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Wissen & Umwelt

Ein neues HI-Virus - und jetzt?

Forscher haben bei einer Frau eine neue Variante des HI-Virus entdeckt. Wahrscheinlich stammt es von einem Gorilla. Eine interessante Entdeckung - wie gefährlich ist das Virus?

Mikroskop-Aufnahme von menschlichen T-Zellen, die mit HIV infiziert sind (Foto: AP)

Mikroskop-Aufnahme von menschlichen T-Zellen, die mit HIV infiziert sind

Im Jahr 2004 zog die 62 Jahre alte Frau aus der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé nach Paris und wurde kurze Zeit später positiv auf HIV, das menschliche Immunschwäche-Virus getestet. Sie ist also seit mindestens fünf Jahren mit HIV infiziert, aber bis jetzt gibt es bei ihr noch keine Anzeichen für eine AIDS-Erkrankung, die das Virus auslösen kann.

Poträt eines Gorillas im Zoo von New York (Foto: AP)

Das neue Virus soll von einem Gorilla stammen

"Es scheint also keine hoch aggressive Variante des HI-Virus zu sein", sagt der Mediziner Norbert Brockmeyer, Sprecher des deutschlandweiten Kompetenznetz HIV/AIDS. Zumindest keine Variante, die man nicht mit den aktuell verfügbaren Medikamenten in Schach halten könne. "Ich gehe nicht davon aus, dass durch die Entdeckung des neuen HIV-Stamms eine völlig neue Gefahrensituation entsteht. Und es wird sehr wahrscheinlich auch nicht der letzte HI-Virus-Typ sein, den wir entdecken."

Virus-wechsel-dich

Denn Viren verändern sich ständig. Bislang sind zwei HIV-Linien bekannt, HIV-1 und HIV-2. Beide haben wiederum Untergruppen, so genannte Stämme. Das neu gefundene Virus wird der HIV-1 Linie zugerechnet und wäre dort der vierte bekannte Stamm. Die Forscher, die ihn entdeckt haben, ein Team um Jean-Christophe Plantier von der französischen Universität Rouen, wollen ihn HIV-1-P nennen. M, N und O gibt es schon. Noch ist nicht klar, wie lange die Frau aus Kamerun das Virus schon in sich trägt, ob sie die einzige ist, wie infektiös das neue Virus ist, wie schnell es sich vermehrt und wie tödlich es sein kann. Aber die französischen Forscher gehen davon aus, dass dieses Virus von einem Gorilla übertragen wurde.

Schimpanse im Senegal (Foto: AP)

Auch Schimpansen können HIV-infiziert sein und an AIDS erkranken - sie sterben aber seltener daran

Das ist wiederum neu. Alle bislang bekannten Stämme des HI-Virus sind mit dem so genannten Simian-Virus verwandt, der Variante von HIV, die bei Schimpansen vorkommt. HIV-Forscher gehen davon aus, dass Affen die ersten Träger von HIV waren, es dann auf Menschenaffen, die Schimpansen, übertragen haben und diese wiederum auf den Menschen. Wahrscheinlich haben sich Menschen durch die Jagd auf die Tiere oder den Verzehr ihres Fleisches infiziert, weil es nicht komplett durchgegart war. Sexuelle Kontakte zwischen Menschen und Tieren als Übertragungsweg sind möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich.

Mutation nicht aggressiv

Die Frau aus Kamerun sagt, sie habe weder Affenfleisch gegessen noch engen Kontakt zu Gorillas gehabt. Wenn das stimmt, hat sie das Virus wahrscheinlich von einem Menschen übertragen bekommen. Das würde bedeuten, es gibt mindestens noch eine weitere Person mit diesem neu entdeckten HI-Virus, oder ein anderes Virus der HIV-1-Linie ist in ihrem Körper zu dem neu entdeckten Virus mutiert.

Medikamente gegen AIDS in einem Krankenhaus in Nigeria (Foto: AP)

AIDS ist bis heute nicht heilbar, Medikamente können die Krankheit aber eindämmen

Die französischen Forscher betonen, ihre Entdeckung zeige, wie wichtig es sei, "die Entstehung neuer HIV-Varianten genau im Blick zu behalten, vor allem in West- und Zentralafrika". Alle bekannten HI-Viren sind in dieser Region zuerst aufgetreten. Generell muss man aber überall mit dem Auftreten neuer HI-Varianten rechnen. Seit der Entdeckung von HIV Anfang der 1980er Jahre befürchtet man, ein HI-Virus könnte irgendwann einmal zu einer aggressiven Variante mutieren, die man nicht mehr mit den bekannten Medikamenten behandeln kann. Noch ist diese Sorge aber nicht Wirklichkeit geworden. Auch bei dem neu entdeckten HIV-Stamm nicht.

Autorin: Marlis Schaum

Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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