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Politik

Ein schweigsamer und gewiefter Diplomat

Porträt des UN-Sonderbeauftragten für Afghanistan Lakhdar Brahimi

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Un-Sonderbeauftragter Lakhdar Brahimi

Lakhdar Brahimi ist ein schweigsamer Diplomat. Besprechungen mit ihm dauern in der Regel nicht sehr lange. Das hat auch Bundesaußenminister Joschka Fischer erfahren, als er mit dem UN-Sonderbeauftragten für Afghanistan kürzlich in New York zusammenkam, um über die humanitäre Lage in Afghanistan zu beraten. Nach kurzer Zeit war der deutsche Minister mit den wichtigsten Informationen versorgt, waren Nothilfepläne für die notleidende Bevölkerung besprochen. Vielleicht ist das die ideale Voraussetzung, um die Afghanistan-Konferenz in Bonn zu einem schnellen Ergebnis zu bringen.

Lakhdar Brahimi ist aber nicht nur schweigsam, er ist außerdem ein gewiefter Diplomat, ein Politiker mit langjähriger Erfahrung, der schon zum zweiten Mal von UN-Generalsekretär Kofi Annan in sein schwieriges Amt berufen wurde. Bereits im Jahr 1997 übernahm er zum ersten Mal die Aufgabe, eine Lösung für das vom Bürgerkrieg geschüttelte Afghanistan zu suchen. Zwei Jahre später gab er frustriert auf, enttäuscht von der Unversöhnlichkeit der Kriegsparteien und der mangelnden Bereitschaft der Nachbarländer, zu einer friedlichen Lösung beizutragen. Seine Kritik richtete sich damals vor allem gegen Pakistan, das die Taliban massiv unterstütze und aufrüstete. Noch heute ist Brahimi in Islamabad deswegen nicht gut gelitten. In der pakistanischen Presse wirft man ihm vor, dass er Afghanistan teilen wolle.

Eine vielseitige Biografie

Geboren wurde Brahimi im Jahr 1948 in Algerien. Im Algerischen Unabhängigkeitskrieg schloss er sich der Nationalen Befreiungsfront FLN an, die ihn als ihren Vertreter nach Südostasien schickte. Später wurde er Delegierter der Übergangsregierung in Tunis und Kairo, wo er enge Kontakte in die arabische Welt knüpfte. Nach dem Tod Nassers ging Brahimi zunächst als Botschafter Algeriens nach London, zwischen 1985 und 1991 war er Generalsekretär der Arabischen Liga. Im Jahr 1991 wurde er Außenminister Algeriens unter dem damaligen Präsidenten Chadli Benjedid, mit dem er sich jedoch 1993 überwarf. Damals rief ihn UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali als Sonderbeauftragten zu den Vereinten Nationen. Im gleichen Jahr noch wurde er nach Zaire und nach Südafrika entsandt. Dem Land am Kap stand er in der wichtigen Phase vor dem Amtsantritt von Präsident Nelson Mandela zur Seite. Ein Jahr später half er im Jemen den Bürgerkrieg zu beenden.

1997 wurde der Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs in Afghanistan. "Ich übernehme diese Aufgabe nur, weil ich dumm genug bin, mich darauf einzulassen und weil es sonst keiner machen will", sagte er damals. Als er zwei Jahre später aufgab, wollte er eigentlich mit Afghanistan nichts mehr zu tun haben. Statt dessen wandte er sich anderen Aufgaben zu und legte im letzten Jahr den sogenannten Brahimi-Report vor, eine kritische Bestandsaufnahme der UN-Blauhelmmissionen. Darin erteilte er überdimensionierten Friedensmissionen mit unklarem Mandat eine Absage und sprach sich statt dessen für kleine und zielgerichtete Missionen aus. Im November 2000 setzte der Sicherheitsrat Brahimis zentrale Empfehlung mit der Resolution 1327 um, in der festgelegt wurde, dass Blauhelme künftig nur noch mit eindeutigem und glaubhaftem Mandat entsandt werden sollten.(bm)

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