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Kultur

Ein Raumschiff für Sinsheim

Vom Wüstenemirat nach Schwaben: Vor einem Jahr wurde im Hafengelände von Bahrain ein altes sowjetisches Shuttle entdeckt. Künftig soll der historische Raumgleiter in Deutschland Besucherströme anlocken.

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Noch steht die "Buran" im Hafen von Bahrain

Es war ein Fernsehteam aus Düsseldorf, dem im Jahr 2003 eine erstaunliche Entdeckung im Emirat Bahrain am Persischen Golf gelang: Auf dem riesigen Hafengelände des Wüstenstaats war offensichtlich ein sowjetisches Shuttle vom Typ "Buran" ("Schneegestöber") "gestrandet". "Es lag wohl schon länger da, ohne dass sich jemand dafür interessiert hat", vermutet TV-Produzent Chris Maier, der das Schiff aufgrund eines Tipps aufspüren konnte.

Sowjetisches Prestigeoprojekt

Buran in Baikonur

Stolzere Tage: Die Buran 1988 auf dem Weg zur Startrampe

Das sowjetische Projekt "Buran" begann 1976 mit dem Ziel, einen wieder verwendbaren Raumtransporter zu entwickeln und dadurch mit den USA gleichziehen zu können. Äußerlich ähnelt die "Buran" denn auch stark dem amerikanischen "Space Shuttle". Ausgelegt war der Raumgleiter für den Transport von 14 Personen oder bis zu 30 Tonnen Nutzlast und zeigte sich damit den US-Shuttles zumindest in diesem Bereich überlegen. Zudem konnte das sowjetische Raumschiff im Unterschied zu den Modellen aus den Vereinigten Staaten komplett ferngesteuert werden. 1980 wurde ein Exemplar fertig gestellt, das am 15. November 1988 schließlich zu seinem ersten und einzigen Orbitalflug abhob. Der unbemannte Test endete planmäßig nach zwei Erdumrundungen und das Shuttle landete sicher wieder auf der Erde. Vier Jahre später wurde das Raumfahrzeug beim Einsturz einer Montagehalle im russischen Raumfahrtzentrum Baikonur zerstört.

Andreas Schütz, Raumfahrtexperte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, ist von der Wiederentdeckung der noch erhaltenen Raumfähre begeistert. Aus gutem Grund: "Es gab vier Prototypen der 'Buran'", sagt er. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bekam auch die russische Raumfahrt die allgemeine Geldknappheit zu spüren. Mit der Folge, dass sich die Russen neben der "Sojus" kein zweites großes Programm mehr leisten wollten, erklärt Schütz. 1993 wurde das Projekt daher offiziell eingestellt.

Gestrandet in der Wüste

Buran kommt nach Museum Sinsheim

Die Raketentriebwerke liefern keinen Schub mehr

Bei der jetzt in Bahrain wieder entdeckten Maschine handelt es sich offenbar um das Modell "Buran" 002, einen der vier Prototypen des Shuttles, das mit eigenen Triebwerken ausgerüstet ist und während ihrer Dienstzeit insgesamt 25 Testflüge innerhalb der Erdatmosphäre absolvierte. Die Irrfahrt dieses "Buran"-Gleiters führte zunächst nach Sydney, wo das Schiff im Rahmen der Olympischen Spiele im Jahr 2000 ausgestellt wurde. Eine geplante Ausstellung in Bahrain scheiterte zwei Jahre später wegen finanzieller Streitigleiten. Seitdem lagerte die Raumfähre auf dem Hafengelände des Wüstenemirats und geriet in Vergessenheit. Nach ihrer Wiederentdeckung meldete zunächst ein deutscher Geschäftsmann sein Interesse an, die "Buran" auf weltweiten Veranstaltungen auszustellen. Das Projekt kam jedoch nicht zustande.

Reise nach Deutschland

Jetzt sieht es so aus, als würde die Odyssee der Raumfähre in Deutschland enden. Das Auto- und Technikmuseum im schwäbischen Sinsheim bestätigte inzwischen, dass es bereits Ende des vergangenen Jahres einen Kaufvertrag mit dem Eigentümer der "Buran", dem russischen Luft- und Raumfahrtunternehmen NPO Molniya in Moskau abgeschlossen hat. Eine Sprecherin des Museum teilt mit, der Kaufpreis habe im sechsstelligen Eurobereich gelegen.

Zurzeit werden in Sinsheim die restlichen logistischen Fragen geklärt. Für den Transport, der zunächst vermutlich auf dem Seeweg stattfindet, veranschlagt man mehrere Wochen. Die Überführung des riesigen Shuttles aus der arabischen Wüste nach Schwaben soll noch Ende dieses Jahres, spätestens aber im Frühjahr 2005 bewältigt werden. Beim Umgang mit "sperrigen" Ausstellungsstücken hat man hier bereits einige Erfahrungen gesammelt: Auf dem Museumsgelände findet sich unter anderem jeweils ein Exemplar der Überschall-Passagierjets "Concorde" und Tupolew TU-144, die mit großem Aufwand nach Sinsheim transportiert werden mussten. Der Raumgleiter aus Bahrain soll ab 2005 die Ausstellung um ein spektakuläres Exponat bereichern.

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