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Wissen & Umwelt

Ein Saatguttresor im arktischen Eis

Krieg, Erdbeben, Klimawandel, Atomunfall - dies alles kann unsere Nahrungsmittelsicherheit gefährden. Der Global Crop Diversity Trust arbeitet deshalb daran, die Vielfalt unserer Nutzpflanzen zu sichern.

Norwegen Spitzbergen Global Seed Vault (Foto: DW/I. Quaile).

Tief im Eis wird Saatgut für schlechte Zeiten gebunkert

Auf der arktischen Insel Svalbard, Spitzbergen, knapp 1500 Kilometer vom Nordpol entfernt, trifft diese Woche eine besondere Ladung ein: 20.000 neue Saatgutproben aus aller Welt sollen im inneren eines Berges, tief im Permafrost im Global Seed Vault - einem weltweiten Saatguttresor - für künftige Generationen eingelagert werden. Dort sollen sie vor Kriegen, Erdbeben, Tsunamis oder anderen Katastrophen sicher sein.

Vor sechs Jahren wurde der Bunker auf Svalbard in Betrieb genommen. Inzwischen sind dort um die 800.000 Proben gelagert. Der Betreiber, das Global Crop Diversity Trust (GCDT), der Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt, feiert in diesen Tagen seinen zehnten Geburtstag.

Artenvielfalt in Gefahr

Marie Haga ist die Geschäftsführerin des GCDT in Bonn: "Das Ziel ist, die Artenvielfalt unserer Nahrungsmittelpflanzen zu erhalten, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren", sagte sie im Interview mit der DW. "Das sind die Bausteine für die Zukunft der Landwirtschaft."

Weltweiter Saatgut-Tresor auf Spitzbergen (Foto:Hakon Mosvold ).

Vom Eingang führt ein Tunnel tief ins arktische Eis von Svalbard

Diese Artenvielfalt schwindet rund um die Welt immer schneller. "Nehmen Sie das Beispiel USA: Seit 1900 haben sie 90 Prozent der Artenvielfalt bei Obst und Gemüsepflanzen verloren. Das ist dramatisch." Ein weiteres Beispiel nennt sie aus Spanien. Dort habe man in den 1970er Jahren 400 Arten von Melonen im Anbau gehabt. Heute seien es nur noch zwölf.

Die moderne Landwirtschaft setzt auf ausgewählte Sorten und Züchtungen. Dabei droht die genetische Vielfalt der ursprünglichen Pflanzen zu verschwinden. Um die Herausforderung des globalen Klimawandels anzugehen, brauche man aber in den kommenden Jahren diese Vielfalt, sagt Haga. "Die Temperatur steigt an. Das Wetter wird unvorhersehbarer. Wir müssen unsere Optionen offen halten. Dafür brauchen wir das Saatgut, das rund um die Welt in Saatgutbanken aufbewahrt wird, um Pflanzen zu entwickeln, die in diesen veränderten klimatischen Bedingungen gedeihen."

Verluste durch Krieg und Katastrophen

GCDT unterstützt ein ganzes Netzwerk von Genbanken, die die Artenvielfalt in ihrer jeweiligen Region sichern. Leider sind im Falle von Krieg oder Katastrophe die Pflanzengenbanken in unterschiedlichen Ländern oft bedroht.

Syrien Bürgerkrieg Stadt Aleppo 22. Februar 2014 (Foto: Reuters).

Es besteht Hoffnung, dass die Saatgutbank in Aleppo den Bürgerkrieg übersteht

"So haben wir beispielsweise auf den Philippinen aufgrund von Überflutungen und Bränden Genbanken verloren. Auch in Afghanistan sind wichtige Anlagen zerstört worden. Und zurzeit sind wir um eine wichtige Saatgutbank in Aleppo in Syrien besorgt. Dort wird eine Vielfalt an Weizensorten aufbewahrt."

Für den Fall eines Falls wurde deshalb der Tresor auf Svalbard eröffnet.

"Falls die Genbank in Syrien zerstört würde, haben wir Duplikate von fast allen Sorten auf Svalbard gesichert. Der Tresor befindet sich tief im Permafrost. Selbst im Zuge des Klimawandels wird dieser Permafrost noch sehr lange gefroren bleiben. Der Tresor ist auch 120 Meter über dem Meeresspiegel - dort gibt es keine Erdbeben, und das Land ist politisch stabil." Für Haga ist Svalbard der sicherste Ort auf der Erde.

In dieser Woche kommen 20.000 neue Saatgutproben auf der arktischen Insel an. Zum ersten Mal kommt ist eine größere Menge aus Japan dabei. "Das ist sehr wichtig. Wir wissen, was Japan nach den Tsunamis oder Erdbeben durchgemacht hat", sagt Haga.

Kazuhiro Sato und Marie Haga nehmen neues Saatgut in Empfang (Foto: GCDT).

Marie Haga und ihr Kollege Kazuhiro Sato begutachten neue Saatgutproben, die im Tresor verwahrt werden sollen

Wilde Verwandten sind widerstandsfähiger

Haga freut sich insbesondere über die Anlieferung von wilden Saatgutarten von Weizen und Reis. "Diese wilden Verwandten unserer gezüchteten Nutzpflanzen sind besonders interessant, weil sie oft Eigenschaften besitzen, die in unseren modernen Züchtungen nicht vorhanden sind. So können sie beispielsweise gegen Hitze oder Dürre tolerant sein."

Noch mussten die Experten des GCDTs keine Saatgutproben aus der Riesentiefkühltruhe im Berginneren herausholen.

"Es könnte aber jeden Tag passieren. Wir hoffen, dass es niemals notwendig sein wird, auf unsere Notsammlung in Svalbard zurück zu greifen. Es gibt aber so viele Unwägbarkeiten in der Welt, sowohl durch Menschen als auch durch Naturkatastrophen. Aber - falls etwas wirklich ganz schief gehen sollte - haben wir die einzigartige Möglichkeit, Pflanzenmaterial aus Svalbard zu holen, um draußen in der Welt einen Neuanfang zu machen."

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