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Meilensteine

Ein Millionenheer hinter Stacheldraht - O-Ton-Feature über die deutschen Kriegsgefangenen bei den Siegermächten

"Vom ersten bis zum letzten Tag hatte man Hunger" - der ehemalige Kriegsgefangene Heinrich Schöpe erinnert sich an seine 5-jährige Gefangenschaft in der Sowjetunion

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Deutsche Soldaten ziehen am 31.1.43 nach dem Ende der Kämpfe um Stalingrad in eisiger Kälte durch die Ruinen der Stadt in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Bei dieser Schlacht fielen rund 146.000 Soldaten, 90.000 kamen in Kriegsgefangenschaft

Deportation, Zwangsarbeit und lange Jahre in sowjetischer Gefangenschaft - erst 1955 kehrten die letzten Kriegsgefangenen zurück, nachdem sie, von der Sowjetunion als Kriegsverbrecher verurteilt, bewusst als Faustpfand für Verhandlungen mit der Bundesrepublik zurückgehalten worden waren. Vor der Abreise im September 1955 zu Gesprächen mit der Moskauer Staatsführung soll Bundeskanzler Konrad Adenauer gesagt haben, dass es sich um „eine politische Fahrt ins Blaue“ handelt – so berichtet „Der Spiegel“ vom 14. September 1955. Und in der Tat: der Ausgang der Verhandlungen war zu diesem Zeitpunkt noch völlig ungewiss, denn auf der einen Seite hatte sich der Kanzler zum Ziel gesetzt, den in Russland inhaftierten 9626 deutschen Soldaten die Heimkehr zu ermöglichen. Auf der anderen Seite musste er auch seine Verpflichtungen gegenüber den westlichen Verbündeten berücksichtigen.

Mauerchronik 2_8 (1950-59)

Dr. Konrad Adenauer und die Regierungsdelegation in Moskau 1955 - vom 8. bis 16.9.55 verhandelte die bundesdeutsche Regierungsdelegation in Moskau über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern und die Freilassung deutscher Kriegsgefangener

Diplomatische Beziehungen und eine mündliche Zusage

Der Staatsbesuch, bei dem Adenauer von einigen Diplomaten und Ministern begleitet wurde, war noch von den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges überschattet, was die deutsche Position erheblich schwächte. Oft zogen sich der Kanzler und seine engsten Mitstreiter zu Beratungen in den eigens nach Moskau eingereisten Sonderzug, der als Hauptquartier fungierte und als abhörsicher galt. Die offiziellen Gespräche mit den Sowjets waren von einem Rahmenprogramm begleitet, bei dem sich die Unterhändler immer näher kamen. „Der Spiegel“ vom 21. September 1955 berichtet von einem Bankett im Kreml, das anscheinend die Wende in den Verhandlungen brachte: „Es war etwas geschehen, was es in der Diplomatie noch nicht gegeben hatte. … Noch einmal war der Kanzler mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit während des Essens auf die 9626 Kriegsverurteilten zu sprechen gekommen. Und urplötzlich hatte Bulganin gesagt: ‚Gut! Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass acht Tage nach dem Entschluss, diplomatische Beziehungen aufzunehmen, die Menschen heimkehren werden.’“ Auch der 1. Sekretär Nikita Chruschtschow gab sein Ehrenwort. Mit dieser mündlichen Zusage kehrte der Kanzler nach Bonn zurück, denn schriftlich wurde hinsichtlich der Rückkehr der Kriegsgefangenen nichts festgelegt, dennoch einigte man sich über die von den Sowjets so sehr gewünschte Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Die letzten Kriegsgefangenen konnten ihren Heimweg antreten. Zeitgenössische O-Töne deutscher Politiker und die Erinnerungen von Zeitzeugen an gegensätzliche Erlebnisse in englischer und sowjetischer Kriegsgefangenschaft stellt dieses O-Ton-Feature aus dem Jahr 1995 einander gegenüber.

Michelle Kottemann / Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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