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Politik

Ein Null-Energie-Hochhaus für die Golfstaaten

Ausgerechnet am Golf, in der Nachbarschaft der Ölquellen, interessiert man sich für energieeffizientes Bauen. Deutsche Architekten planen ein Projekt, dessen Name Programm ist: Burj al-Taqa, zu Deutsch: Energieturm.

Modell Energy Tower Burj Al-Taqa, Foto: DW/ Gerber Architekten

Vorbild: die historischen Windtürme Arabiens

Allein 30 Prozent des Energieverbrauches in Deutschland werden für Heizung und Wassererwärmung genutzt. "Wenn man über Maßnamen zum Klimaschutz nachdenkt, dann spielt energieeffizientes Bauen eine ganz wichtige Rolle“, sagt Andreas Gries von der Energieagentur NRW. Am besten umgesetzt werde das derzeit in Deutschland durch so genannte "Passivhäuser": Durch gute Dämmmaßnamen, Fenster und Lüftungsanlagen benötigen sie nur 20 Prozent des Energiebedarfes eines konventionellen Hauses. "Und es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, diese Gebäude mit Energie zu versorgen", fügt Gries hinzu.

Das diese Häuser sich zu 100 Prozent selbst mit Energie versorgen, sei allerdings noch ein Zukunftsszenario: "Zu kostenintensiv", erklärt Gries. Zudem brauche es große Energiespeicher, daher sei eine solche Technologie derzeit noch unrealistisch. Der "Energy-Tower" ist da schon weiter.

Energieautarker Turm

322 Meter soll er hoch werden und Büroetagen, Wohnungen, eine Einkaufsmeile und ein Hotel beherbergen: Das Architekturbüro Gerber aus Dortmund hat ihn als energieeffizienten Bau entwickelt: "Er soll gegenüber einem regulären Hochhaus 60 Prozent der Energie einsparen und die verbleibenden 40 Prozent über erneuerbaren Energien zu beziehen“, erklärt Projektkoordinator Thomas Lücking.

Modell Energy Tower Burj Al-Taqa, Foto: DW/ Gerber Architekten

Der 'Energy-Tower' soll sich selber versorgen

Der "Energy-Tower" soll sich selber versorgen. Dafür wurde ein 4000 Quadratmeter großer Solarschild geplant, der mit dem Stand der Sonne um das Gebäude rotiert und zu einen vor Aufheizung des Gebäudeinneren schützt und zum anderen elektrischen Strom erzeugt. "Am Fuß des Gebäudes gibt es Verkaufsbereiche, die zwei- bis dreigeschossig sind und deren Dächer ebenfalls komplett mit Solarzellen bedeckt sind. Das sind noch mal 8000 Quadratmeter“, so der Projektkoordinator.

Ein sparsamer Turm

Auf einem Gewässer neben dem "Energy-Tower“ schwimmt eine "Solarinsel": Gekrümmte Spiegel, die Wasser in einem Rohr erhitzen. Die dadurch entstehende Energie wird für die Kühlung des Turmes benutzt: "Und als drittes Element erzeugt eine vertikal gelagerte Turbine an der Spitze des Gebäudes Strom aus der Kraft des Windes", fügt Lücking hinzu.

Modell Energy Tower Burj Al-Taqa, Foto: DW/ Gerber Architekten

322 Meter mit Büroetagen, Wohnungen, einer Einkaufsmeile und einem Hotel

Für die Energieeinsparung sorgen eine Belüftung, die nicht mechanisch, sondern durch Wind betrieben wird, eine Kühlung, die mit Solarenergie versorgt wird und eine optimale Nutzung des Tageslichts dank der Verglasung der Fassade und Heliostatenspiegeln an der Spitze des Turmes, die das Licht der Sonne einsammeln und es von oben nach unten durch die Mitte des Gebäudes leiten. "Belüftung, Kühlung und Licht sind die drei Elemente in Gebäuden, die besonders für den Energieverbrauch verantwortlich sind“, erklärt Lücking.

Grundsteinlegung in Bahrein?

Der "Energy-Tower“ existiert bislang zwar nur auf dem Papier, doch der Prinz von Bahrain hat bereits Kaufinteresse angemeldet. Denn obwohl die Energiepreise in den Erdöl-Regionen lange nicht so stark steigen wie im Westen, sind auch dort Erderwärmung und Energieeffizienz ein großes Thema.

Modell Energy Tower Burj Al-Taqa, Foto: DW/ Gerber Architekten

Auch Einkaufsmeilen und Restaurants soll der Turm beherbergen

Zwar sei das Hochhaus für das Klima im arabischen Raum entworfen worden, aber eine Anpassung an andere Wetterverhältnisse sei nicht aufwändig, sagt Lücking, denn ob die Vakuumverglasung der Fassade verhindere, dass kühle Luft nach draußen dringt oder sich Wärme im Gebäude hält, stelle für die Konstrukteure kein großes Problem dar.

Und die Frage nach den Kosten sei eine relative Frage, findet Lücking: "Ich habe keine Zweifel, dass es sich lohnt, heute schon in erneuerbare Energien zu investieren. Das ist Prognosen zufolge um ein Vielfaches günstiger, als die Schäden zu beseitigen, die künftige Klimakatastrophen verursachen werden.

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