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Europa

Ein Schritt zur polnisch-russischen Versöhnung

Es ist eine Sensation und Geste der Versöhnung: Zum ersten Mal wollen Polen und Russland gemeinsam der Opfer des Massakers von Katyn gedenken. Am 3. April 1940 begann der Massenmord an Tausenden Polen durch die Sowjets.

Gedenkstätte des Massakers in Katyn bei Smolensk in Russland, das während des Zweiten Weltkriegs verübt worden ist (Foto: DW)

Gedenken an das Massaker von Katyn

Bereits Anfang Februar kam die Einladung: Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hatte seinen polnischen Kollegen Donald Tusk eingeladen, des Massakers sowjetischer Einheiten an etwa 20.000 polnischen Offizieren vor 70 Jahren zu gedenken - zum ersten Mal gemeinsam. Am 7. April wollen sich beide Regierungschefs in Katyn treffen. Zuvor hatte zwar eine Reihe polnischer Präsidenten und Ministerpräsidenten in Katyn an den Vorfall erinnert, die Besuche hatten jedoch nie einen offiziellen Charakter.

Der polnische Premier Donald Tusk begrüßt den russischen Ministerpräsident Waldimir Putin (Foto: picture-alliance/dpa)

Gemeinsames Gedenken 2009: Tusk (l.) und Putin zum 70. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges in Polen

Polens Außenminister Radoslaw Sikorski wertete die geplante erste gemeinsame Gedenkfeier als "weiteren Schritt zur polnisch-russischen Versöhnung".

Was in Katyn geschah

Nach der Aufteilung Polens zwischen Hitlers Wehrmacht und Stalins Roter Armee waren die polnischen Offiziere 1939 in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten. Der russische Geheimdienst ging davon aus, dass sie sich bei Entlassung aktiv am Kampf gegen die Sowjets beteiligen würden. Stalin segnete im März 1940 den Massenmord ab, der am 3. April begann.

Erst drei Jahre später fanden dann die Deutschen einen Teil der Massengräber in Katyn bei Smolenks. Die Wehrmacht nutzte den Fund für ihre Propaganda. Die polnische Exil-Regierung in London brach daraufhin den Kontakt zum Kreml ab.

Kein Schuldeingeständnis

Deutsche und Truppen der Alliierten blicken auf ein Massengrab im Wald von Katyn im Mai 1943 (Foto: AP)

Deutsche Truppen finden 1943 das Massengrab im Wald von Katyn

Nach dem Krieg versuchte Stalin, das Verbrechen zu vertuschen. Der Massenmord an den Polen - neben Katyn wurden später auch Massengräber in Pjatychatki bei Charkow und Mednoje bei Twer gefunden - sollte Deutschland in die Schuhe geschoben werden. Doch der sowjetische Ankläger Roman Rudenko scheiterte damit beim Nürnberger Prozess. In der Sowjetunion wurde hingegen bis zu ihrem Ende das Massaker offiziell der Wehrmacht angehängt.

Die Angehörigen mussten die Lüge jahrzehntelang schweigend ertragen. Erst Michail Gorbatschow gestand 1990 die Schuld der Sowjetunion ein und übergab entsprechende Dokumente an Warschau.

Aufarbeitung kommt nur schleppend voran

Doch bis heute ist die Haltung des russischen Staates und der russischen Gesellschaft zu dem Verbrechen ambivalent. Immer noch behaupten ranghohe russische Politiker, dass die Morde nicht von der Sowjetunion begangen worden seien. 2004 stellte die Militärstaatsanwaltschaft die in den 1990er-Jahren begonnenen Ermittlungen zum Massenmord in Katyn mit der Begründung ein, dass die Straftaten teils verjährt seien und ein Teil der Dokumente ein Staatsgeheimnis darstelle.

Wegen der Rolle der Sowjetunion zu Beginn des Zweiten Weltkriegs und des Massakers sind die Beziehungen zwischen Polen und Russland bis heute belastet. Eine Mehrheit der Polen macht laut Umfragen nicht nur Deutschland, sondern auch die Sowjetunion für den Kriegsausbruch verantwortlich. Eine Woche vor dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 hatten Berlin und Moskau nämlich in einem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt die Aufteilung Polens untereinander geregelt.

Autorin: Nicole Scherschun (epd, kna, dpa, afp)
Redaktion: Fabian Schmidt

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