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Sport

Ein Mythos kämpft um seine Zukunft

Kaum eine Rennstrecke ist so legendär wie der Nürburgring. Doch der Eifel-Kurs ist insolvent und soll verkauft werden. Findet an diesem Wochenende möglicherweise das letzte Formel-1-Rennen auf dem Ring statt?

Als der Nürburgring geplant wurde, so soll es einst ein britischer Journalist beschrieben haben, habe man wohl einen torkelnden Riesen im Vollrausch losgeschickt, um die Strecke festzulegen. Ex-Weltmeister Niki Lauda, der 1976 einen schweren Feuerunfall auf dem Eifel-Kurs überlebte, meinte viele Jahre nach seinem Karriereende: "Es war die gefährlichste Rennstrecke der Welt, aber so geil zum Fahren!" Gemeint war mit diesen Aussagen der alte Nürburgring, die legendäre Nordschleife - mehr als 20 Kilometer pro Runde, steile Rampen und halsbrecherische Abfahrten, sogar eine Steilkurve, das alles mitten im Wald.

In den Nachkriegsjahren, nachdem der Ring als deutsche Strecke in den Kalender der neu gegründeten Formel 1 aufgenommen worden war, strömten mehr als 400.000 Zuschauer an die Strecke. Sie wollten dabei sein, wenn der legendäre Juan Manuel Fangio im Mercedes-Silberpfeil durch den Wald raste. Es war Jackie Stewart, eine andere Formel-1-Legende, der dem Ring in den 60er Jahren den Spitznamen "Grüne Hölle" gab. Die Fahrer riskierten damals im wahrsten Sinne des Wortes ihr Leben, wenn sie in ihren hoch gezüchteten Boliden über den Eifel-Kurs heizten. Nach dem Unfall Laudas zog sich die Formel 1 schließlich wegen Sicherheitsbedenken vom Nürburgring zurück.

Grandioser Bankrott

Erst 1984 gab es die Rückkehr, allerdings auf einen neu gebauten, modernen Grand-Prix-Kurs. Weit weniger spektakulär als der alte und nur rund 4500 Meter lang. Gemeinsam mit dem Mythos waren ihm im Grunde nur noch die Start-Ziel-Gerade und der Name. 29 Jahre und 16 Formel-1-Grand-Prixs später ist die Zukunft der Königsklasse des Motorsports auf dem Nürburgring offen. Fest steht lediglich: An diesem Wochenende findet der Große Preis von Deutschland dort statt. Sebastian Vettel, Nico Rosberg und Co. kämpfen um WM-Punkte.

Blick auf den Nürburgring boulevard mit Achterbahn im Vordergrund (Foto: dpa)

Überdimensioniert: Die Erlebnismeile am Nürburgring mit Achterbahn zieht nicht genug Besucher an

Doch beim Vertrag für das Heimrennen der beiden deutschen WM-Hoffnungsträger handle es sich um "ein Unikat", betonte betonte Karl-Josef Schmidt, der Geschäftsführer der derzeitigen Besitzergesellschaft Nürburgring GmbH. Was danach komme, wisse auch er nicht. Der Eifel-Kurs, der sich jährlich mit dem Hockenheimring als deutsche Strecke im Formel-1-Kalender abwechselt, soll verkauft werden. Der Grund: Der Ring ist insolvent. Im Rahmen des 2007 gestarteten Projekts "Nürburgring 2009", in das rund 350 Millionen Euro Steuergelder flossen, entstand ein riesiger Erlebnispark mit Achterbahn, Hotel, Automobilmuseum und Shopping Mall, dem sogenannten Ring Boulevard.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD, r) und Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) sind am Dienstag (07.07.2009) in der Staatskanzlei in Mainz auf dem Weg in eine Pressekonferenz. Deubel ist wegen der umstrittenen Privatfinanzierung des geplanten Freizeitzentrums Nürburgring 2009 in der Eifel zurückgetreten. (Foto: dpa)

Kurt Beck und Ingolf Deubel

2009 scheiterte die private Finanzierung des Projekts durch mehrere internationale Investoren. Der rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) musste im Juli 2009 zurücktreten und wurde später gemeinsam mit anderen wegen Untreue angeklagt. Wenige Tage nach Deubels Rücktritt wurde der überdimensionierte Freizeitpark an der Strecke eingeweiht. Doch der konnte sich vor Problemen kaum retten: Die Achterbahn fuhr nicht, es kamen kaum Besucher. Die Betreibergesellschaft und das Land Rheinland-Pfalz führten einen Rechtstreit gegeneinander. Im Juli 2012 musste Rheinland-Pfalz' damaliger Ministerpräsident Kurt Beck zugeben, dass die staatliche Besitzergesellschaft des Rings vor der Insolvenz steht. Seit dem 23. Juli 2012 führt ein Insolvenzverwalter die Geschäfte.

Ecclestone bekundet Interesse

Monatelang stand gar nicht fest, ob die Königsklasse des Motorsports in diesem Jahr wie vorgesehen auf dem Traditionskurs in der Eifel starten könnte. Erst nach dem Entgegenkommen von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, der sich bereit erklärte, einen Teil des finanziellen Risikos mitzutragen, kam doch noch eine Einigung zustande. Ecclestone erwägt anscheinend auch, den Nürburgring zu kaufen.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone (Foto:The Canadian Press, Graham Hughes/AP/dapd)

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone

Das deutete der 82-Jährige im Gespräch mit der Tageszeitung "Die Welt" an. "Gut möglich, dass ich ihn kaufe", sagte Ecclestone. "Zumindest denke ich darüber nach." Sollte der Formel-1-Impressario seine Gedanken in die Tat umsetzen, würde das nach eigenen Angaben bedeuten, "dass der Große Preis von Deutschland in Zukunft gesichert ist. Natürlich würden wir dabei die bestehenden Verträge mit dem Hockenheimring berücksichtigen. Ich denke, das Rennen würde wie bisher zwischen beiden Standorten alternieren." Ein Silberstreif am Horizont? Wohl einer von vielen: Denn unter den Kaufinteressenten sollen viele aus der Automobilindustrie und dem Motorsport dabei sein.

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