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Wissen & Umwelt

Ein Schrittmacher gegen Bluthochdruck

Forscher in Hannover testen einen elektrisches Gerät zur Senkung des Blutdrucks. Eingepflanzt unter dem Schlüsselbein, soll es Schlaganfallrisiko und Herzerkrankungen vermindern. Von Monika Sax und Frank Eckhardt

Röntgenbild Schrittmacher (Foto: ZDF)

Blutdruck senken - ein elektronischer Helfer schützt vor Herzkrankheiten

Eine alltägliche Situation: Walter U. will die Gartenhecke schneiden. Plötzlich wird ihm schwindelig und übel. Das Herz rast. Der Blutdruck steigt lebensbedrohlich an. Die Folge: Sechs Tage Intensivstation und sechs Wochen Krankenhaus. Bis zu 13 Medikamente soll der Patient täglich einnehmen. Viele von ihnen haben starke Nebenwirkungen. Walter U. muss alle zehn Minuten zur Toilette. Ein normales Leben ist nicht mehr möglich.

Blutdruckmessgerät (Foto: AP)

Unter Druck - Zu hohe Werte können lebensbedrohlich sein

"Das waren zweieinhalb bittere Jahre," sagt er heute, "in denen ich schon mal an meine Grenzen kam und mir überlegt habe: Wofür nehme ich das, lohnt sich das überhaupt noch? Und was tue ich, wenn es nicht besser wird?"

"Wie ein Weihnachtsgeschenk"

Durch Zufall erfährt er damals von einer Pilotstudie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort erproben Forscher ein neues Gerät, das den Blutdruck ohne Medikamente senken soll: einen elektronischen Schrittmacher. Walter U. darf an der Studie teilnehmen, Ende 2007 wird ihm das Gerät eingepflanzt. "Das war für mich der glücklichste Moment," schwärmt er, "es war kurz vor Weihnachten, und ich empfand das als Weihnachtsgeschenk."

Auf seiner rechten Brust sieht man heute deutlich die Narbe der Operation. Das Gerät steckt unter der Haut, von dort aus führen Kabel zu Nervenknoten an beiden Halsschlagadern. Der Schrittmacher stimuliert diese Nervenknoten mit elektrischen Impulsen. Dadurch täuscht er dem Gehirn vor, dass der Blutdruck noch höher ist als in Wirklichkeit. Das Gehirn wiederum sendet Signale an Herz, Blutgefäße und Nieren, um den Blutdruck zu senken.

Erfolg auf Knopfdruck

Funksystem zur Konfiguration des Schrittmachers (Foto: ZDF)

Unter die Haut - Ein Funkmodul stellt den Schrittmacher von aussen ein

Andreas Pichlmaier, Herzchirurg an der Medizinischen Hochschule Hannover, hat bei vierzehn Patienten die Operation durchgeführt. Ein anspruchsvoller Eingriff, sagt er: "Wir sind ja gezwungen, beide Halschlagadern freizulegen, um die Elektroden dort anzubringen." Für den Patienten sei das ein Risiko, denn das Gewebe am Hals schwillt an, dort, wo sowieso alles eng gedrängt ist. Das könne schon mal zu einem Problem werden.

Nach der Operation übernimmt Internist Jan Menne die Überwachung des Patienten. Über ein Funkmodul kann der Arzt den Schrittmacher durch die Haut einstellen. Am Computer testet er, mit welcher Frequenz die Schlagadern stimuliert werden müssen, damit sich ein Erfolg einstellt. Und der sei dann oft enorm: "Bei manchen Patienten fällt der Blutdruck von 200 mm auf unter 100 mm ab, wenn man das Gerät anschaltet."

Risiken und Nebenwirkungen

Arzt und Patient vor Computersystem (Foto: ZDF)

Nicht ungefährlich - Noch können Komplikationen auftreten

So eindrucksvoll das Gerät wirkt, es ist nicht frei von Risiken. Etwa 250 Patienten weltweit haben den Schrittmacher bislang erhalten. Bei einigen von ihnen gab es Komplikationen: von Nervenlähmungen über anhaltende Schmerzen bis hin zum Schlaganfall. Deshalb sagt Pichlmaier: "Wenn wir das gleiche Ergebnis mit einem Medikament erreichen können, dann ist das um ein Vielfaches ungefährlicher als eine Operation."

Für schwerkranke Patienten wie Walter U. kann das Gerät dagegen eine große Hilfe sein. "Ich fühle mich viel freier und habe wieder Lust am Leben", schwärmt er. Wenn der Schrittmacher alle Tests besteht und zugelassen wird, könnte er Ende 2010 auf den Markt kommen.

Autoren: Monika Sax, Frank Eckhardt

Redaktion: Klaus Dartmann

Diesen Beitrag sehen Sie in der aktuellen Ausgabe von Projekt Zukunft, dem Wissenschaftmagazin auf DW-TV

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