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Wissen & Umwelt

Ein Pflaster aus Spinnenseide

Spinnenseide ist nicht nur unheimlich stark - sie soll auch Wunden schneller heilen lassen. Wissenschaftler entwickeln ein Pflaster, das auf der Innenseite mit dem Wundermaterial beschichtet ist.

Wer das nächste Mal beim Putzen ein lästiges Spinnennetz eliminiert, sollte zumindest zu würdigen wissen, was für ein Wunderwerk er da in der Wohnung hat. Denn Spinnenseide ist ein einzigartiges Material. Die Spinnenfäden sind zwar nur hauchdünn, aber bezogen auf ihren Durchmesser unglaublich stark. Das Material hält enorme Kräfte aus, sagt Biochemiker Artem Davidenko, der drei Jahre lang während seiner Doktorarbeit an der RWTH Aachen an Spinnenseide geforscht hat: "Ein Faden mit zwei Zentimetern Durchmesser könnte ein komplettes Flugzeug ziehen." Besonders die Fäden außen, am Ende eines Spinnennetzes, interessieren die Forscher: Als Traggerüst sind sie nicht klebrig, besonders fest und stabil und dabei elastisch.

Wundermaterial für Wunden

Jetzt haben Forscher noch eine andere faszinierende Eigenschaft der Spinnenseide entdeckt - oder vielmehr wiederentdeckt. Denn bereits die alten Römer sollen Seide auf Wunden gelegt haben, damit sie schneller heilen. Tatsächlich zeigte sich in Untersuchungen, dass Spinnenseide die Wundheilung fördert, berichtet die RWTH Aachen.

Ein Forscher der RWTH Aachen im Labor. (Foto: Peter Winandy)

Wissenschaftler entwickeln Pflaster mit Spinnenseidenbeschichtung

Spinnenseide besteht aus Eiweiß und lässt sich daher von speziellen Enzymen, Scheren der Natur, in ihre Bestandteile zerlegen. Auch die natürliche Wundflüssigkeit enthält Enzyme. "Erste Untersuchungen sind vielversprechend", meldet die Universität: Auf eine Wunde aufgebracht, zerlegt die Wundflüssigkeit das Eiweiß der Spinnenseide, dieses zerfällt und beschleunigt an Ort und Stelle die Heilung.

Das hat die Wissenschaftler am DWI, einem anwendungsorientierten Forschungsinstitut der RWTH Aachen, auf die Idee gebracht, ein Pflaster zu entwickeln, das auf der Innenseite mit Spinnenseideneiweißen beschichtet ist. "Das Projekt ist inzwischen abgeschlossen", sagt die Pressesprecherin des DWI. Wann es entsprechende Pflaster in der Apotheke oder im Drogeriemarkt zu kaufen geben wird, sei aber noch unklar.

Die Natur ist schwer nachzuahmen

Um Spinnenseide herzustellen, greifen die Wissenschaftler zur Gentechnik. Denn eine Spinnenseidenproduktion auf natürliche Weise, mit Spinnen als Produzenten, sei sehr mühsam, sagt Artem Davidenko. "Das liegt vor allem am Kannibalismus der meisten Spinnenarten: Das Weibchen frisst das Männchen nach der Begattung manchmal auf."

Schwarze Witwe mit Kokon (Foto: Jens Ressing dpa/lno)

Die Spinne macht nicht nur Fäden aus ihrem Seideneiweiß, sondern auch Kokons für ihren Nachwuchs

Viel einfacher ist es, das Erbmaterial für die gewünschten Spinnenseideneiweiße aus den Spinnen in ein Bakterium zu überführen. Wenn die Forscher das Erbgut entsprechend nach Art der Bakterien modifiziert haben, stellt das Bakterium das Spinnenseideneiweiß her. Bakterien sind einfach in großen Reaktorgefäßen zu kultivieren, sie brauchen lediglich regelmäßig Nährstoffe und Sauerstoff - das ist jedenfalls viel praktischer als Millionen von Spinnen für die Zucht zu halten. Man muss aber aufpassen, dass man das Bakterium nicht überfordert, fügt Davidenko hinzu: Die Eiweißketten, die sie produzieren sollen, dürfen nicht zu lang sein, ansonsten kann es zu Fehlern kommen.

Ganze Spinnenfäden herzustellen, ist hingegen ganz schön knifflig und schon lange ein Traum der Wissenschaft. Denn ein wirklicher Meister, was Spinnenseide angeht, ist und bleibt nunmal die Spinne.

Autorin: Brigitte Osterath
Redaktion: Fabian Schmidt

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