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Politik

Ein schlechtes Omen für die Amtszeit von Ahmadinedschad

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat mit seinen israelfeindlichen Äußerungen weltweit für Empörung gesorgt. Damit schadet er vor allem seinem Land, meint Peter Philipp in seinem Kommentar.


Der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad muss von allen guten Geistern verlassen worden sein, als er vor einer anti-israelischen Konferenz in Teheran verkündete: Israel müsse von der Landkarte ausradiert werden. Schon Revolutionsführer Khomeini habe dies gefordert und er, Ahmadinedschad, könne sich eine Welt ohne die USA und Israel durchaus vorstellen. Die USA und Israel erklären nun, der Iran zeige damit erneut sein wahres Gesicht und man müsse nun erst recht dafür sorgen, dass von Teheran keine Gefahren mehr ausgehen. Und auch in Europa zeigt man sich bestürzt über die Drohungen Ahmadinedschad: Die Reaktionen reichen von "völlig unannehmbar" bis "zutiefst beunruhigend und widerlich".

Rückkehr zum verbohrten Fanatismus


Konnte man aber tatsächlich überrascht werden durch eine solch virulent anti-israelische Erklärung? Eigentlich nicht, denn die entschiedene Feindschaft und Ablehnung des iranischen Regimes gegenüber Israel ist seit den Tagen Khomeinis integraler Bestandteil der Politik Teherans. Selbst wenn man seit langem nicht mehr so krasse Worte von so hoher Stelle gehört hatte. Aber auch unter dem bisherigen Präsidenten, Muhamad Khatami, betonte der damalige Außenminister Kharrazi nicht nur einmal, dass Israel in seinen Augen ein "Unrechtsstaat" sei und es deswegen keine Anerkennung dieses Staates geben dürfe.

Ahmadinedschad ist nun noch einen Schritt weitergegangen. Es ist ein Schritt zurück in die Anfangstage der Revolution, als verbohrter Fanatismus auch die Außenpolitik offen bestimmte. Und es liegt wohl in der Natur solcher Fanatiker, dass sie reden und handeln ohne Rücksicht auf die Folgen, die das für sie selbst haben kann. Man fühlt sich im Recht. So, wie der Iran es für richtig hielt, auf der Frankfurter Buchmesse antisemitische Broschüren auszulegen.

Misstrauen ist angebracht


Ein schlechtes Omen für die Amtszeit des neuen Präsidenten: Denn einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte Ahmadinedschad sich kaum aussuchen können für seine Provokation. Der Iran steht weiterhin unter dem Druck der USA und auch der Europäer, in der Nuklearfrage nachzugeben. Man wirft ihm vor, an Atomwaffen zu basteln und nur mühsam hatte sich eine Gruppe von Besonnenen und Vernünftigen gefunden, die dafür plädierten, den Iran juristisch korrekt zu behandeln: Teheran habe immerhin das Nichtverbreitungs-Abkommen unterzeichnet, es versichere, an Atomwaffen nicht interessiert zu sein und es habe natürlich ein verbrieftes Recht auf friedliche Nutzung von Atomenergie.

Wenn da nicht der Verdacht wäre, Teheran könne es mit all dem nicht so ernst meinen. Und dieser Verdacht ist nun erneut verstärkt worden: Ein Staat, der die Zerstörung eines anderen Staates fordert, muss – zumindest - mit größtem Misstrauen und größter Zurückhaltung behandelt werden. Und er wird es zusehends schwerer haben, Unterstützung im Ausland zu finden. Solch masochistisches Verhalten wäre normalerweise ein Fall für den Psychiater.