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Afrika

Ein Nicht-Thema: Migration in afrikanischen Medien

Krisenbedingt werden in Afrika von Jahr zu Jahr Millionen Menschen zu Flüchtlingen. Doch die Migrationsdebatte, wie sie in Europa stattfindet, bleibt in den afrikanischen Medien weitgehend unbeachtet.

Seit Monaten dominiert die Flüchtlingskrise in Europa die internationalen Medien. Dass viele afrikanische Ländern seit Jahren und Jahrzehnten Flüchtlingskrisen zu bewältigen haben, gelangt selten in die Schlagzeiten - auch nicht in den Ländern selbst. "Wir leben mit diesem Migrationsproblem, doch in den Medien wird es nicht als solches behandelt", beklagt Mathewos Tadesse, Professor an der Fakultät für Journalistik der Universität von Addis Abeba in Äthiopien.

Sein Land nimmt afrikaweit die meisten Flüchtlinge auf: 660.000 Menschen waren es laut UN-Flüchtlingshilfe im Jahr 2014. Sie kommen aus den Nachbarländern Somalia, Eritrea oder noch Jemen. Zugleich kehren zahlreiche junge Äthiopier ihrem Land den Rücken zu. Doch das werde nur Thema, wenn ein

großerer Skandal

öffentlich würde: "Vor vier oder fünf Monaten wurde eine Gruppe von äthiopischen Migranten in Libyen ermordet. Während der Zeit haben die Medien eine wichtige Rolle gespielt," so der Professor. Sie hätten versucht aufzuzeigen, was für grausame Konsequenzen illegale Migration haben kann.

UNHCR Flüchtlingslager Zelte Äthiopien

Hoffen auf eine Unterkunft: Somalische Flüchtlinge vor einem Transitlager in Äthiopien

Nicht der Wille fehlt, sondern die Mittel

Doch schnell verschwindet das Thema wieder aus den Schlagzeilen. Ein Phänomen, was in vielen afrikanischen Ländern in den Medien zu beobachten ist, so Eric Chinje. Der aus Kamerun stammende Journalist leitet die African Media Initiative, eine NGO mit Hauptsitz in Nairobi in Kenia. Er war ebenfalls Gast einer Diskussionsrunde zum Thema an der Technischen Universität Dortmund. "Wenn der Afrikaner erfährt, dass es bei der Überfahrt des Mittelmeers tausend Tote gegeben hat, dann ist das nicht das Problem, dass er sich anguckt. Er fragt sich, warum sie das machen," sagt Chinje.

Eric Chinje African Media Initiative (AMI) Chief Executive Officer

Eric Chinje: Die globale Migrationskrise verlangt eine globale Debatte

Der Afrikaner verbinde das mit einem Problem der Staatsführung. Trotzdem gebe es keine Berichte oder Analysen von afrikanischen Journalisten, die sich mit der Suche nach Lösungen beschäftigten. "Es ist ein Problem der Unwissenheit und des fehlenden Austauschs. Man muss den Journalisten helfen, an diese Informationen heran zu kommen."

Den afrikanischen Medien fehlt also nicht der Wille, die Ursachen der Flüchtlingskrise zu hinterfragen. Es mangelt an Mitteln, Struktur, Pressefreiheit oder auch dem qualifizierten Personal.

Europa braucht Afrikas Hilfe

Und einem eigenen Blickpunkt, so Tim Quashiga, Leiter des Journalistik-Instituts von Accra in Ghana. Ein Problem, das sich nicht nur auf das Thema Migration oder die Flüchtlingskrise´beschränke. Quashiga nennt ein Beispiel: "Bei einem ghanaischen Radio habe ich einen Stück gehört, das von der BBC übernommen wurde. Der BBC-Reporter hatte Nigeria als ein 'westafrikanisches Land' bezeichnet. Der ghanaische Journalist hatte das genauso wiederholt. Dabei liegt Nigeria in direkter Nähe von Ghana. Was ich sehen will, sind Geschichten, die so erzählt sind, wie sie die Afrikaner selber sehen!"

Flüchtlinge auf einem Boot im Mittelmeer

Bei Marineeinsätzen im Mittelmeer kamen dieses Jahr tausende Flüchtlinge ums Leben

Davon würden auch die europäischen Medien profitieren können, die sich mit der Analyse der Ursachen der Migrationsbewegungen aus Afrika so schwer tun. Ohne richtige Debatte um diese Ursachen wird Europa dieses globale Problem nicht lösen können, so Eric Chinje.

Um die Zuwanderung aus wirtschaftlichen Gründen zu begrenzen, müsse man sich fragen, woher die Armut komme. "Warum sind die Kongolesen arm? Kongo ist reich! Im Kongo werden jeden Tag Diamanten und Gold abgebaut, Erdöl gefördert." Europa, das nun die Auswirkungen der Krise zu spüren bekomme, sollte sich mit diesen Problemen befassen. "Wenn sich die Debatte um diese großen Fragen der Staatsführung und der wirtschaftlichen Chancen drehen, dann würden wir Lösungen finden", ist Chinje sicher.

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