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Deutschland

"Ein Schatz für unser Land": Abschied von Roman Herzog

Mit einem Staatsakt ist der verstorbene ehemalige Bundespräsident Roman Herzog in Berlin gewürdigt worden. An den Feierlichkeiten nahmen führende deutsche Politiker teil.

"Wir verneigen uns vor einem Bundespräsidenten, dessen Vermächtnis in Wort und Tat ein Schatz für unser Land ist", sagte der jetzige Amtsinhaber Joachim Gauck in seiner Trauerrede. Die Ehrung durch einen Staatsakt wird nur wenigen Spitzenpolitikern zuteil und war von Gauck angeordnet worden."Es hat uns Deutschen gutgetan, dass mit ihm jemand Bundespräsident war, dem jeder Pomp, jeder Überschwang und auch jede devote Staats- und Autoritätsgläubigkeit so erkennbar fremd war."

Gauck lobte Herzog für seinen "politischen und ethisch sicherer Kompass" und dafür, dass er das Prinzip von "Wahrheit und Klarheit" als Überschrift über seine Amtszeit gesetzt habe. Aber es habe dem Amt nichts von seiner Würde genommen, dass er es mit Gelassenheit, Distanz und Selbstironie ausgefüllt habe. Gauck schätzte den Humor Herzogs, mit dem er seinen bayerischen Dialekt rechtfertigte: "Wenn ich nur den Mund aufmache, denken die Leute schon, 'Ich bin im Urlaub'", zitierte Gauck seinen Vorgänger.

"Botschafter der Versöhnung"

Zuvor hatten führende Politiker und Vertreter von Kirche und Gesellschaft in einem Trauergottesdienst im Berliner Dom Abschied von dem ehemaligen Staatsoberhaupt genommen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, würdigte vor allem Herzogs Einsatz für die Verständigung mit den östlichen Nachbarn Deutschlands. Herzog sei als Präsident "zum Botschafter der Versöhnung geworden" und ein wichtiger Brückenbauer zwischen Kirche und Politik gewesen, sagte Bedford-Strohm. Der Alt-Bundespräsident war von 1973 bis 1991 Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Deutschland Altbundespräsident Roman Herzog ist tot (Getty Images/A. Rentz)

Er hat sein Amt mit Gelassenheit, Distanz und Selbstironie ausgefüllt: Der verstorbene Altbundespräsident Roman Herzog

Auch der von Herzog 1996 eingeführte Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar werde immer mit seinem Namen verbunden bleiben, sagte Bedford-Strohm. "Er hat damit eine Erinnerungskultur unterstrichen und gestärkt, die Liebe zum eigenen Land nicht mit Selbstrechtfertigung und Verdrängen der eigenen dunklen Seiten verwechselt", sagte der bayerische Landesbischof. Vielmehr habe Herzog die echte Stärke eines Landes darin gesehen, "dass es die dunklen Seiten ehrlich in den Blick nimmt und daraus für die Zukunft lernt".

Herzog war von 1994 bis 1999 Bundespräsident. In seiner Amtszeit hatte er immer wieder vor Reformmüdigkeit gewarnt. Besonders in Erinnerung blieb seine Rede von 1997 mit dem zentralen Satz: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen." Herzog starb am 10. Januar im Alter von 82 Jahren und soll am Freitag im baden-württembergischen Schöntal beigesetzt werden.

myk/jj (edp, dpa, AFP, phoenix)

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