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Kultur

Ein Schutzschild für Kulturen

Verteidigung der Tradition, Abschottung gegen Fremdes oder verträgliches Miteinander? Besonders kleine Länder fürchten um ihre eigene Kultur. Mit dieser Sorge befasst sich nun die UNESCO.

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Lokale Traditionen sollen überleben

Eine ungewöhnliche Begegnung im Theater von Kumasi: Trommler aus Tamil Nadu bringen Westafrikanern ihre Musik nahe. Sie sind zu einem indisch-ghanaischen Kulturfest an die Goldküste gekommen. Das Publikum an diesem Abend ist begeistert von dem Wechsel zwischen indischen und afrikanischen Darbietungen. Doch abseits solcher Festivals wird die eigene Kultur in Ghana, wie in zahlreichen anderen Ländern, nicht hoch genug geschätzt.

Afrikanische Kunst ist vielerorts zur Folklore geraten. In den Buchhandlungen des schwarzen Kontinents sind die Werke international anerkannter afrikanischer Schriftsteller oft nicht zu bekommen. Wer es bis zur höheren Schulbildung bringt, der weiß in Westafrika mehr über Kafka, als über einheimische Autoren. Auch die lokalen Sprachen wurden jahrzehntelang in Afrika oder Lateinamerika zu Gunsten der Kolonialsprachen Englisch, Französisch, Portugiesisch oder Spanisch vernachlässigt.

Schützende Kulturpolitik

Nun will man es zumindest in Ghana besser machen: Radio- und Fernsehsender haben zusätzliche Programme in lokalen Sprachen, wie Twi, eingeführt. Das Ziel: Ein eigenes kulturelles Selbstbewusstsein zu entwickeln. Ghanas Regierung strebt eine umfassende Kulturpolitik an - ein Novum in Schwarzafrika. Dass lokale Traditionen und Kulturen bewahrt und vor negativen Folgen der Globalisierung geschützt werden sollten, das ist auch schon seit langem Konsens innerhalb der UNESCO, der Kulturkommission der Vereinten Nationen.

Bereits auf ihrer Weltkonferenz 1998 in Stockholm forderte die UNESCO, "Argumente für den Sonderstatus kultureller Güter und Dienstleistungen im internationalen Warenverkehr zu sammeln". Jetzt soll eine neue Konvention die kulturelle Vielfalt weltweit sichern. Christine Merkel von der Deutschen UNESCO-Kommission, erläutert die Bedeutung: "Wir haben heute die Situation, dass jeden Monat zwei der 6000 Sprachen der Welt verloren gehen. Sie haben insbesondere im Cyberspace die Situation, dass 90 Prozent der Sprachen der Welt dort überhaupt nicht vertreten sind." Zudem seien manche Bereichen der Kulturwirtschaft sehr unterschiedlich ausgeprägt: "80 Länder der Welt haben zum Beispiel überhaupt keine eigene Filmproduktion. Der Weltfilmmarkt wird von vier, fünf Ländern, fünf, sechs im Grunde völlig dominiert."

Am 17. Oktober dieses Jahres gaben die Mitgliedsstaaten dem UNESCO-Sekretariat grünes Licht für die Erarbeitung der Konvention. Sie soll in Zeiten der Globalisierung zum wichtigen Regelungsinstrument für nationale und internationale Kulturpolitik werden. Einfach ist das nicht, denn wo hört die Verteidigung der eigenen Kultur gegen fremde Einflüsse auf und wo fangen Abschottung und Engstirnigkeit an?

Vielfalt ist Austausch

Wie viel westlicher Einfluss ist gut für unsere Kinder fragt sich auch die nationale Kulturkommission in Ghana. Welche Filme dürfen in welche Offenherzigkeit im eher konservativen Ghana gezeigt werden? Und darf die traditionelle Highlife-Musik durch Rap und Hiphop weiterentwickelt werden? Wo die Frage nach der Kulturverträglichkeit aufgeworfen wird, kann man schnell an die Grenzen der Toleranz stoßen.

Christine Merkel betont: In der Konvention müsse ein sehr demokratischer Kulturbegriff als Leitidee verankert werden und ebenso die Sichtweise, dass kulturelle Vielfalt "Austausch" enthält. Allerdings: Die wirtschaftlichen Machtverhältnisse und konkurrierende Wirtschaftsinteressen kann auch eine UNESCO-Konvention nicht ändern. Kultur aber ist auch ein Handelsgut.

Und schon lauert da der nächste Konflikt. Schließlich wollen sich lokale Fernsehsender, Radiostationen, Verlage oder Filmgesellschaften von Nord bis Süd gegen mächtige internationale Anbieter behaupten. Die jedoch drängen ihrerseits mit Macht in neue Märkte.