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Kultur

Ein Rezept für die Integration von Einwanderern

Die USA haben seit ihren Gründertagen Erfahrung mit der Integration von Einwanderern. Von dort dringt nun ein viel versprechendes Integrations-Modell nach Europa, das auch hier manche Probleme lindern könnte.

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Unter dem Einsatz von Leib und Leben versuchen viele Migranten, Grenzen zu überwinden

Elendsflüchtlinge aus Afrika

Die spanische Küstenwache bringt afrikanische Flüchtlinge nach Fuerteventura; die Küstenwache hatte sie auf einem heruntergekommenen Boot, dessen Wrack sie im Schlepp hat, auf dem Meer vor den Kanarischen Inseln abgefangen. (Archivfoto)

Die Integration von Einwanderern ist in den vergangenen Jahren in vielen Industrieländern zu einem Problem geworden. Vor den Küsten Spaniens und Italiens fischt die Küstenpolizei immer wieder Flüchtlinge aus der See, die mit ihren Nussschalen Kurs auf Europa halten. In Paris machten vorigen Herbst Jugendliche aus Einwandererfamilien ihrem Unmut Luft, indem sie nächtelang brandschatzend durch die Stadt zogen. Und in Berlin-Neukölln warnte der Direktor der Rütli-Schule, wo für die Mehrzahl der Schüler Deutsch eine Fremdsprache ist, er werde der Gewalt nicht mehr Herr.

Problemdiagnose

Unruhen in Frankreich Kinder Alltag in Clichy-sous-Bois

Kinder aus dem Pariser Problem-Bezirk Clichy-sous-Bois (7.11.2005)

Die Suche nach den Ursprüngen der Probleme hat längst begonnen. So erklärte der französische Rechnungshof schon vor den Krawall-Nächten im vergangenen Herbst: "Die Krisensituation ist keine Folge der Einwanderung an sich. Sie ist das Ergebnis der Art und Weise, wie mit der Einwanderung umgegangen wird. Die Situation, mit der die Ordnungskräfte heute konfrontiert sind, hat sich nach und nach in den letzten Jahrzehnten herausgebildet."

Ausweg: Vielfalt in der Einheit

Aus den USA dringt nun unter dem Motto "Diversity within Unity" (DWU) - Vielfalt in der Einheit" - ein Konzept nach Europa, das einen Weg zur Integration von Einwanderern verspricht. Demnach sollte jede Gesellschaft zwei Sphären festlegen: In der einen gelten für alle Mitglieder der Gemeinschaft einige wenige aber wichtige Werte. Dort wird auch ein gemeinsames Geschichtsbewusstsein gepflegt, und dort werden Zukunftsperspektiven kultiviert. Die andere Sphäre bietet Raum für Subkulturen mit eigenen Bräuchen, Sitten und Lebensgewohnheiten. Einzige Bedingung für die Subkulturen: Ihre Werte dürfen nicht im Widerspruch stehen zu den Werten der großen Gemeinschaft.

"Eine solche Vielfalt in der Einheit erlaubt es, die Grundrechte, die demokratische Lebensform und die Grundwerte vollständig zu achten ebenso wie jene Werte der Minderheiten, die damit nicht in Konflikt geraten", heißt es in einem Grundsatzpapier der DWU-Vertreter.

Etzioni und die Kommunitaristen

Amitai Etzioni

Amitai Etzioni bei einer Konferenz zum Thema 'Diversity within Unity' in Brüssel (27.4.2006)

Verfechter und Vordenker des DWU-Modells ist der Soziologe Amitai Etzioni aus den USA. Der 77-Jährige gilt als Wortführer des Kommunitarismus (vgl. Weblink), lehrte an der Columbia Universität sowie an der George Washington Universität und war innenpolitischer Berater der US-Regierung (1979-80). Vor allem aber ist er ein ungemein produktiver Autor von 24 Büchern. 2001 zählte er nach einer Zählung akademischer Zitate zu den "top 100 Intellektuellen" in den USA.

Grenzen ziehen

Die Frage, welche Elemente in welche Kategorie gehören - in den Bereich der Einheit oder der Vielfalt - kann nach Etzionis Ansicht leicht entschieden werden. Grundrechte müssen demnach von jedem und allen respektiert werden. So könne zum Beispiel die Diskriminierung von Frauen nicht geduldet werden, ganz gleich von welchen kulturellen oder religiösen Werten eine Gruppe geprägt ist. Die Achtung vor dem Gesetz und der öffentlichen Ordnung sei von entscheidender Bedeutung. Demokratische Institutionen seien keine Option unter anderen. Auch das Lernen der Sprache des Ziellandes sei nötig für eine Integration.

Alte US-Tradition

Für die USA ist das DWU-Konzept alter Wein in neuen Schläuchen. Denn die ganz ähnliche Maxime "E Pluribus Unum" (aus vielen Eins) beschreibt seit den Tagen der Gründerväter der USA eine Grundidee der amerikanischen Gesellschaft. Sie gilt als so wichtig und maßgeblich, dass dieser lateinische Leitspruch nicht nur in das Siegel der USA aufgenommen wurde, sondern auch auf jeder Dollar-Note abgebildet ist. Damit dürfte er den meisten Amerikanern geläufig sein.

Lesen Sie weiter: Die Probleme des DWU-Modells für Europa.

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