußball-Welt eine perfekte WM präsentieren zu können.

Das gelang: Die Stadien in Hamburg, Berlin, Hannover, Leipzig, Dortmund, Gelsenkirchen, Köln, Kaiserslautern, Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart und München waren im Sommer 2006 auf dem neuesten Stand, die Gastgeberstädte hatten sich bei der Vorbereitung mächtig ins Zeug gelegt für die Fußballfans aus Nah und Fern, und sogar das Wetter spielte mit - alles war bereit für ein Fußball-Fest.

Lahm erzielt den ersten von 147 Treffern

"Hiermit erkläre ich die WM für eröffnet", sprach dann Bundespräsident Horst Köhler am 9. Juni in der Münchner WM-Arena die sehnsüchtig erwarteten Worte - sie waren der Startschuss für 64 Spiele, die an den 31 WM-Tagen auf dem Programm standen.

Klose erzielt das 2:0 im WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica. Foto: picture-allicance/dpa

Klose erzielt das 2:0 gegen Costa Rica

Das Eröffnungsspiel gewann Deutschland gleich furios gegen Costa Rica mit 4:2. Philipp Lahm erzielte dabei in der sechsten Minute das erste von insgesamt 147 WM-Toren. Mit dem Sieg gelang der deutschen Elf in Gruppe A ein optimaler Auftakt ins Turnier - und das, obwohl Kapitän Michael Ballack noch verletzt zuschauen musste. Teamchef Jürgen Klinsmann zeigte sich nach dem Spiel jedenfalls zufrieden: “Wir freuen uns, dass wir den ersten 'Dreier' haben. Wir wollten die Leute mitreißen und ihnen etwas bieten. Wir schauen jetzt, dass wir immer ein oder zwei Tore mehr schießen als der Gegner.“

Über drei Millionen Zuschauer in den Stadien

Während sich die deutsche Mannschaft auf ihre weiteren Gruppenspiele gegen Polen und gegen Ecuador vorbereitete, schwappte die fröhliche und unbeschwerte WM-Stimmung munter durchs Land. Egal ob beim 0:0 zwischen Trinidad&Tobago und Schweden in Dortmund, beim torreichen 6:0-Erfolg Argentiniens gegen Serbien-Montenegro in Gelsenkirchen oder dem 3:1-Sieg der Spanier gegen Tunesien in Stuttgart - überall wurde man von der guten Laune der Fußballfans angesteckt.

Spanische Fans beim WM-Vorrundenspiel gegen Saudi-Arabien. Foto: AP

Großartige Stimmung, auch bei den spanischen Fans

Die Fans aus aller Welt feierten zwischen Hamburg und München während der vier WM-Wochen farbenfroh und weitgehend friedlich. Nur vereinzelt musste die Polizei eingreifen, weil Fans randalierten - zum Beispiel vor dem Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Polen in Dortmund. Fast 3,4 Millionen Zuschauer sahen die WM-Spiele live in den Stadien. Viele, viele andere verfolgten die Partien vor riesigen Leinwänden. Allein auf der Fanmeile in Berlin vor dem Brandenburger Tor und auf der Straße des 17. Juni versammelten sich an machen Tagen mehrere 100.000 Menschen zum Fußballgucken und Feiern. Das vom Organisationskomitee ausgewählte WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden“ wurde so von den Fans eindrucksvoll mit Leben gefüllt.

Alle Favoriten im Achtelfinale

32 Nationen nahmen an der WM 2006 teil. Gespielt wurde in der Vorrunde in acht Vierergruppen, aus denen sich die jeweils zwei besten Mannschaften für das Achtelfinale qualifizierten. Ein paar Außenseiter, aber auch alle Favoriten schafften es in die Runde der besten 16: Brasilien, Argentinien, Spanien, Italien oder Mexiko - sie alle hatten sich mehr oder weniger souverän durch die Gruppenphase gespielt.

