Ein Schwabe in Hollywood: Robert Schwentke | Filme | DW | 22.04.2015
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Filme

Ein Schwabe in Hollywood: Robert Schwentke

In Deutschland kennen ihn nur Experten, dabei ist Robert Schwentke der derzeit fleißigste Deutsche in Hollywood. Der Regisseur knüpft damit an eine lange Tradition an. Bald dreht er auch wieder in der Heimat.

Er hat schon mit Jodie Foster und Bruce Willis gearbeitet, hat Schauspielstars wie Helen Mirren und John Malkovich Regieanweisungen gegeben, altgedienten Hollywood-Haudegen wie Morgan Freeman oder Jeff Bridges gesagt, wie sie vor der Kamera zu agieren haben - doch der Name des 1968 geborenen Robert Schwentke ist in Deutschland kaum bekannt. Derzeit läuft sein neuester in den USA gedrehter Film auch in den deutschen Kinos.

"Die Bestimmung - Insurgent" (unser Bild oben), eine Science-Fiction/Fantasy-Vision mit bösen Herrschern und guten Aufständischen, ein Starvehikel, das sich vornehmlich an ein jüngeres Publikum wendet, hat immerhin 110 Millionen US-Dollar Produktionskosten verschlungen. Doch seine Kosten hat es schon wieder eingespielt. Der Film, der im März in Deutschland einen Tag früher als in den USA in die Kinos kam, ist der zweite Teil einer Romanreihe der US-Autorin Veronica Roth.

Robert Schwentke

Robert Schwentke

Und weil Hollywood alles, was erfolgreich an den Kassen ist, in Fortsetzungen auf die Leinwand bringt, bekommt auch "Insurgent" einen dritten Teil. Regie wird wieder Robert Schwentke führen. Der Deutsche arbeitet schon seit über zehn Jahren in den USA. Dort hatte er einst ein Film-Studium absolviert, bevor er in seine Heimat zurückkehrte und die Spielfilme "Tattoo" und "Eierdiebe" drehte. Die Finanzierung für einen dritten Film zog sich dann in die Länge, der Stuttgarter fackelte nicht lange und ging wieder in die USA.

Debüt mit Jodie Foster in der Hauptrolle

In Hollywood debütierte er 2005 mit dem Flugzeugthriller "Flightplan - Ohne jede Spur" mit Jodie Foster in der Hauptrolle. Seitdem hat Schwentke, der über sich sagt, er fühle sich in den USA nicht im Exil, vier weitere Filme gedreht. Es waren handwerklich solide gemachte Genrearbeiten, die auf populären Comic-Vorlagen basierten. Schwentke ist in Hollywood angekommen, hat mit Stars gearbeitet und mehrfach bewiesen, dass er Budgets einhalten kann und seine Filme auch Geld einspielen.

Filmstill Die Bestimmung - Insurgent (Foto: Concorde Filmverleih GmbH / Andrew Cooper)

Eine Welt, aufgeteilt in Gut und Böse: "Insurgent - Die Bestimmung"

Dass der Name Schwentke in Deutschland viel weniger bekannt ist als der seiner Landsleute Wolfgang Petersen und Roland Emmerich, hat nur teilweise damit zu tun, dass diese beiden schon seit vielen Jahren in den USA arbeiten und einer anderen Generation angehören. Schwentke meidet die Öffentlichkeit, mag den Auftritt auf dem roten Teppich nicht und liest nach einem anstrengenden Drehtag lieber mal ein Buch, als mit seinen Hauptdarstellern einen Trinken zu gehen, wie er vor Kurzem in einem Interview verriet.

Philosophie und Bücher als Grundlage

Vier Semester Philosophie und Literaturwissenschaften in Tübingen hat der junge Mann nach seinem Filmstudium am Columbia College in Los Angeles studiert. Dass er einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund hat, sähe man sogar seinen populären Hollywood-Filmen an, meinen einige Kritiker. Und fragt man Schwentke nach seinen filmischen Erweckungserlebnissen, kommt Überraschendes heraus. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" nannte der Schwabe nicht Filme von US-Regiestars wie Steven Spielberg oder Quentin Tarantino, sondern "Die Jagd" vom Spanier Carlos Saura und "Alice in den Städten" von Wim Wenders.

