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Kultur

Ein neues Gesicht für Galata

Zurück in die Geschichte: So lautet das Motto der Neugestaltung des einst prachtvollen Istanbuler Stadtteils Galata. Was vom Viertel im Herzen der Metropole erhalten bleiben soll, hat ein Schweizer Team untersucht.

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Bestandsaufnahme

Galata hat eine bewegte Geschichte. Der heutige Stadtteil von Istanbul war ursprünglich ein Viertel der Katholiken gleich neben der orthodoxen Metropole Konstantinopel. Venezianer und Genuesen, Kaufleute und Künstler kamen nach Galata und gründeten hier ihre eigenen Exklaven. Französisch wurde gesprochen, aber auch die vielen Sprachen der anderen Minderheiten wie Italienisch, Deutsch, Englisch, Armenisch und Griechisch. Kurz: Galata war das kosmopolitische Herz des heutigen Istanbuls.

Suche nach dem Genus loci

Im Herzen der Stadt liegt Galata noch immer. "Insgesamt ist der Charakter des Ortes Galata aber heute verslumt", konstatiert Margarethe von Lupin. Das will die Schweizerin in Zukunft ändern. Auch die Stadtväter Istanbuls möchten aus Galata wieder das Aushängeschild der Millionen-Metropole machen. Gemeinsam mit einem Team von Fotografen, Grafikern und Journalisten analysierte von Lupin das heutige Galata. Der erste Schritt zur Neugestaltung ist die Bestandsaufnahme. "Es ist die Suche nach dem Genus loci", sagt von Lupin, "nach dem eigenen Charakter Galatas. Es war einmal wie ein eigenes Dorf, das später in Istanbul aufgegangen ist. Heute gibt es Galata nicht mehr in seiner ursprünglich identitätsstiftenden Form."

Panorama von Istanbul # 2/3

Blick auf Istanbul vom Galata-Turm

Auf Spurensuche mit der Kamera

Damit Galata genau das wieder werden kann, begaben sich die Schweizer auf Spurensuche nach den Besonderheiten des Viertels. Mit der Kamera haben sie die verschiedenen Facetten Galatas eingefangen. Die Bildanalyse soll den Grundstock für die Neugestaltung des Stadtteils bilden.

"Man kann aus so einem Ort das Schlimmste und das Beste machen", sagt Ruedi Bauer, Mitarbeiter des Schweizer Teams mit Blick auf die geplanten Restaurierungen und Neubauten in Galata. "Was immer hier entstehen soll, muss auf der Wahrnehmung des Existierenden basieren", betont Bauer. "Was sind die Rituale und Gewohnheiten der Menschen hier? Das wollten wir wissen."

Old Galata Bridge

Old Galata Bridge

Kaleidoskop des Lebens in Galata

Herausgekommen sind Momentaufnahmen des Lebens in diesem Kernstück Istanbuls, das mit seiner alten Bausubstanz zwar viele Besucher anzieht, den Bewohnern aber nicht viel bietet. Dafür hat Galata sein eigenes Gepräge. "Es gibt viele Räume, die halb privat, halb öffentlich sind. Man lebt auf Terrassen und Straßen, es gibt enorme soziale Räume", sagt Bauer. Aber ist das der gesuchte Genus loci, der Charakter des Viertels?

"Abschließend gefunden haben wir das Genus loci nicht", sagt Margarethe von Lupin. "Wir müssen weiter recherchieren, weiter fragen, weiter arbeiten, mit Stadtplanern, Architekten und Historikern. Was wir aber jetzt haben, ist ein Kaleidoskop von Erfahrungen und Vorstellungen."

Panorama von Istanbul # 3/3

Istanbul-Panorama vom Galata-Turm

Aufbruchstimmung am Goldenen Horn

Dieses Kaleidoskop präsentierte das Schweizer Team der Istanbuler Öffentlichkeit im Rahmen der Istanbul Design Week. In beeindruckender Kulisse am Bosporus konnten die Bürgern Galatas Bilder ihres Lebens, die Analysen ihrer Welt sehen. Sie waren begeistert. Die Aufbruchstimmung, die seitdem in Galata zu spüren ist, wäre ohne die Arbeit des Teams um Margarethe von Lupin und Ruedi Baur nicht entstanden. Jetzt soll es an die Neugestaltung des Viertels gehen, damit Galata ein neues Gesicht bekommt, dass seine große Vergangenheit widerspiegelt.

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