Oliver Neuville erzielt den Siegtreffer gegen Polen. Foto: AP

Oliver Neuville erzielt den Siegtreffer gegen Polen

Die deutsche Mannschaft wurde von Turnierbeginn an von den schwarz-rot-goldenen Fans auf einer Welle der Begeisterung getragen. Dem 4:2 gegen Costa Rica folgten ein 1:0-Erfolg gegen Polen in Dortmund und ein 3:0-Sieg in Berlin gegen Ecuador. Im Achtelfinale bekamen das die Schweden zu spüren: Der dreimalige Weltmeister gewann mühelos mit 2:0. Doppeltorschütze Lukas Podolski freute sich danach auf das Viertelfinale gegen Argentinien: "Die Argentinier spielen guten Fußball. Aber solche Mannschaften liegen mir. Ich spiele lieber gegen stärkere als gegen schwächere Mannschaften, die sich dann hinten reinstellen. Aber natürlich wird Argentinien ein weiterer Prüfstein für uns.“

Elfmeterkrimi gegen Argentinien

Nationaltorwart Jens Lehmann hält im WM-Viertelfinale gegen Argentinien einen Strafstoß. Foto: AP

Jens Lehmann, der Elfmeterheld von Berlin

72.000 Zuschauer erlebten am 30. Juni 2006 im Berliner Olympiastadion den aus deutscher Sicht emotionalen Höhepunkt der WM. Roberto Ayala brachte die Südamerikaner gleich nach dem Seitenwechsel in Führung, Miroslav Klose glich zehn Minuten vor dem Ende aus. Nach torloser Verlängerung musste das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen - und tatsächlich hatte Deutschland in dieser „Lotterie“ wieder das bessere Ende auf seiner Seite. Torhüter Jens Lehmann ging als Held aus diesem Krimi hervor, nachdem er die Elfmeter von Ayala und Esteban Cambiasso gehalten hatte. Sein Spickzettel mit den bevorzugten Ecken der argentinischen Schützen liegt heute in einem Bonner Museum.

"Die Fans sollen feiern. Ich bereite mich auf das Spiel am Dienstag vor“, wollte Lehmann nach dem Sieg keine Jubelarien anstimmen. Doch Trainer Klinsmann schürte die Euphorie weiter: "Jetzt wollen wir noch einen draufsetzen“, sagte er vor dem Halbfinale gegen Italien in Dortmund.

Italien triumphiert in Dortmund und Berlin

Italiens Kapitän Fabio Cannavaro mit dem WM-Pokal im Konfettiregen. Foto: AP

Italiens Kapitän Fabio Cannavaro mit dem WM-Pokal

Dass die WM-Stimmung im Land dann doch nicht komplett überkochte und der Einzug ins Endspiel verpasst wurde, lag an Fabio Grosso und Alessandro del Piero. Die beiden Italiener besiegelten in Dortmund mit ihren Treffern in der Verlängerung das Halbfinal-Aus für das DFB-Team. Deutschland gewann noch das Spiel um Platz drei gegen Portugal mit 3:1, bevor als Höhepunkt am 9. Juli das Finale in Berlin anstand: Italien siegte mit 5:3 im Elfmeterschießen gegen Frankreich.

Schiedsrichter zeigt im WM-Finale Zinedine Zidane die rote Karte. Foto: AP

Zidane muss gehen

"Es war ein unvergesslicher Abend und eine tolle WM. Ich werde diese Momente nie im Leben vergessen. Ein großes Kompliment an Deutschland für eine großartige Organisation“, sagte nach dem Endspiel der italienische Weltmeister Gennaro Gattuso.

Dass der französische Superstar und beste Spieler der WM, Zinedine Zidane, im Finale nach einem Kopfstoß gegen Marco Materazzi vom Platz flog - das ist nur eine von vielen Geschichten, die von einer aufregenden WM 2006 in Deutschland in Erinnerung bleiben wird.

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