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Sport

Ein Sommermärchen geht zu Ende

Die paralympischen Sommerspiele in London sind beendet. Die deutschen Athleten freuen sich über 66 Medaillen, darunter 18-mal Gold. Mit rund 4200 Teilnehmern waren es die größten Paralympics in der Geschichte.

Claire Lomas entzündet die paralympische Flamme im Trafalgar Square in London (Foto: AP/dapd)

Claire Lomas entzündet die paralympische Flamme im Trafalgar Square in London

Es ist immer schnell von den "besten Spielen aller Zeiten" die Rede, wenn die letzten Medaillen vergeben worden sind. Bei den Londoner Paralympics darf man aber ruhigen Gewissens von beeindruckenden Wettkämpfen sprechen: Emotionale Wettbewerbe, begeisterte Zuschauer, ausverkaufte Ränge und ein positives Medienecho zeichneten diese Sommerspiele aus. Abgesehen von den Zuschauermengen in den Stadien verfolgten beispielsweise knapp sieben Millionen Menschen den 100-Meter-Endlauf im britischen Fernsehen. Das Publikum staunte über außergewöhnliche Leistungen der Sportler mit Behinderung und über zahlreiche neue Weltrekorde.

Dreimal Doppel-Gold

Bei der Eröffnungsfeier trug Schwimmerin Daniela Schulte noch voller Stolz die deutsche Fahne in das Londoner Olympiastadion, nach Hause fährt sie mit einer Goldmedaille um den Hals und einem neuen Weltrekord im Gepäck. Über 400 Meter Freistil schaffte die Berlinerin den Sprung auf das oberste Treppchen. "Das ist ein Traum. Beim Anschlag habe ich nur gedacht: Habe ich wirklich gewonnen?", sagte sie nach dem Rennen.

Gleich zweimal Gold gewann Handbikerin Andrea Eskau im Einzelzeitfahren und im Straßenrennen auf der Rennstrecke in Brands Hatch. Dieses Kunststück schafften auch die Leichtathletin Birgit Kober und Dressurreiterin Hannelore Brenner. Kober überragte ihre Konkurrenz im Kugelstoßen und Speerwerfen. In der Kür und der Championatsprüfung ließ Brenner ihren Gegnerinnen keine Chance.

Der frühere Formel-1-Fahrer Alessandro Zanardi aus Italien zeigte seine Goldmedaille (Foto: REUTERS)

Erfolgreiches Comeback: Alessandro Zanardi gewinnt Gold im Straßenrennen und Einzelzeitfahren

Alessandro Zanardi ist zurück

Ein beeindruckendes Comeback schaffte der ehemalige Formel-1-Pilot Alessandro Zanardi. Der Italiener verlor bei einem schweren Rennunfall 2001 beide Beine, seit fünf Jahren ist er nun auf dem Handbike unterwegs. Nach Gold im Zeitfahren, siegte der 45-Jährige auch im Straßenrennen mit nur einer Sekunde Vorsprung vor dem Südafrikaner Ernst van Dyke. "Dass ich dieses Rennen gewonnen habe, auf eine solch dramatische Weise, mit einem Sprint am Schluss, macht mich richtig stolz. Und es zeigt, dass ich inzwischen ein kompletter Radfahrer bin. Auch wenn ich keine Beine habe", sagte Zanardi.

Beucher rügt Czyz

Der oberschenkelamputierte Heinrich Popow hatte seinen Goldlauf bereits im Vorfeld angekündigt: Der Leverkusener siegte in einer Zeit von 12,40 Sekunden über 100 Meter und jubelte über seine erste Goldmedaille. Es war der bisher größte Erfolg für den 29-Jährigen. Bronze ging an den viermaligen deutschen Paralympics-Champion Wojtek Czyz, mit dem Popow zuvor schon Bronze in der Staffel gewonnen hatte. Gerade Czyz sorgte allerdings für einen negativen Beigeschmack zum tollen Ergebnis der deutschen Sprinter, weil er seinem Teamkollegen vor dem Sprint-Finale "technisches Doping" vorgeworfen hatte.

Czyz hatte dem Olympiasieger unterstellt, eine Prothese zu verwenden, die nicht allen Athleten zugänglich sei. Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) Friedhelm Julius Beucher rügte daraufhin Wojtek Czyz kräftig: "Es gehört auch zu den Auswüchsen des Leistungssports, dass sich Konkurrenten nicht immer nur lieben. Aber die Vorbereitung eines Teamkollegen vor seinem wichtigsten Wettkampf so zu torpedieren, gehört sich nicht." Beucher will nun beide Athleten an einen Tisch bringen und die Diskussion beenden.

Tränenreicher Schlusspunkt

Die deutsche Rollstuhl-Basketballspielerin Marina Mohnen (2.v.r.) versucht den Ball in den Korb zu werfen (Foto: dpa)

Die deutschen Rollstuhl-Basketballerinnen holen nach 28 Jahren endlich wieder eine Goldmedaille

Die erste der 18 deutschen Goldmedaillen holten die Judoka-Zwillinge Carmen und Ramona Brussig gleich am ersten Wettkampftag in London. Innerhalb von nur wenigen Minuten verwirklichten die Zwillinge ihren Gold-Traum. Unter tosendem Applaus in der ausverkauften Excel Arena gewann zuerst Carmen Brussig in der Klasse bis 48 Kilogramm und 15 Minuten später ihre Schwester Ramona in der Klasse bis 52 Kilogramm die Goldmedaille. Den goldenen Schlusspunkt setzten die Rollstuhl-Basketballerinnen. Mit einem deutlichen 58:44 (26:19) besiegte das deutsche Team Australien und holte das erste Paralympics-Gold seit 1984. "Wir haben schon fünf Minuten vor dem Ende alle geweint. Tränen kann man nicht aufhalten, alle sind total glücklich", sagte Johanna Welin nach dem Spiel.

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