Film White House Down Regisseur Roland Emmerich (Foto: Sean Gallup/Getty Images for Sony Pictures)

Deutscher Erfolgsgarant in Hollywood: Roland Emmerich

So unterscheidet sich Schwentke auch von Landsleuten wie Roland Emmerich, dessen Filme "Hollywood Monster" und "Moon 44" in den späten 80er-Jahren wie Bewerbungsschreiben für die US-Filmindustrie wirkten. Emmerich wurde in den Jahren, die folgten, zum kommerziell erfolgreichsten Deutschen in Hollywood. Wie Wolfgang Petersen auch ist Emmerich inzwischen etabliert in den USA. Viele andere, jüngere Regisseure aus Deutschland, die in den letzten Jahren in den USA Fuß zu fassen versuchten, machten weniger gute Erfahrungen, drehen inzwischen wieder in der Heimat.

Einige hatten kein Glück...

Oliver Hirschbiegel, einst für "Der Untergang" oscarnominiert, hat gerade die deutsche Produktion "Elser" in die Kinos gebracht. Sein Hollywood-Ausflug war eine Enttäuschung. Andere jüngere Regisseure wie Mennan Yapo oder Marco Kreuzpaintner kehrten ebenfalls wieder nach Deutschland zurück. Und auch Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck ("Das Leben der Anderen") hat seit seinem mit Angelina Jolie und Johnny Depp prominent besetzten US-Film "The Tourist" kein weiteres Projekt mehr realisieren können.

Szene aus DAS BOOT (Foto: dpa)

"Das Boot" öffnete Wolfgang Petersen die Türen in Hollywood

Blickt man noch weiter zurück in die Geschichte Hollywoods, so trifft man allerdings auf dutzende prominente Namen aus dem deutschsprachigen Raum, die sich in den USA durchsetzen konnten. Ohne Regisseure wie Billy Wilder und Fred Zinnemann, Josef von Sternberg und Erich von Stroheim, ohne Regieasse wie Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau und Ernst Lubitsch wäre Hollywood heute nicht das, was es geworden ist. Die Gründe für den Auszug der Deutschen und Österreicher waren meist nicht freiwilliger Natur, doch haben sich viele der Genannten einen dauerhaften Platz im amerikanischen Exil erarbeitet.

Oscar für Schlöndorff

Nach dem Zweiten Weltkrieg suchten dann Vertreter des "Neuen Deutschen Films" wie Wim Wenders oder Volker Schlöndorff ihr Glück in den USA. Wenders machte schwierige Zeiten durch, fand erst zu seinem Glück, als er nicht mehr mit den großen Hollywood-Studios, sondern mit unabhängigen Produktionsfirmen zusammenarbeitete. Schlöndorff gewann 1980 für "Die Blechtrommel" den ersten Oscar für Deutschland. Dass aus dieser Generation ausgerechnet der eigensinnige Bayer Werner Herzog zurzeit am tiefsten verwurzelt in den USA ist, gehört zu den größten Überraschungen in der Geschichte des deutschen Exil-Films.

Fritz Lang beim Dreh (Foto: Bundesarchiv)

Feierte auch viele Erfolge in Hollywood: Fritz Lang

Robert Schwentke will nach dem Abschluss der Dreharbeiten für den dritten Teil von "Insurgent" wieder in Deutschland drehen. Eine Story und eine Anschubfinanzierung für das erste deutsche Projekt seit vielen Jahren hat er bereits. "Der Hauptmann" soll der Film heißen und sich an den legendären Erfolg von "Hauptmann von Köpenick" anlehnen. Im Mittelpunkt steht ein Gefreiter, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs auf der Flucht eine neue Identität annimmt, um seinen Häschern zu entkommen. Man darf gespannt sein, wie Schwentkes erster deutscher Film seit Jahren ausfällt - und man kann durchaus optimistisch sein. Schließlich verfügt auch der Stuttgarter über mindestens zwei Identitäten.

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