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Deutschlehrer-Info

Ein Museum für Stefan Zweig

Vor 70 Jahren hat sich der Schriftsteller Stefan Zweig in Brasilien das Leben genommen. In seinem ehemaligen Haus in Petropolis wurde nun ein Kulturzentrum eröffnet, in dem auch Deutschkurse angeboten werden sollen.

Der Schriftsteller Stefan Zweig

Der Schriftsteller Stefan Zweig

Kurz vor seinem Tod bedankte sich der österreichische Schriftsteller bei dem „wundervollen Lande Brasilien“, das ihn und seine Frau in den letzten Monaten ihrer Flucht aufgenommen hatte. In seinem Abschiedsbrief schrieb er: "Mit jedem Tage habe ich dies Land mehr lieben gelernt und nirgends hätte ich mir mein Leben lieber vom Grunde aus neu aufgebaut, nachdem die Welt meiner eigenen Sprache für mich untergegangen ist und meine geistige Heimat Europa sich selber vernichtet. Aber nach dem sechzigsten Jahre bedürfte es besonderer Kräfte, um noch einmal völlig neu zu beginnen. Und die meinen sind durch die langen Jahre heimatlosen Wanderns erschöpft." Am 23. Februar 1942 haben sich Stefan Zweig und seine Frau in ihrem Haus in Petropolis, 60 km nördlich von Rio de Janeiro, vergiftet.

Stefan Zweig war einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftsteller seiner Zeit. Mit seinen Novellen, Biographien oder den historischen Miniaturen "Sternstunden der Menschheit" wurde er weltweit bekannt. Der Pazifist mit jüdischen Wurzeln war jedoch auch ein Gegner des Nationalismus und begeisterte sich für die Idee eines vereinten Europas. Angesichts der nationalsozialistischen Bedrohung aus dem Nachbarland Deutschland und des Aufstiegs des Faschismus in Österreich, verließ er 1934 sein Heimatland und emigrierte zunächst nach London.

Im Jahr 1940, während des Zweiten Weltkriegs, reiste er von England aus zunächst nach New York und ließ sich nach Aufenthalten in Argentinien und Paraguay schließlich 1941 in Brasilien nieder. Hier beendete er auch sein wohl berühmtestes Werk: die "Schachnovelle", das erst nach seinem Tod erschien. Die Geschichte über einen Verfolgten des NS-Regimes, der sich in der Isolationshaft das Schachspielen beigebracht hat, gehört bis heute zu den meist gelesenen Schullektüren in Deutschland.

In Brasilien ist Stefan Zweig nur noch wenigen bekannt, auch wenn sein Buchtitel "Brasilien – ein Land der Zukunft" in dem südamerikanischen Staat zum geflügelten Wort wurde. Deswegen gründete eine Gruppe von Privatleuten um den brasilianischen Zweig-Biografen Alberto Dines 2006 einen Verein, der sich für einen Umbau des ehemaligen Wohnhauses von Stefan Zweig in ein Museum einsetzte. Mangels staatlicher Unterstützung dauerte es jedoch noch sechs Jahre, bis am 28. Juli 2012 die Gedenkstätte eröffnet werden konnte.

Gewidmet ist sie nicht nur dem österreichischen Schriftsteller, sondern auch anderen europäischen Exilanten, die während der NS-Zeit Zuflucht in Brasilien fanden. Außerdem sollen in dem Haus, das auch eine Bibliothek und einen Konferenzsaal beherbergen wird, in Zukunft Veranstaltungen wie z. B. Lesungen, Filmvorführungen, Literatur-Workshops oder Deutschkurse angeboten werden.

Autor: Ingo Pickel
Redaktion: Beatrice Warken