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Neuer Anschlag erschüttert Afghanistan

9. August 2015

Extremisten überziehen Afghanistan mit einer Welle der Gewalt. Nach der Anschlagsserie in Kabul riss nun offenbar ein Selbstmordattentäter in der Nordprovinz Kundus mindestens 21 Menschen mit in den Tod.

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Ein Polizist fotografiert einen Anschlagsort in Kabul (Foto: rtr)
Zerstörung Kabul: Nach den Attentaten in der Hauptstadt gab es nun offenbar auch in Kundus einen AnschlagBild: Reuters/A. Masood

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, brachte ein Selbstmordattentäter aus den Reihen der Taliban nach Behördenangaben in der Nacht zum Sonntag ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug zur Explosion. Einem Polizeisprecher zufolge galt das Attentat einer Versammlung regierungstreuer Milizen im Bezirk Chanabad. Nach Angaben des Innenministerims sind die Opfer ausschließlich Zivilisten. Insgesamt starben mindestens 22 Menschen. Der Gouverneurs des Distrikts Chanabad, Hajatullah Amiri, erklärte, der Wagen des Selbstmordattentäters sei mit selbst gebauten Sprengsätzen beladen gewesen.

Desolate Sicherheitslage in Kundus

Die Sicherheitslage in der Provinz Kundus gilt als schlecht. Die nördliche Provinz droht immer wieder von den Taliban überrannt zu werden. Auch gilt Kundus als die in diesem Jahr bislang gefährlichste Provinz für Zivilisten. Lokale Milizen, etwa aus Dörfern, stellen sich zwar den Taliban entgegen. Beobachtern zufolge sollen einige von ihnen jedoch auch Zivilisten ermordet und illegal Steuern eingetrieben haben.

Anschlagsserie erschüttert die Hauptstadt

Nur wenige Stunden vor dem neuen Anschlag in Kundus war Afghanistans Hauptstadt Kabul Ziel einer der schwersten Anschlagsserien der vergangenen Jahre geworden. Dabei wurden seit Freitag mindestens 50 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt. Binnen 24 Stunden waren drei Orte der Hauptstadt von Anschlägen erschüttert worden.

Mindestens 50 Tote in Kabul

Zunächst war am frühen Freitagmorgen (Ortszeit) eine Lastwagenbombe in einem Wohngebiet für Armeeangehörige detoniert und hatte zahlreiche Zivilisten, unter ihnen auch 37 Kinder, getötet. Dann sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor der Polizeiakademie in die Luft, der sich in die Reihen der wartenden Rekruten gestellt hatte. Und schließlich war eine Basis der NATO-geführten Ausbildungsmission "Resolute Support" (RS) angegriffen worden. Dabei kam nach Angaben des US-Präsidialamtes auch ein amerikanischer Soldat ums Leben.

Zerstörter Häuserkomplex in Kabul (Foto: rtr)
Gewaltige Detonation: Bei den Explosionen in Kabul wurden mindestens 50 Menschen getötet und Hunderte verletztBild: Reuters/A. Masood

Innere Konflikte bei den Taliban

Die Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama, Susan Rice, sprach am Samstag telefonisch mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani über die Anschlagserie. Dabei sagte sie ihm anhaltende Unterstützung der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus zu.

Der Welle der Gewalt war ein Führungswechsel bei den Taliban vorangegangen. Dabei zeigten sich Anzeichen innerer Konflikte. So verweigerte die Familie des bisherigen Taliban-Chefs Mullah Omar dem neuen Anführer, Achtar Mohammad Mansur, die Gefolgschaft. Mansur hatte in der Vergangenheit Friedensverhandlungen mit der Regierung in Kabul befürwortet. Inzwischen aber haben die Taliban die Fortsetzung ihres Aufstandes angekündigt.

Blutige Demonstration der Stärke nach dem Machtwechsel?

Beobachter sehen unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten der jüngsten Anschläge. Zum einen könnten sie aus den Zirkeln des neuen Taliban-Führers initiiert worden seien, als Machtdemonstration der afghanischen Regierung ebenso gegenüber wie dessen Gegnern. Zum anderen könnten sie aber auch von Mansurs Widersachern verübt worden sein, um dessen Verhandlungsposition mit Kabul zu erschweren.

In dem Konflikt zwischen Taliban und afghanischer Regierung sind seit dem Ende des Kampfeinsatzes der NATO-Truppe ISAF zum Jahreswechsel 2014/2015 nach Angaben der Vereinten Nationen insgesamt fast 5000 Zivilisten getötet worden.

cw/ml (dpa, afp)