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Europa

Ein Ort der Hoffnung

Epidauros ist die bedeutendste antike Kultstätte für den Gott Asklepios. Ihm zu Ehren bauten die Griechen ab dem 7. Jahrhundert nach Christus Tempelanlagen, die teilweise auch heute noch zu bewundern sind.

Das Theater in Epidauros (Foto: picture-alliance)

Schon die alten Griechen wussten die Akustik zu nutzen

Epidauros liegt in einer gesegneten Landschaft: Olivenbäume, Pinienwälder und eine sanfte Küstenlinie. Mittags gehört die Welt den Zikaden und nur wenige Kilometer vom Heiligtum von Epidauros entfernt schlagen die Wellen an den Strand, nicht anders als schon vor zweieinhalb tausend Jahren...

Linderung für die Leidenden

Brände 2007 in Griechenland (Foto: AP)

Von den Waldbränden auf der Peloponnes 2007 wurde Epidauros verschont

In der Antike war Epidauros das wichtigste von rund 200 Heiligtümern im gesamten Mittelmeerraum, die dem Heilgott Asklepios geweiht waren. Aus dem ganzen Land strömten Menschen auf der Suche nach Heilung hierher. Die Priester des Heilgottes verordneten Diäten, Salben und Aufgüsse, die Geheilten entrichteten zum Dank eine Gabe. So sammelten sich in Epidauros sagenhafte Reichtümer an. Heute liegen auf dem weitläufigen Gelände das Stadion, die Fundamente des Gästehauses und der Kantine, das Avaton, in dem die Kranken ihren Heilschlaf abhielten und die Tholos, ein Rundbau, in dem vermutlich Asklepios verehrt wurde.

Etwas abseits steht das große Theater, die Hauptattraktion des Ortes. Die schiere Größe und die Akustik seien atemberaubend, findet ein deutscher Tourist. Die alten Griechen wussten bereits, dass sich Schall in Wellen verbreitet und haben die natürliche Lage des Theaters optimal genutzt. So sind auch leise Geräusche bis in die obersten Ränge zu hören: Schauspieler spielen hier vor rund 13.000 Zuschauern ohne Mikrofon. Das sei auch eine große Versuchung für Touristen, erklärt der Archäologe Christos Piteros. "Das Theater ist ein lebendiges Monument: Sobald die Besucher ins Halbrund treten, klatschen sie in die Hände, sie rezitieren, sie singen. Und wenn das dann oben zu hören ist, gibt es große Freude." Das Theater von Epidauros sei das einzige antike Monument, das die Besucher verwandele, sagt er.

Konservieren, nicht wiederaufbauen

Ein Mann bei Ausgrabungen (Foto: dw-tv)

"Als lebendige Zeugnisse jahrhundertealter Traditionen der Völker vermitteln die Denkmäler in der Gegenwart eine geistige Botschaft der Vergangenheit" - Charta von Venedig

Die systematischen Grabungen in Epidauros haben bereits 1870 begonnen. Die jüngsten Restaurationsarbeiten im Gelände wirken allerdings befremdlich: Das Avaton ist so weit aufgebaut, dass es eher an eine Kopie aus dem Baumarkt erinnert. An der Tholos, dem Rundbau, der bis auf das darunter liegende Labyrinth abgetragen war, ragen nun wieder Säulen in den Himmel.

Der Archäologe Christos Piteros hält diese Art der Rekonstruktion für verfehlt: "Meine Meinung ist, dass hier viel zu viel neues Material verwendet wird. Der Blick bleibt am Neuen hängen, das Alte tritt in den Hintergrund." Dabei gebe es in der Charta von Venedig international anerkannte Richtlinien zur Denkmalpflege. "Wir hier dagegen betreiben nicht Konservierung, sondern einen Wiederaufbau - das ist unverantwortlich, und es wird in der Zukunft mit Sicherheit verurteilt werden. Es müsste also ein Symposion stattfinden, um falsche Entscheidungen zu revidieren."

Autorin: Alkyone Karamanolis
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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