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Wirtschaft

Ein Mittelständler gegen die Touristikkonzerne

Während Touristikkonzerne wie TUI oder Thomas Cook über Flaute klagen, gehen die Geschäfte beim Duisburger Ferienmacher Schauinsland ihren gewohnten Gang. Das Familieunternehmen hat auf seine Weise Erfolg.

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Viel Spaß soll der Urlaub machen

Nach 88 Jahren Firmengeschichte im Duisburger Norden ist der Reiseveranstalter Schauinsland in ein schmuckes, modernes Haus in der Nähe des Duisburger Innenhafens gezogen. Die Geschichte des Familieunternehmens begann mit Möbeltransporten und Busreisen, erzählt Gerald Kassner, der heutige Alleininhaber. Sein Großvater hat das Unternehmen gegründet und später dann auch den Namen Schauinsland-Reisen gefunden. Und das geschah so: In den 1950er Jahren wurden erstmals Busreisen in den Schwarzwald angeboten. Großvater Kassner war vom Schauinsland, dem 1284 Meter hohen Hausberg der Stadt Freiburg so begeistert, dass er seiner Firma diesen Namen gab.

Einzelkämpfer mit Erfolg

Busreisen bietet Schauinsland heute nicht mehr an, sondern ausschließlich Flüge in die Feriengebiete. Rund 350.000 Kunden jährlich buchen mittlerweile bei Schauinsland ihren Urlaub. Etwa die Hälfte reist nach Spanien, auf die Balearen oder Kanaren. Aber auch Ägypten, Tunesien und die Dominikanische Republik werden viel gebucht. Mit einem anvisierten Jahresumsatz von etwa 200 Millionen Euro und jährlichen Wachstumsraten von 20 Prozent kann der Einzelkämpfer in der Touristikbranche gut leben.

Kassner hat 90 Mitarbeiter, ein familiäres Betriebsklima und will überhaupt kein Großveranstalter werden, geschweige denn unter das Dach eines Konzerns schlüpfen: "Wir sind keinen Aktionären etwas schuldig und haben keine Mütter-Töchter-Gesellschafter. Kapital bleibt auch im Unternehmen, so dass wir die Möglichkeit haben, dort sehr effektiv zu arbeiten."

David aus Duisburg

Über den David aus Duisburg staunt so mancher Goliath in der Branche, nicht zuletzt weil sich Schauinsland vielen ungeschriebenen Gesetzen widersetzt. Kassner versucht, sehr flexibel auf die Wünsche der Kunden einzugehen: "Man kann bei uns nur das Hotel buchen, man kann das Hotel mit anderen Flügen kombinieren, die Kombinationsmöglichkeit ist bei uns sehr groß. In dieser Angebotssparte sind wir Marktführer, wobei die großen Veranstalter nach und nach versuchen, diese Marktlücke zu schließen. Sie können einen LTU-Flug mit einem Condor-Flug beim Hin- und Rückflug können, sie können Köln hin, Düsseldorf zurück fliegen oder umgekehrt und sie können die Aufenthaltsdauer individuell festlegen."

Schauinsland-Reisen bringt auch seinen Winterkatalog 2006/2007 wesentlich früher auf den Markt als alle anderen Veranstalter. Im Mai lagen die Winterkataloge bereits auf dem Tisch - während die Mitbewerber sie erst zu Beginn der zweiten Jahreshälfte herausbringen. Das heißt für den Unternehmer Kassner: die Verträge mit den Hotels müssen sehr früh ausgehandelt werden. laut Kassner ist die ganze Hotelkooperation die große Schwierigkeit.

Schlanker Veranstalter auf Einkaufstour

"Die einzelnen Hotels sind nicht immer gewillt so frühzeitig die Preise zu veröffentlichen, vor allen Dingen marktgerechte, attraktive Preise. Wir haben aber schlanker Veranstalter im April eine sehr große Einkaufstour gemacht und mit all unseren Auslandsagenturen gesprochen." Schauinsland habe es dabei geschafft, alle Hotels frühzeitig zu bekommen, anscheinend auch zu marktgerechten Preisen. "Der Buchungseingang für den kommenden Winter ist sehr positiv", sagt Kassner.

Ein klares Bekenntnis zum Reisebüro ist heutzutage selten von den Touristik-Veranstaltern zu hören, weil die Großen zunehmend auch auf das Internet setzen, die Reisen direkt vermarkten und dafür kräftig die Werbetrommel rühren. Bei Kassner ist das anders. Internet ja, auch über die bekannten Ferienportale, aber nicht zu viel Geld in die Werbung stecken, heißt seine Devise. Von den 12.000 Reisebüros in Deutschland verkaufen derzeit etwa 10.000 Schauinsland-Angebote.

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