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Afrika

Ein sambisches Dorf geht online

In weiten Teilen Afrikas klingt E-Learning noch wie Zukunftsmusik. Doch für ein Dorf in Sambia ist das Internet-Lernen inzwischen Alltag. Das digitale Afrika ist Thema der diesjährigen E-Learning-Konferenz in Sambia.

Afrikaner im Internetcafé

Viele Afrikaner gehen in Internetcafés online

Sechs Männer und einen Kran hat es gebraucht, um den Container auf den Lastwagen zu laden. Hellblau gestrichen, in Orange die Aufschrift: "Linknet – Connecting my neighbour". Den Nachbarn verbinden mit dem Internet, das ist die Aufgabe, die sich die lokale Organisation "Macha works" gestellt hat. Und alle wollen das Internet. Denn längst hat sich herumgesprochen: Mit dem Internet geht es aufwärts in dem Ort.

Lokales Vorzeigeprojekt

Linknet-Container wird transportiert

Der Container von Linknet auf dem Weg zur E-Learning Konferenz

Fred Mweetwa, der Chef von Macha Works, ist das beste Beispiel dafür: "Wenn ich mir anschaue, wie mein Leben sich verbessert hat, das ist wie ein Traum für mich." Als Kind habe er manchmal tagelang nichts gegessen, so Fred Mweetwa, der heute an einer südafrikanischen Universität studiert. "Ich studiere über das Internet und nutze es auch für meine Recherche und um meine Lehrer zu kontaktieren. Ich kann mich einloggen, Sachen herunterladen und Aufgaben einreichen – alles per Telefon."

Wie der Container auf dem Lastwagen ist Fred Mweetwa ebenfalls auf dem Weg nach Lusaka. Nach sechs Jahren Projektarbeit ist auch die Regierung in der Hauptstadt stolz auf die Initiative, von der vom Schulkind bis zum Bauern das ganze Dorf profitiert. Nun soll sie auf der E-Learning-Konferenz als lokales Vorzeigeprojekt vorgestellt werden.

Das digitale Krankenhaus

Macha Works-Chef Fred Mweetwa tippt auf seinem Smartphone

"Macha Works"-Chef Fred Mweetwa mit seinem Smartphone

Und das in einer Gemeinde, die zwar nur 200 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt entfernt ist, jedoch weit abgelegen ist von den wenigen guten Straßen des Landes. Mittlerweile sind 200 Computer im Ort online. Wer keinen Strom hat, und das sind immer noch 90 Prozent der Dorfbewohner, nutzt das Internetcafé. Über Satellit erreicht das Internet die Gemeinde im Süden Sambias – verteilt wird es kabelfrei über Wireless Lan.

Auch das Krankenhaus von Macha ist online. Hier sitzt Jonathan Sitali jeden Arbeit nach seiner Schicht am PC und surft zu seiner Universität in Liverpool. Per E-Learning macht der Arzt einen weiteren Abschluss in öffentlicher Gesundheitsversorgung. Dass seine Kommilitonen über die ganze Welt verteilt sind, ist für ihn ein Vorteil: "Ich kann fast in Echtzeit mit Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern kommunizieren. Und ich kann immer noch als Arzt arbeiten und trotzdem studieren."

Für eine Klinik wie in Macha ist E-Learning die Lösung vieler Probleme. Auch der Klinik-Manager macht einen Online-Kurs, damit er das Ultraschall-Gerät nutzen kann. Das ist zwar schon lange vorhanden, aber bedienen konnte es bislang keiner.

E-Learning für die Gesundheit

Student vor Satellitenschüssel in Macha

Per Satellit ist Macha mit dem Internet verbunden

Nebenan in der Schwesternschule entwickelt derzeit die holländische Krankenpflege-Studentin Iris van der Kolk gemeinsam mit ihren lokalen Kolleginnen ein E-Learning Programm: "Es gibt einfach zu wenig Lehrer. Häufig sind sie weg oder krank oder überarbeitet. Und jetzt, da hier mittlerweile fast jeder etwas mit E-Learning anfangen kann, ist das sehr hilfreich."

Die Verbindung nach Holland kommt nicht von ungefähr. Gründer des Projekts "Macha works" ist der holländische Ingenieur Gertjan van Stamm. Er etablierte die erste Internetverbindung in Macha und baut bis heute für die Geschäftsidee aus Macha die Verbindung zu Sponsoren auf, vom holländischen Geschäftsmann bis zur Europäischen Union. Ohne Geld geht es nicht, aber das Konzept, über das Internet zu lernen, überzeugt. Das möchte auch Fred Mweetwa in seinem Container auf der E-Learning-Konferenz zeigen – und gleichzeitig in den zahlreichen Diskussionen mit anderen Teilnehmern neue Ideen für die Zukunft bekommen.

Autorin: Maja Braun

Redaktion: Klaudia Pape / Jan-Philipp Scholz

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